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Prozess in London : Boris Becker bestreitet Vorwürfe

Bild: dpa

Die britische Insolvenzbehörde wirft Boris Becker die Verschleierung von Vermögen vor – im Falle einer Verurteilung drohen ihm sieben Jahre Haft. Der frühere Tennisprofi hat nun vor Gericht auf „nicht schuldig“ plädiert.

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          Das Drama des Insolvenzprozesses zieht sich für Boris Becker länger hin. Am Donnerstag hat sich der frühere Tennisprofi vor einem Londoner Gericht gegen Vorwürfe gewehrt, er habe Vermögen verschleiert. Er plädiere auf „nicht schuldig“ zu allen 28 Anklagepunkten, sagte Becker vor dem Southwark Crown Court. Die britische Insolvenzbehörde wirft ihm vor, er habe in seinem Insolvenzverfahren Informationen zu Immobilien, Bankkonten und Transaktionen in Millionenhöhe verschwiegen. Becker habe „große Mengen Geld versteckt“, sagte die Anwältin des Insolvency Service. Im Falle einer Verurteilung drohten ihm maximal sieben Jahre Haft. „Er ist völlig unschuldig und beabsichtigt, sich zu gegebener Zeit vor Gericht zu verteidigen“, sagte Beckers Sprecher Aaron Stephans nach der Anhörung.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Der 52 Jahre alte einstige Wimbledon-Sieger erschien in einem grauen Anzug, blauer Krawatte und Kappe sowie schwarzer Gesichtsmaske mit Puma-Signet und der Markenbotschaft „Stronger Together“ vor dem Gericht südlich der Themse, gegenüber dem Tower of London. In der etwa 45 Minuten dauernden Anhörung ging es vor allem um prozessuale Details, er musste seinen Namen und Anschrift nennen – und sagte sein Plädoyer: „Not guilty“. Der eigentliche Prozess beginnt erst im September 2021. Bis dahin gelten für Becker strenge Auflagen: Er musste seinen deutschen Reisepass abgeben und muss jede Reise der Insolvenzbehörde melden. Das Gericht lehnte es ab, diese Auflagen zu lockern.

          Im Juni 2017 war der Tennisprofi vom Londoner High Court für insolvent erklärt worden, nachdem er es nicht vermocht hatte, eine fällige Schuld von 3,3 Millionen Pfund bei der Privatbank Arbuthnot Latham zu begleichen. Eigentlich endet ein Privatinsolvenzverfahren in Großbritannien nach einem Jahr. Die Insolvenzbehörde wirft Becker aber vor, er habe Vermögen verschleiert und „Transaktionen“ über 4,5 Millionen Pfund (heute rund 5 Millionen Euro) vor und nach Verfahrensbeginn nicht genannt. Becker weist das zurück.

          Weil er gegen Insolvenzauflagen verstoßen haben soll, ordnete der Insolvency Service an, dass Becker zwölf weitere Jahre, bis Oktober 2031, mit Insolvenzauflagen leben muss. Er darf keine britische Firma führen, muss seine Gläubiger über seine Vermögenssituation informieren und jedes Darlehen über 500 Pfund melden.

          Nach britischen Medienangaben beziffert der Insolvency Service das unterschlagene Vermögen auf etwas über zwei Millionen Euro auf Konten und in Aktien eines Unternehmens für Künstliche Intelligenz, hinzu kämen zwei Immobilien in Deutschland und eine Wohnung in Chelsea. Becker lebt nach eigener Auskunft vor Gericht im September in einem Apartment im Londoner Stadtteil Battersea mit Blick auf die Themse.

          Zu den verschwiegenen Vermögenswerten zählen auch Sport-Trophäen wie sein erster Wimbledon-Pokal von 1985. Vergangenes Jahr musste Becker eine Reihe von 80 Pokalen und persönlichen Gegenständen bei einer Zwangsversteigerung, gegen die er sich zuvor heftig gewehrt hatte, verkaufen. Das brachte insgesamt 687000 Pfund (umgerechnet etwa 760.000 Euro). Britische Boulevardmedien verfolgen die Schritte des früheren Tennisstars in London zuweilen rücksichtslos. Zwei Abende vor dem Gerichtstermin fotografierte ihn die „Daily Mail“, wie er mit einem Begleiter in einem Restaurant aß und anschließend von weiblichen Fans um ein Foto gebeten wurde – ohne Mund-Nasen-Schutz und unter Verstoß der Vorschriften zur sozialen Distanzierung. Seinen Lebensunterhalt verdient Becker als Sportkommentator für Eurosport und die britische BBC.

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