https://www.faz.net/-gum-rfbd

Prozeß : Mutter soll Tochter getötet und zerstückelt haben

  • Aktualisiert am

Mandy K. vor dem Düsseldorfer Landgericht Bild: dpa/dpaweb

Nach einer Reihe Aufsehen erregender Kindstötungen in Deutschland beschäftigt seit Freitag ein selbst für die Ermittler kaum faßbarer Fall in Düsseldorf die Justiz. Eine 27jährige soll ihre drei Jahre alte Tochter ermordet und die zerstückelte Leiche auf dem Balkon versteckt haben.

          2 Min.

          Nach einer Reihe Aufsehen erregender Kindstötungen in Deutschland beschäftigt seit Freitag ein selbst für die Ermittler kaum faßbarer Fall in Düsseldorf die Justiz. Eine 27 Jahre alte Porno-Darstellerin soll ihre dreijährige Tochter ermordet haben. Die Leiche der kleinen Pervin hat die Angeklagte der Staatsanwaltschaft zufolge zerstückelt und mehr als zwei Jahre unbemerkt auf dem Balkon ihrer Wohnung versteckt.

          Beim Prozeßauftakt vor dem Landgericht läßt die gelernte Krankenpflegerin aus Osterburg in Sachsen-Anhalt ihre Geständnisse durch ihre Verteidiger widerrufen. Mit unbewegter Miene läßt die Mutter zweier Töchter sich auf der Anklagebank in Saal L 103 des Landgerichts filmen und fotografieren, präsentiert sich kühl und trotzig. Während der Verhandlung macht sie sich Notizen und äußert sich nur zur Frage nach ihrer Aussagebereitschaft: „Nein!“ Sie sei mit falschen Versprechungen einer Polizistin zu den Geständnissen verführt worden, erklären ihre Anwälte. Dabei sei es um das Sorgerecht für ihre zweite Tochter gegangen.

          „Den Kopf des Kindes abgetrennt“

          Doch das Gericht weist diese Version nach kurzer Anhörung der Beamtin als unglaubhaft zurück und sieht keinen Anlaß, die Kommissarin von der Zeugenliste zu streichen. Was sich vor drei Jahren in der Zwei-Zimmer-Wohnung der Angeklagten abgespielt haben soll, kann Staatsanwalt Ralf Herrenbrück kaum in nüchterne Worte fassen: Mandy K. habe ihrer kranken Tochter bis zum Eintritt des Todes Essen, Trinken und einen Arzt verweigert. Aus purer Habgier: Sie sei nicht krankenversichert gewesen und habe erst einen Tag zuvor eine Abtreibung bar bezahlt. Als ihre Tochter tot war, habe sie „den Kopf des Kindes vom Rumpf abgetrennt“, „den Körper gebrochen“ und anschließend in einer Plastikbox auf dem Balkon verstaut.

          In ihrer Wohnung, in der auch ihre zwei kleinen Töchter lebten, betrieb die inzwischen 27 Jahre alte Frau damals ihr Internet-Porno-Geschäft. Kameras übertrugen das Geschehen aus der Wohnung ins Netz. Weil sie die Jugendschutz-Sperre für ihre Internet-Seiten aufhob, sollte sie ins Gefängnis, als bei einer zusätzlich anstehenden Zwangsräumung der Wohnung dem Jugendamt das Verschwinden der kleinen Pervin auffiel. Als die Frau nach anfänglichem Bestreiten die Tötung ihrer Tochter gesteht, kommen die Ermittler zu spät. Der Hausrat vom Tatort ist nach der Zwangsräumung bereits in der städtischen Müllverbrennung - mit ihr vermutlich auch die sterblichen Überreste des Mädchens. Mit Leichenspürhunden versuchen die Ermittler noch vergeblich, im Müll die Kinderleiche für das Verfahren zu sichern.

          „Das bringt doch nichts ein“

          Nachdem Mandy K. klar wird, daß die Polizei die Leiche nicht finden konnte, will sie von ihren mehrfachen Geständnissen nichts mehr wissen. Daraufhin legt ihr ursprünglicher Anwalt sein Mandat nieder. Der damalige Ehemann der 27 Jahre alten Frau will vom Martyrium seiner Tochter nichts mitbekommen haben. Mehr als zwei Jahre lang soll er sich mit Ausreden über den Verbleib des Kindes abgefunden haben. Da die Strafvereitelung im Fall von Angehörigen nicht strafbar ist, bleibt der Kioskbesitzer auf freiem Fuß.

          Die Strategie der Verteidiger, die Geständnisse als falsch und unzulässig zu widerrufen, kontert der Staatsanwalt am Freitag mit dem Vorschlag, die Videobänder von der Vernehmung vorzuführen. Dabei gab die Angeklagte - in der Annahme, die Leiche sei gefunden, ungefragt zu Protokoll, ihr sei der abgetrennte Kopf des Kindes heruntergefallen. Für die Ermittler ist dies ein klarer Versuch, etwaige Spuren von Mißhandlungen zu erklären. Auf die Frage, ob das Kind etwa noch lebe und für Kinderpornographie mißbraucht werde, soll sie mit den Worten „Das bringt doch nichts ein“ geantwortet haben. Der Prozeß wird am Dienstag fortgesetzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handwerker installieren Solarmodule auf dem Dach: Kann die Vision der autarken und unbegrenzten Energieversorgung Wirklichkeit werden?

          Photovoltaik in Deutschland : Auferstanden aus Ruinen

          Nach Jahren der Krise fasst die Solarbranche in Deutschland wieder Mut. Ein Energieberater erklärt, was es von A bis Z alles zu beachten gilt – und nicht nur in Dresden leben alte Träume fort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.