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Prozess gegen Oscar Pistorius : „Er war verzweifelt“

Bild: REUTERS

Nach einer zweiwöchigen Pause geht der Prozess gegen Oscar Pistorius in die wohl entscheidende Phase. Am Montag berichtete ein Nachbar von der Nacht, in der Reeva Steenkamp starb.

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          „Bitte Johan, bitte, bitte komm. Ich habe Reeva erschossen. Ich habe sie für einen Einbrecher gehalten.“ Mit diesen Worten soll Oscar Pistorius um Hilfe gerufen haben, nachdem er am Valentinstag im vergangenen Jahr seine Freundin Reeva Steenkamp durch eine geschlossene Toilettentür getötet hatte. Das sagte ein Nachbar in dem Prozess gegen den südafrikanischen Sportler aus, der am Montag nach einer zwei Wochen langen Pause wieder begonnen hat und voraussichtlich nun in die Schlussphase gehen wird.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die Aussage von Johan Stander deckt sich mit Pistorius’ Darstellung der Geschehnisse. Der Sportler hält auch nach einem erbarmungslosen Kreuzverhör durch Staatsanwalt Gerrie Nel daran fest, seine Freundin für einen Einbrecher gehalten und aus Angst vier Mal durch die Tür geschossen zu haben. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft handelte es sich um eine vorsätzliche Tat. Steenkamp sei während eines Streits in die Toilette geflüchtet.

          „Es ist schwer zu beschreiben“

          Stander berichtete, Pistorius sei außer sich gewesen, als er mit seiner Tochter als erster in dem Haus ankam. „Wir sahen Pistorius die Treppe herunterkommen mit Reeva in den Armen. Sie hatte eine Wunde am Kopf.“ Seine Tochter habe Pistorius aufgefordert, Steenkamp auf den Boden zu legen. „Ein junger Mann mit einer Frau in seinen Armen. Er betete, er war traumatisiert, gebrochen, verzweifelt. Es ist schwer zu beschreiben“, sagte Stander. Pistorius habe Gott angefleht, ihm zu helfen. Er habe seinen Finger in Steenkamps Mund gesteckt, um ihr das Atmen zu erleichtern.

          Auch Standers Tochter berichtete, dass Pistorius außer sich gewesen sei. Er habe nur gewollt, dass die blutende Freundin rasch in ein
          Krankenhaus gebracht werde. „Er bettelte darum, dass ich sie in
          meinem Wagen zum Hospital fahre“, schilderte Carice Viljoen das
          Geschehen. Ihr Vater habe dann telefonisch einen Notarztwagen
          gerufen.



          Staatsanwalt Nel hakte in seiner Vernehmung des Zeugen nach, ob Pistorius von einem „Versehen“ gesprochen hatte. Stander verneinte. Der Paralympics-Star, der während des Prozesses immer wieder weinte und sich übergeben musste, hatte vor der Verhandlungspause seine Argumentation geändert. Er sagte mit einem Mal, versehentlich geschossen zu haben. Zuvor hatte er von Notwehr gesprochen.

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