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Prozess um Mord an Mirco : Mutmaßlicher Täter gerät in Erklärungsnot

  • Aktualisiert am

Die Akten werden immer dicker: Der mutmaßliche Täter Olaf H. verstrickt sich immer mehr in seinen Aussagen Bild: dapd

Im Prozess um den Mord an Mirco aus Grefrath hat der ehemalige Vorgesetzte des mutmaßlichen Täters Olaf H. vor dem Landgericht Krefeld ausgesagt und ihn weiter belastet.

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          Der mutmaßliche Mörder des zehnjährigen Mirco gerät mit seiner Aussage über den Streit mit seinem Chef als Auslöser für die Tat zunehmend in Erklärungsnot. Die von dem ehemaligen Telekom-Bereichsleiter angeführte telefonische Auseinandersetzung mit seinem Vorgesetzten am Tag des Verbrechens ist nach dessen Angaben erlogen. „Das Gespräch hat so nicht stattgefunden“, sagte der Ex-Chef von Olaf H. am Freitag vor dem Landgericht Krefeld.

          Der Angeklagte hatte gegenüber der Polizei das Streitgespräch sowie monatelangen beruflichen Stress als Grund genannt, dass er am Nachmittag des 3. September 2010 mit dem Auto herumgefahren sei und den aus Grefrath (Kreis Viersen) stammenden Mirco aufgegriffen und ermordet habe. Der Zeuge sagte, er sei an diesem Tag privat mit seiner Familie in London gewesen und habe H. nicht angerufen. Der Angeklagte blieb unterdessen bei seiner Aussage: „Ich bin mir sicher und habe das so in Erinnerung“, sagte H. dem Richter. Am vorangegangenen Verhandlungstag hatte er berichtet, er habe am Tattag frei gehabt, um seine kranke Tochter zu pflegen. Sein Chef sei bei dem Anruf ausfallend geworden: „Es ist mir scheißegal, was mit deiner blöden Tochter ist“, soll er sinngemäß gesagt haben.

          Selbstbild durch Kritik „schwer getroffen“

          Der als Zeuge geladene Telekom-Manager räumte ein, dass er mit der Arbeit von Olaf H. nicht zufrieden gewesen sei und ihm dies auch gesagt habe. Deshalb könne es in den Wochen zuvor durchaus zu einem kritischen Telefonat gekommen sein. In einem persönlichen Gespräch am 1. Juli 2010 habe er seine Kritik zudem „sehr deutlich“ formuliert. Dies habe H. nach seinem Eindruck schwer getroffen. „Er hatte von sich selbst ein besseres Bild als ich“, sagte der Zeuge. Dabei sei er als Vorgesetzter aber nicht beleidigend aufgetreten.

          H. sagte dagegen vor Gericht, sein Chef habe ihn an diesem Tag bei einer Konferenz von Teamleitern vor versammelter Mannschaft „rund gemacht“. Deshalb habe er dieses Treffen vorzeitig verlassen. Er habe sich „fies gemobbt“ gefühlt, auch weil er von der Mitarbeit an einem Projekt ausgeschlossen worden sei. Der Vorgesetzte bestritt in seiner Aussage, H. in der Konferenz offen angegangen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45-jährigen Familienvater Mord aus niedrigen Beweggründen und zur Verdeckung eines sexuellen Missbrauchs vor. Über die Zeugenaussagen von Kollegen und Angehörigen versucht das Gericht, das Motiv für die Tat zu ergründen. Olaf H. hatte den Mord an Mirco zwar gestanden, doch dabei widersprüchliche Angaben zum Tatgeschehen gemacht.

          Der Prozess wird am 16. September fortgesetzt. Der für Montag angesetzte Verhandlungstag entfällt.

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