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Kinoamokläufer vor Gericht : Ein besonderer Prozess

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Die Vereinigten Staaten blicken gebannt auf diesen Prozess: Übertragungswagen vor dem Gericht in Centennial Bild: dpa

Vor zweieinhalb Jahren tötete James Holmes in einem Kino in Aurora zwölf Menschen. Seit dieser Woche muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Es wird vor allem um die Frage gehen, ob er schuldfähig war. Doch der Anfang ist erst einmal zäh.

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          Amokläufer überleben selten, meist töten sie sich nach ihren Taten selbst oder werden von der Polizei erschossen. Daher ist der Prozess gegen den mutmaßlichen Kino-Mörder von Aurora, der am Dienstag begonnen hat, besonders. James Holmes wird vorgeworfen, vor zweieinhalb Jahren während der nächtlichen Vorführung eines neuen „Batman“-Films in einem Kino im amerikanischen Staat Colorado um sich geschossen zu haben. Zwölf Menschen starben, 58 wurden verletzt.

          Mit Gasmaske und Schutzweste vermummt drang der Täter am 20. Juli 2012 in das Kino ein, warf Rauchbomben, versprühte Tränengas. Einige Kinobesucher glaubten zunächst, es handle sich um einen Werbegag - bis die tödlichen Schüsse durch das Kino peitschten. Zehn Menschen starben noch im Kino, unter ihnen ein sechsjähriges Mädchen.

          Der Prozess in Centennial, einem Vorort von Denver, dürfte sich weitgehend um die Frage drehen, ob der Schütze zur Tatzeit schuldfähig war, also ob er zur Rechenschaft gezogen werden kann oder nicht. Sprechen ihn die Geschworenen frei, würde Holmes in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Sprechen sie ihn schuldig, droht ihm die Todesstrafe.

          James Holmes im Juni 2013 im Gericht in Centennial
          James Holmes im Juni 2013 im Gericht in Centennial : Bild: Reuters

          Die Verteidigung hat „auf nicht schuldig“ wegen Unzurechnungsfähigkeit plädiert. Der Angeklagte sei seit langem psychisch krank gewesen und habe den Amoklauf während einer besonders schweren Phase begangen. So habe sich Holmes vor seiner Tat einer Psychologin der Universität offenbart - diese habe die Universität über die Gefährlichkeit des Mannes unterrichtet.

          Die Ankläger sehen das anders. Im Prozess wollen sie herausarbeiten, dass dass Holmes seine Tat monatelang plante, sich ein Waffenarsenal sowie Tausende Schuss Munition zulegte und seine Wohnung mit mehreren Sprengfallen versah, die ganz offensichtlich für die Ermittler gedacht waren. Das lasse auf scharfen Verstand und Schuldfähigkeit schließen.

          Bis die entscheidenden Frage aber vor Gericht diskutiert werden, werden noch Monate vergehen. Am Dienstag begann der Prozess erst einmal mit einer zähen Jury-Auswahl. Zum Auftakt des Verfahrens wurden sieben Geschworenen-Kandidaten nach Haus geschickt. Die Staatsanwaltschaft beschwerte sich, dass drei während der einführenden Bemerkungen von Richter Carlos Samour ihr Handy benutzt hätten und einer wohl geschlafen habe, berichtete die „Denver Post“.

          Bereits vor dem Prozess waren etwa 2000 der ursprünglich 9000 einberufenen Jury-Kandidaten ausgeschieden: Die Briefe des Gerichts mit der Aufforderung zum Erscheinen waren an veraltete oder falsche Adressen gerichtet und kamen zurück. Alle Jury-Kandidaten müssen nun zuerst Fragebögen ausfüllen. Persönliche Befragungen werden Mitte Februar beginnen. Mit den Eröffnungsplädoyers ist nicht vor Juni zu rechnen, mit einem Urteil wohl kaum vor Ende dieses Jahres.

          Holmes muss sich vor dem Bezirksgericht in 116 Anklagepunkten verantworten. Am Dienstag erschien der heute 27 Jahre alte Angeklagte in Sakko und Hemd im Gerichtssaal und nicht mehr im roten Gefängnis-Overall. Im Gegensatz zu seinem feuerrot gefärbten, wilden Schopf auf Fotos kurz nach seiner Festnahme war sein Haar dunkel und kurz geschnitten. Damals soll er der Polizei gesagt haben, er sei der Bösewicht und „Batman“-Gegenspieler „Joker“. Holmes verfolgte das Prozedere weitgehend still. Nur hin und wieder tauschte er sich mit seinen Anwälten aus.

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