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Prozess gegen Strauss-Kahn : Sex ja, aber keine Zuhälterei

Bild: dpa

Der einstige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn steht wegen organisierter Zuhälterei vor Gericht. Im Prozess hat er nun erstmals selbst ausgesagt – und seine Unschuld beteuert. Aktivistinnen vor dem Gericht glauben ihm nicht.

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          Der frühere Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat am Dienstag in Lille vor Gericht seine Unschuld beteuert. Der Sozialist, der in seiner Partei bis Mai 2011 als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat gehandelt wurde, muss sich wegen „schwerer Zuhälterei“ gemeinsam mit 13 weiteren Angeklagten verantworten. Strauss-Kahn droht eine Höchststrafe von zehn Jahren Haft und bis zu 1,5 Millionen Bußgeld.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In Frankreich ist der Straftatbestand der Zuhälterei nicht nur erfüllt, wenn jemand finanzielle Vorteile aus dem käuflichen Sex zieht, sondern auch, wenn er das Geschäft mit Prostituierten fördert. Strauss-Kahn steht im Verdacht, sich von seinen Freunden in Lille jahrelang Sexpartys mit Prostituierten organisiert haben zu lassen. „Ich sehe mich überhaupt nicht als Organisator dieser Abende“, sagte Strauss-Kahn vor Gericht zu seiner Verteidigung. Er bleibe dabei, dass er nicht geahnt habe, dass die teilnehmenden Frauen Prostituierte gewesen seien.

          Strauss-Kahn sagte zum ersten Mal aus

          Zu Beginn des Prozesstages am Dienstag, an dem Strauss-Kahn zum ersten Mal seit der Prozesseröffnung aussagte, verlas der vorsitzende Richter einen Brief des Angeklagten. Strauss-Kahn bekundete darin „weder ein Vergehen noch ein Verbrechen“ begangen zu haben. Er wolle dem Eindruck entgegenwirken, dass er sich einer „zügellosen sexuellen Aktivität“ hingegeben habe. Die Ermittlungen beträfen „vier Termine im Jahr“ während drei Jahren. Er sei damals aufgrund der internationalen Finanzkrise „sehr beschäftigt“ gewesen und habe politische Ambitionen gehegt. Er sei zudem nur selten in Frankreich gewesen.

          „Wenn ich Fabrice angekündigte, dass ich in Paris sein würde, dann schlug er mir ein Mittagessen oder einen Nachmittag vor, bei dem es sexuell spaßig zuging“, sagte Strauss-Kahn in Bezug auf die von dem Unternehmer Fabrice Paszkowski organisierten Sexpartys. „Ich habe nichts gegen Prostituierte, aber das entspricht nicht meinem Konzept sexueller Beziehungen. Es muss spaßig zugehen“, sagte Strauss-Kahn. Zuvor hatte eine der Prostituierten, Mounia, vom „bestialischen Verhalten“ Strauss-Kahns beim Sexualakt gesprochen. „Ich habe geheult, aber er grinste nur“, sagte sie unter Tränen

          Vor Verhandlungsbeginn hatten drei Femen-Aktivistinnen die Prozessbeteiligten mit einem Oben-ohne-Protest empfangen. Eine der Frauen versuchte, mit entblößtem Oberkörper auf das Dach des Autos von Strauss-Kahn zu steigen. Die beiden anderen Aktivistinnen der Frauenbewegung umringten die Limousine. Sie verlangten Schuldsprüche für Kunden von Prostituierten. Die Femen-Aktion dauerte etwa eine Minute. Die Polizei nahm die drei Aktivistinnen vorübergehend fest.

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