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Ansbach : Mordprozess nach tödlicher Messer-Attacke im Jobcenter begonnen

Ein Polizist vor dem Landgericht Ansbach. (Archiv-Foto) Bild: dpa

Ein 28 Jahre alter Mann ersticht einen Gutachter in einem Jobcenter in Rothenburg, nachdem dieser ihm eine schizophrene Psychose diagnostizierte. Nun beginnt der Prozess. Die Staatsanwaltschaft hält den Täter „für die Allgemeinheit gefährlich“.

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          Es sollte ein Gespräch über seine Zukunft werden. Am 3. Dezember 2014 um 11.15 Uhr traf sich der 28 Jahre alte S.T. im Jobcenter in Rothenburg ob der Tauber mit seiner Arbeitsvermittlerin und einem externen Gutachter. Sie wollten über die Frage sprechen, in welchem Umfang er arbeitsfähig sei. Die Arbeitsvermittlerin hatte zuvor beim psychologischen Dienst ein Gutachten in Form einer „Intelligenz- und Leistungsdiagnostik“ in Auftrag gegeben. Der 61 Jahre alte Psychologe, der das Gutachten verfasst hatte, stellte eine „schizophrene Psychose“ fest. S.T. sei nicht in der Lage, einer regulären Tätigkeit auf dem Arbeitsmarkt nachzugehen. Er müsse eine Therapie machen und habe einen Intelligenzquotienten von 76. Die Ergebnisse wurden S.T. in dem Gespräch mitgeteilt.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit Montag muss er sich nun vor dem Landgericht Ansbach wegen Mordes an dem Gutachter verantworten. Für die Staatsanwaltschaft war der tödliche Angriff auf den Psychologen, der damals eine Diskussion über die Sicherheit in Jobcentern hervorrief, keine Affekthandlung. Schon während des Treffens habe der Achtundzwanzigjährige die Absicht gehabt, den Psychologen zu töten, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft.

          Demnach verließ S.T. nach dem Gespräch gegen 11.45 Uhr das Büro der Arbeitsvermittlerin. Um 11.51 Uhr kaufte er in einem Geschäft in Rothenburg ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 12,7 Zentimetern, um den Psychologen zu erstechen – so sieht es die Staatsanwaltschaft. Während S.T. die Waffe kaufte, kümmerte sich das spätere Opfer in dem Büro des Jobcenters um die Arbeitsvermittlerin: Sie sei in Tränen ausgebrochen, da S.T. sie während des Gesprächs bedroht habe.

          Gutachter hatte keine Chance

          Als dieser dann um 11.55 Uhr unvermittelt wieder im Dienstzimmer auftauchte, hatte der Gutachter laut Anklage keine Chance. Es tue ihm leid, aber er müsse das jetzt zu Ende bringen, habe der Angreifer gesagt und dabei sofort dreimal auf den Psychologen eingestochen. Das Opfer saß auf einem Stuhl und hatte weder die Möglichkeit auszuweichen, noch den Angriff vorherzusehen. Einer der Stiche durchdrang den Brustkorb und traf das Herz. Etwa eine halbe Stunde später starb der Psychologe an dieser tödlichen Verletzung.

          Nach Verlesung der Anklageschrift wurde die Öffentlichkeit am Montag zeitweise von der Verhandlung ausgeschlossen. Als Grund führte das Gericht Details zum Gesundheitszustand des Angeklagten an. S.T. gilt nach Angaben der Staatsanwaltschaft als „für die Allgemeinheit gefährlich“. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung sei seine Steuerungsfähigkeit während der Tat erheblich vermindert gewesen. Auch hatte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Morgen vor der Tat Haschisch geraucht. Zur Zeit ist er in einer psychiatrischen Klinik in Erlangen untergebracht.

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