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Prozeß : Günther Kaufmanns verworrener Fall

  • Aktualisiert am

Günther Kaufmann Bild: AP

Der Schauspieler Günther Kaufmann war im vergangenen Jahr wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge verurteilt worden. Jetzt wird geprüft, ob er ein falsches Gestädnnis abgelegt hat.

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          Das Landgericht Augsburg wird in den nächsten Wochen prüfen, ob im Fall des Schauspielers Günther Kaufmann eine neue Hauptverhandlung stattzufinden hat. Kaufmann war am Dienstag auf freien Fuß gesetzt worden, nachdem das Landgericht Augsburg eine Wiederaufnahme für zulässig befunden hatte.

          Das Landgericht wird nun untersuchen, ob sich der Verdacht erhärtet, daß Kaufmann ein falsches Geständnis abgelegt hat. Kaufmann war im November vergangenen Jahres vom Landgericht München wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von fünfzehn Jahren verurteilt worden; im Prozeß hatte er angegeben, er habe sich nach finanziellen Streitigkeiten auf seinen Steuerberater Hartmut Hagen gelegt, um ihn einzuschüchtern. Hagen sei dabei erstickt, ohne daß er dies gewollt habe.

          Anstiftung der Ehefrau

          Der Schauspieler hatte noch im Gerichtssaal auf Rechtsmittel verzichtet und danach seine Strafe angetreten, die er in einem Berliner Gefängnis verbüßte. Ein Hinweis brachte die Polizei jedoch im August auf die Spur dreier Männer aus Berlin. Nach den bisherigen Ermittlungen ist die mittlerweile verstorbene Ehefrau der Schauspielers, Alexandra Kaufmann, die Geliebte eines der Verdächtigen gewesen. Sie soll den einschlägig vorbestraften Mann angestiftet haben, den vermögenden Steuerberater zu überfallen; ihr Geliebter soll die zwei anderen Verdächtigen für das Verbrechen angeheuert haben. Zwei der Verdächtigen haben die Tat gestanden; auch der dritte Mann gibt zu, Hagen überfallen zu haben, bestreitet aber die Tötung des Steuerberaters.

          Die Staatsanwaltschaft bereitet zur Zeit die Anklage gegen die drei Männer vor, die in München in Untersuchungshaft sitzen; zuständiges Gericht ist das Landgericht München. Kaufmann widerrief im September sein Geständnis; zugleich bestritt er jede Beteiligung an der Tat der drei Berliner Verdächtigen. Er habe aus Liebe zu seiner Frau das falsche Geständnis abgelegt. Nach den bisherigen Ermittlungen hatte Alexandra Kaufmann dem Steuerberater vorgespiegelt, sie führe in den Vereinigten Staaten einen aussichtsreichen Zivilprozeß gegen einen amerikanischen Rockstar und brauche Geld, um Anwälte zu bezahlen. Tatsächlich habe die krebskranke Frau mit dem Geld, das ihr der Steuerberater lieh - insgesamt 830.000 Mark -, Medikamente finanziert.

          Kaufmann von seiner Frau getäuscht?

          Auch Kaufmann will von seiner Frau getäuscht worden sein; so habe sie ihm vorgespiegelt, sie halte sich wegen des Zivilprozesses gegen den Rockstar in den Vereinigten Staaten auf, während sie in Wahrheit bei ihrem Geliebten in Berlin gewesen sei. Über die Wiederaufnahme seines Verfahrens muß nach der Strafprozeßordnung in jedem Fall getrennt von dem Münchner Verfahren gegen die drei Berliner Verdächtigen verhandelt werden; eine Verbindung der beiden Verfahren ist nicht zulässig. Allerdings könnte das Landgericht Augsburg, nachdem es angeordnet hat, die Haft Kaufmanns zu unterbrechen, den Ausgang des Münchner Verfahrens abwarten.

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