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Prozess gegen Marvin E. : Ein Waffennarr, der schnell aggressiv werden konnte

Der Angeklagte Marvin E. (Mitte) kommt in Begleitung von Justizbeamten zum Prozessauftakt in den Gerichtssaal des Oberlandesgerichts Frankfurt. Bild: dpa

In Frankfurt steht der Lehrling Marvin E. vor Gericht. Er soll versucht haben, einen Ableger der rechtsextremen Terrorgruppe „Atomwaffendivision“ zu gründen.

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          Fast die gesamten drei Stunden blickt er auf den Boden oder zur Richterbank. Die Fragen beantwortet Marvin E. jedoch ohne Auslassungen. Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Frankfurt hat der mutmaßliche Rechtsextremist am Freitag Auskunft über seine Schulzeit und seine persönlichen Interessen gegeben.

          Kevin Hanschke
          Volontär.

          Der 20 Jahre alte Schreinerlehrling aus dem nordhessischen Spangenberg muss sich wegen der versuchten Gründung einer terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, aus rechtsextremistischen Motiven Anschläge mit Schusswaffen und Sprengsätzen geplant zu haben. Marvin E. soll entschlossen gewesen sein, einen Ableger der amerikanischen Neonazi-Terrorgruppe „Atomwaffendivision“ zu gründen und zur Herbeiführung eines „Rassenkriegs“ Sprengstoffanschläge zu begehen.

          Laut Anklageschrift hat E. einem Mitschüler aus der Berufsschule Bilddateien der „Atomwaffendivision“ in einem Whatsapp-Chat geschickt, später auch Propagandavideos. Im August vergangenen Jahres soll er in einem Chat der Neonazigruppe nach Möglichkeiten gefragt haben, Schusswaffen nach Deutschland zu schmuggeln. Zudem habe E. von Frühjahr 2021 an Bauteile für selbst gebastelte Sprengsätze beim Internetversandhaus Amazon bestellt, darunter Zündschnüre, Schwefel- und Magnesiumpulver, einen Koffer und Stahlkugeln.

          Engagement in der CDU

          Der Angeklagte, der eine Förderschule besucht und nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre begonnen hatte, fühlte sich während der Schulzeit nach eigenen Worten oft isoliert. Zudem sei er häufiger von „Ausländern“ geschlagen worden. Besonders in der Förderschule sei er in Diskussionen über den Islam verwickelt gewesen, die in Schlägereien gemündet haben. Einem Gutachten zufolge, aus dem in der Verhandlung vorgetragen wurde, hat sich Marvin E. als einen Menschen bezeichnet, der bei bestimmten „Beleidigungen“ schnell aggressiv werden könne.

          Die Wohnung des Tischler-Azubis aus Mittelhessen, der bei der Kommunalwahl 2021 als freier Bewerber der CDU für die Stadtverordnetenversammlung in Spangenberg kandidiert hatte, war wegen eines Waffendelikts durchsucht worden. Dabei fanden die Ermittler Kleinsprengkörper, Brandvorrichtungen und ein rassistisches Manifest. Zum Engagement in der CDU ist E. nach eigenen Angaben durch einen Bekannten seines Chefs ermutigt worden. Die CDU sei für ihn „die Mitte“. Parteimitglied sei er jedoch nicht gewesen.

          Sein größtes Hobby seien Computerspiele gewesen. Zudem habe er eine Affinität zum Militär und zu Waffen gehabt und darüber nachgedacht, in die Bundeswehr einzutreten. Mit einigen Freunden habe er Filme gedreht, in denen er in Uniform posiert und nachts in Wäldern Militärübungen absolviert habe.

          Elektrotechnik habe ihm immer gelegen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Im Kinderzimmer habe er „viel gelötet und Schaltpläne entwickelt und umgesetzt“. Das Material dafür habe er vom Vater bekommen oder gekauft. Dennoch habe er ein schwieriges Verhältnis zur Familie gehabt. Besonders mit der Mutter habe es oft Streit gegeben.

          In der Verhandlung wurde E. vom Gericht mit einem Datenträger konfrontiert, der im Elternhaus gefunden worden war und kinderpornographische Aufnahmen enthielt. Außerdem wurden auf seinem Handy Dateien sichergestellt, die schweren Kindesmissbrauch zeigen. Der Angeklagte behauptete, ein Bekannter habe ihm diese geschickt. Er habe daraufhin den Kontakt abgebrochen.

          Marvin E. war im Herbst 2021 festgenommen worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Gegen ihn wird nach Jugendstrafrecht verhandelt. Das Gericht hat Prozesstermine bis in den November angesetzt.

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