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Mord in der WM-Finalnacht : „Mit dem Vorsatz, jemanden zu töten“

Angeklagt wegen Mordes und Mordversuches: Christoph R. vor Gericht Bild: dpa

In Traunstein hat der Prozess gegen einen 21 Jahre alten Mann begonnen, der nach dem WM-Finale in Bad Reichenhall einen Rentner erstach und eine junge Frau verletzte. Beiden rammte er ein Messer ins linke Auge.

          Die Opfer werden sich in dieser besonderen Nacht sicher gefühlt haben. Aber die junge Frau und der 72 Jahre alte Rentner wurden angegriffen, obwohl Deutschland gerade Fußballweltmeister geworden war. Beide waren in den frühen Morgenstunden des 14. Juli 2014 in Bad Reichenhall, wo bis tief in die Nacht das Endspiel gefeiert wurde, auf dem Nachhauseweg. Laut Staatsanwaltschaft hatte der mutmaßliche Täter, ein damals 20 Jahre alter Bundeswehrsoldat, schon seine Kaserne mit dem Vorsatz verlassen, jemanden umzubringen. Seit Dienstag muss sich der Mann vor dem Landgericht Traunstein wegen Mordes und Mordversuchs verantworten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Er werde sich nicht zu den Tatvorwürfen äußern, hat sein Verteidiger zu Prozessbeginn vor der Jugendkammer in einer Erklärung bekannt gegeben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der inzwischen 21 Jahre alte Mann, der aus Morbach in Rheinland-Pfalz stammt, beiden Opfern ins linke Auge gestochen. Seinem männlichen Opfer habe er zudem mit einem Bundeswehr-Messer Dutzende Stiche in Kopf und Oberkörper zugefügt und sei dann mit dessen Portemonnaie geflohen – der Mann starb kurz darauf an seinen schweren Verletzungen. Schon nach einer halben Stunde griff der Mann demzufolge auch die 17 Jahre alte Auszubildende mit diesem Messer von hinten an. Sie war mit dem Fahrrad auf dem Rückweg von einer Feier in einer Gaststätte. Die junge Frau konnte sich mit letzter Kraft zu einem Haus schleppen und an der Tür klingeln. Sie lag mehrere Wochen auf der Intensivstation und ist seit dem Angriff auf dem linken Auge blind. Gemäß Anklageschrift prahlte der Täter nach den Attacken Passanten gegenüber mit seinen Taten.

          Elternhaus mitverantwortlich gemacht

          Da der Angeklagte vor Gericht keine Angaben zu seinem persönlichen Werdegang machte, wurde eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe dazu befragt, die mit ihm gesprochen hatte. Nach ihren Aussagen haben sich seine Eltern getrennt, als er fünf Jahre alt war. Sein Vater sei nach seinen Schilderungen gegen seine Mutter gewalttätig gewesen. Der Junge habe lange im Heim gelebt. Er beendete die Schule mit der Mittleren Reife, brach aber die Fachoberschule und eine Ausbildung zum Metallbauer ab. Ihr gegenüber habe er sein Elternhaus für seine Taten mitverantwortlich gemacht, sagte sie vor Gericht aus. Zu den Anklagevorwürfen habe er aber auch zu ihr keine Angaben gemacht.

          Nach den Überfällen am 14. Juli 2014 hatte die Sonderkommission zunächst tagelang keine heiße Spur. Dann wurden in der Kaserne im Spind des Mannes Kleidungsstücke mit Blutspuren der Opfer gefunden. In ganz Europa wurde mit einem Fahndungsfoto nach dem flüchtigen Gebirgsjäger gesucht. In Norwegen schließlich wurde er von der Polizei festgenommen, nachdem er offenbar über Frankfurt nach Oslo geflogen war. Im April 2013 hatte er seinen freiwilligen Militärdienst in Bad Reichenhall angetreten. Nach Angaben der Bundeswehr hatte zuvor nichts auf eine Gewalttätigkeit des Mannes hingewiesen.

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