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Entsetzliches Muster : Mann soll abermals Geliebte getötet haben

Dem Angeklagten (Mitte) wird vorgeworfen, seine frühere Freundin getötet zu haben. Bild: dpa

In Essen steht ein Mann vor Gericht, weil er seine ehemalige Freundin brutal getötet haben soll. Die Nebenklage spricht von einem „serientätermäßigen Verhalten“: Der Angeklagte hat schon mal eine frühere Partnerin umgebracht.

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          Es muss ein qualvoller Tod gewesen sein. Am 23. Juni vor einem Jahr fuhr Michael Sch. mit seiner ehemaligen Freundin Anna S. unter dem Vorwand in seine Wohnung nach Krefeld, er wolle sich mit ihr nach den vielen Streitigkeiten der vergangenen Monate ein letztes Mal gründlich aussprechen. Die beiden hatten sich Ende 2017 in einem Internetportal kennengelernt und eine merkwürdige On-Off-Beziehung geführt. Selbst als sie sich längst getrennt hatten, trafen sie sich immer wieder zum einvernehmlichen Sex. Im Frühjahr 2019 hatte Anna S. eigentlich endgültig Schluss gemacht. Obwohl sie sich vor Michael Sch. fürchtete und obwohl ihre Angehörigen sie eindringlich gewarnt hatten, sich nicht mehr allein mit ihrem früheren Freund zu treffen, stieg Anna S. doch in sein Auto.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Zum Auftakt der Hauptverhandlung gegen den 47 Jahren alten Michael Sch. braucht die Staatsanwältin am Mittwoch nur ein paar Minuten, um das Grauen in Worte zu fassen, das sich in der Wohnung des Angeklagten ereignet haben soll: Demnach fesselte Sch. die unbekleidete Anna S. „mittels Kabelbindern und eisernen Handschellen“ und zog ihr eine Plastiktüte über den Kopf. Sodann habe Sch. die 35 Jahre alte Frau „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs“ erstickt, „sein Motiv war Eifersucht sowie Wut darüber, dass die Geschädigte versucht hatte, sich von ihm zu lösen“.

          Der Leichnam wurde bis heute nicht gefunden

          Ob sich die Tat wirklich so abgespielt hat? Michael Sch. selbst will sich dazu nicht einlassen. Der massige Mann, der sich die Anklage ohne erkennbare Regung angehört hat, macht von seinem Schweigerecht Gebrauch. Erschwert wird das Verfahren auch dadurch, dass der Leichnam von Anna S. bis heute nicht gefunden wurde. Ermittler haben den Verdacht, dass Michael Sch. ihre sterblichen Überreste an seinem letzten Arbeitsplatz, einem Krefelder Müllheizkraftwerk, verschwinden ließ. Spürhunde schlugen dort jedenfalls an, doch in den Müllbergen fand sich dann nicht mehr die geringste Spur. Die Chancen für Sch., in dem Prozess ohne Leiche, für den das Gericht bisher noch zwölf weitere Verhandlungstage angesetzt hat, freigesprochen zu werden, sind gleichwohl gering. Zu viele Hinweise und Spuren haben Polizei und Staatsanwaltschaft zusammengetragen.

          Da ist zum einen der Handy-Videomitschnitt, den die Ermittler sicherstellten. In dem Film ist eine weitgehend nackte, reglose Frau am Boden zu sehen, deren Kopf in einer Plastiktüte steckt. Die Tüte ist am Hals der Frau fest verschnürt. In dem Film ist auch zu sehen, dass ein Mann sich an der Frau vergeht. Ein paar obszöne Worte sind zu hören. Die Ermittler sind sich sicher: Das Video ist in der Wohnung von Sch. entstanden. Ihn selbst glauben sie anhand der Turnschuhe und einer farbige Socke eindeutig identifizieren zu können. Und bei der Toten handelt es sich nach Überzeugung der Ermittler wegen der auffälligen Fingernägel und mehrerer offenbar gut sichtbaren Tätowierungen um Anna S.

          Sch. tötete schon mal eine Freundin

          Am Rande des Prozesses spricht am Mittwoch ein Anwalt der Angehörigen von S., die als Nebenkläger an der Hauptverhandlung teilnehmen, von einem „ganz schrecklichen Geschehen“. Vieles deute bei Sch. auf ein „serientätermäßiges Verhalten“ hin. Michael Sch. hat tatsächlich schon einmal eine ehemalige Freundin umgebracht. Vor 22 Jahren verschaffte er sich frühmorgens mit einem heimlich angefertigten Nachschlüssel Zugang zur Wohnung von Christine G. in Duisburg. Er zwang die Frau, sich nackt auszuziehen. Dann metzelte er sie mit 120 Messerstichen hin. Die Tat sei Ausdruck eines „gesteuerten Vergeltungsdrangs“, befand das Duisburger Landgericht, das ihn 1999 wegen Totschlags zu elf Jahren Haft verurteilte. Michael Sch. habe es nicht ertragen können, dass Christine G. ihn verlassen und zu ihrem Ehemann zurückgekehrt war. Sch. sei emotional labil und von seiner Mutter abhängig und kaum in der Lage, sich der Realität zu stellen. Er sei zugleich besitzergreifend, hochfahrend und aufschneiderisch, attestierte ihm die Duisburger Kammer seinerzeit.

          Es ist ein bedrückendes Muster, das nach und nach deutlich wird, als der Essener Richter das Urteil am Mittwoch komplett vorliest. Wie schon im Fall Christine G. soll Michael Sch. auch im Fall Anna S. mit großer Energie und Ausdauer vorgegangen sei. Zunächst soll er versucht haben, Anna S. durch brutale Einschüchterung an sich zu binden. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat er im September 2018 versucht, in ihrer Gelsenkirchener Wohnung Feuer zu legen – weshalb er sich nun zusätzlich wegen Brandstiftung verantworten muss. Systematisch habe er die Frau ausspioniert und sogar heimlich eine Kamera in ihrer Wohnung installiert – für die er sich einen Schlüssel hatte nachfertigen lassen.

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