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Prozess gegen den „Waldläufer“ : „Ich bin nicht der Typ, der aufgibt“

Yves R. muss sich seit Freitag vor Gericht verantworten. Bild: AFP

Im Juli entwaffnete Yves R. bei Oppenau vier Polizisten und wurde anschließend tagelang von einem Großaufgebot gesucht. Nun schildert er vor Gericht, was ihn zu der Tat und der Flucht in den Wald getrieben hat.

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          Yves R. wollte sich von der Natur heilen lassen. Deswegen zog er im April 2020 in den Wald. Geplant hatte er eine Wanderung durch Deutschland, aber erst einmal wollte er bei Oppenau im Schwarzwald ausprobieren, ob er in der Wildnis auch wirklich überleben kann. Er schleppte Ausrüstung in den Wald, für einen Fußweg von normalerweise zehn Minuten brauchte er ein bis zwei Stunden. Auf einem Tableau errichtete er ein „Basislager“. Er baute sich ein Bett aus Ästen, und in den folgenden Wochen kochte er sich dort mit einem Spirituskocher Bohnen, Nudeln oder Reis. Außerdem ernährte er sich von Beeren, Blättern und Brennnesseln. Begleitet wurde er von zwei Haustieren: dem Kaninchen Freddy und dem Eichhörnchen Harald. So erzählt R. heute seine Geschichte.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Doch das wilde Leben endete ein Vierteljahr später im Chaos: Yves R. bedrohte und entwaffnete bei einer Kontrolle vier Polizisten, flüchtete in den Wald, wurde fünf Tage lang von fast 500 Beamten und einem Hubschrauber gesucht, und schließlich von einem schwerbewaffneten Spezialeinsatzkommando überwältigt. Dabei verletzte R. einen SEK-Beamten mit einem Beil am Fuß. Ein Video des Einsatzes wird am Freitag in einer Mehrzweckhalle in Offenburg gezeigt. Dort hat der Prozess des Landgerichts gegen Yves R. begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Geiselnahme, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz vor. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.

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