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Prozess gegen Hussein K. : „Es war doch nur eine Frau“

Der Angeklagte Hussein K. sitzt im November 2017 im Freiburger Landgericht. Bild: dpa

Im Freiburger Prozess um eine ermordete Medizinstudentin werden immer mehr Details zur Vergangenheit des Angeklagten bekannt. Dabei wird deutlich: Hussein K. hat ein gestörtes Verhältnis zu Frauen.

          Hussein K. verfolgt den Videofilm auf dem großen Flachbildschirm konzentriert und völlig regungslos: Gezeigt wird eine Promenadenmauer am Meer mit einem hüfthohen Geländer. Zu sehen sind ein Restaurant, bemooste Steine im Mittelmeer und das türkisblaue Wasser. Gedreht hat den Film der Freiburger Oberstaatsanwalt Eckart Berger, der Mann, der die Anklage gegen den mutmaßlichen Mörder der Freiburger Medizinstudentin Maria L. verfasst hat.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Für die Vorsitzende Richterin ist der in der Hauptstadt der Insel Korfu privat gedrehte Film nur eine „Vernehmungshilfe“. Es war der 18. Verhandlungstag im Strafprozess gegen den Mann, der als angeblich minderjähriger Flüchtling im Herbst 2015 nach Deutschland eingereist und im Oktober 2016 die Studentin am Freiburger Fluss Dreisam vergewaltigt und brutal ermordet haben soll. Je länger das Verfahren geführt wird, desto klarer kann das Gericht herausarbeiten, mit welchen Falschaussagen der Angeklagte sich in seinem Geständnis in ein möglichst mildes Licht gerückt hat.

          „Er griff sie mit seinen Händen an, begann sie zu schlagen“

          Am Donnerstag waren zwei griechische Kriminalbeamte aus Korfu angereist, es ging um die kriminellen Taten des Angeklagten vor seiner Einreise nach Deutschland. Schon im Alter von 13 oder 14 Jahren soll Hussein K. im Iran ein Mädchen aus der Nachbarschaft vergewaltigt haben, zum Beleg hierfür gibt es bislang aber nur vage Zeugenaussagen. Anders ist es mit einem Mordversuch, den er auf seiner Flucht nach Deutschland beging: Wie erst nach seiner Verhaftung in Freiburg bekannt wurde, hatte Hussein K. am 26. Mai 2013 die griechische Studentin Spiridoula V. ausgeraubt und dann über das Geländer an der Meer-Promenade, die in dem Film zu sehen war, in den Abgrund gestoßen.

          „Die Studentin hatte sich mit Freundinnen in einer Bar aufgehalten. Auf dem Bürgersteig sah sie, wie der Angeklagte ihr entgegenkam. Er griff sie mit seinen Händen an, begann sie zu schlagen, schlug sie in diverse Körperbereiche und zog an ihrer Handtasche“, berichtete einer der griechischen Kriminalpolizisten. Die Frau stürzte zu Boden, Hussein K. hob sie hoch, wuchtete sie über das Geländer, so dass sie die Mauer herunter stürzte. „Er warf sie mit dem Kopf zuerst über das Geländer, nur weil sie es schaffte, während sie fiel, ihren Körper zu drehen, kam sie mit der rechten Körperhälfte auf und nicht mit dem Kopf“, sagte der Polizist. Auf dem Video des Staatsanwalts war ein steiniger Strand mit einer Felsmauer zu sehen – die Frau hätte sich mit Leichtigkeit lebensbedrohliche Verletzungen zufügen können. „Das Mädchen hat Glück gehabt, dass sie nur auf die kleinen Steinchen gefallen ist.“

          Hussein K. hielt sich zum Zeitpunkt der Tat etwa drei Monate auf Korfu auf, er wohnte mit einem anderen Flüchtling in einer alten Ölmühle, er wusste auch, wie gefährlich und wie hoch die Küstenmauer an dieser Stelle war. Weil er eine Stunde nach dem Sturz der Frau an den Tatort zurückkehrte, konnte die griechische Polizei ihn schnell verhaften. Im Krankenhaus kam es dann zu einer Gegenüberstellung: Die Frau erkannte Hussein K. Nach der Zeugenaussage des griechischen Beamten fragte sie ihn auch, warum er sie die Mauer herunter geschubst habe. Darauf bekam sie keine Antwort. Bei den griechischen Ermittlern hinterließ Hussein K. einen dauerhaft unangenehmen Eindruck: Auch auf Korfu hatte er versucht, – wie später in Freiburg – eine Alkoholisierung vorzutäuschen, auch zeigte er keine Reue. „Er war gefasst, er beschrieb seine Tat mit absoluter Gefasstheit. Er wusste, was er getan hatte. Er war auch nicht aufgeregt, eher zynisch.“ Einen Satz des Verdächtigen behielt der griechische Polizist besonders gut im Gedächtnis: „Während der Vernehmungen hat er uns gefragt, was soll das denn alles, es war doch nur eine Frau.“

          In der Vernehmung in Griechenland gab Hussein K. im Mai 2013 an, er sei 17 Jahre alt. Dieses Alter nannte er dann auch, als er zwei Jahre später nach Deutschland einreiste. Ausweisdokumente oder eine Geburtsurkunde hatte er auch damals nicht bei sich. In Griechenland war er im Februar 2014 wegen versuchter, vorsätzlicher Tötung und wegen Raubes zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach einer Amnestie entließ ihn die griechische Justiz schon am 30. Oktober 2015 aus der Haft. Zu einer internationalen Fahndung schrieb man Hussein K. nicht aus; in den Fahndungssystemen von Interpol und im Schengener Informationssystem konnten ihn die Beamten der deutschen Bundespolizei folglich nicht finden, als er nach Freiburg kam. Seinen Tötungsversuch auf Korfu begründete Hussein K. mit ähnlich fadenscheinigen Argumenten wie später den Mord an Maria L.: Die griechische Studentin habe er weggeschubst, weil er Angst vor ihr bekommen habe und weil sie geschrien habe. So hatte er im September 2017 zu Beginn des Prozesses auch erklärt, warum er Maria L. am Ufer der Dreisam gewürgt hatte. Der Täter rechtfertigt sein Tun mit der Todesangst seiner Opfer.

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