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Prozeß gegen Robert Pickton : Serienmord im Schweinepalast

  • -Aktualisiert am

Robert Pickton, wie ihn der Gerichtszeichner sieht Bild: AP

In Kanada kommt Robert Pickton vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft legt dem Schweinemäster zur Last, 26 rauschgiftsüchtige Prostituierte ermordet zu haben. Damit wäre er der schlimmste Serienmörder Kanadas. Pickton beteuert seine Unschuld.

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          Die Dominion Road bildet die Grenzlinie. Auf der einen Seite liegt ein neues Gewerbegebiet mit Discountern und Kettenrestaurants. Daran grenzen Einfamilienhäuser, umgeben von penibel gepflegten Gärten. Früher muß es hier ähnlich ausgesehen haben wie auf der anderen Seite der Old Dominion Road: landwirtschaftliche Betriebe, verstreut liegende Häuser zwischen Buschwerk und Brachland. Ein Schild weist zu einer Katzenpension, ein anderes zum Golfclub.

          Hier, am Rande der kanadischen Stadt Port Coquitlam in der Provinz British Columbia, lebte Robert William Pickton auf einem Bauernhof an der Ecke Old Dominion Road/Burns Road. Doch von dem Schweinemastbetrieb, den der 57 Jahre alte „Willie“, wie er in Port Coquitlam genannt wurde, gemeinsam mit seinem Bruder Dave bewirtschaftete, ist nichts mehr zu sehen. Sämtliche Gebäude wurde abgerissen, und Robert Pickton sitzt im Gefängnis. Wenn er der Taten schuldig gesprochen wird, die er auf dem Hofgelände begangen haben soll, wird Pickton der schlimmste Serienmörder Kanadas sein.

          Morde zwischen 1995 und 2001

          Die Staatsanwaltschaft legt dem Schweinemäster zur Last, über sechs Jahre hinweg 26 rauschgiftsüchtige Prostituierte ermordet zu haben. Alle Opfer arbeiteten im rund 60 Kilometer entfernten Vancouver, im berüchtigten Stadtviertel Downtown Eastside, wo Gewalt, Rauschgifthandel, Prostitution, Armut und Elend grassieren. Die frühesten Vorwürfe gegen Pickton reichen bis 1995 zurück; die letzte Tat soll der angeklagte Schweinemäster im Winter 2001 begangen haben, drei Monate vor seiner Verhaftung. Picktons Festnahme folgte auf Ermittlungen einer Polizeikommission, die 2001 gegründet worden war, um das mysteriöse Verschwinden von Dutzenden Prostituierten aus Downtown Eastside zu untersuchen.

          Geschworenenauswahl: Robert Pickton (re.) vor dem Supreme Court

          Anfangs war Pickton nur wegen zweier Morde angeklagt. Doch dann wurde die Liste seiner mutmaßlichen Opfer immer länger. Fast zwei Jahre lang haben Spezialkräfte auf dem Hof der Picktons Gebäude und Erdreich auf Spuren verschwundener Frauen untersucht. Die Ermittlungen haben bislang DNA-Material von 33 vermißten Frauen zutage gefördert, und noch immer werden Proben analysiert. Doch für den Prozeß gegen Robert Pickton hat man genug Beweismaterial beisammen. Am Wochenende begann nun in New Westminster die Auswahl der Geschworenen. Für die Jury werden zwölf Schöffen und zwei Ersatzschöffen gebraucht. Am 8. Januar soll die Hauptverhandlung gegen Pickton eröffnet werden.

          Bislang gibt es wegen einer Nachrichtensperre keine detaillierten Informationen über die Mordfälle. Aber einiges ist doch durchgesickert, und das klingt nach schrecklichen Verbrechen. In den Zeitungen zitiert wurden vor allem Äußerungen des Leiters der Gesundheitsbehörde, Perry Kendall, zu illegalen Schlachtungen auf dem Hof der Brüder Pickton. Man könne nicht ausschließen, daß Schweinefleisch mit den sterblichen Überresten von Menschen vermischt worden sei, das Robert Pickton dann Freunden und Bekannten gegeben habe. Derartige Berichte haben Mike Farnworth nicht davon abhalten können, den Traum vom eigenen Haus direkt neben dem Hofgrundstück der Picktons zu verwirklichen.

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