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Prozess gegen Alexander Falk : „Damit diese Bazille nicht mehr existiert“

„Ein richtiges Schauspiel“: großer Andrang beim Prozess gegen Alexander Falk

Problematisch ist die heimlich gemachte Aufnahme, die nur einen Gesprächsausschnitt wiedergibt, trotzdem. Sie wurde den Ermittlern erst 2017 zugespielt von einem Mann, der noch dazu dabei gewesen sein will, als Falk den Mordauftrag erteilte. Auf ihn, Etem E., stützt sich die Anklage maßgeblich. Er ist der Zeuge, von dem in diesem Verfahren fast alles abhängt. Die Verteidigung nennt ihn einen „Berufskriminellen“ und vermutet zudem, dass er ein V-Mann des Landeskriminalamts Hamburg ist. Noch dazu einer, der die Familie Falk jahrelang mit der Aufnahme erpresst habe, um an Geld zu kommen. Als er damit keinen Erfolg hatte, habe er einen anderen Weg gewählt – als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft an die 100.000 Euro Belohnung zu kommen, die von der ehemaligen und der neuen Kanzlei des angeschossenen Anwalts ausgesetzt waren.

Bei E., sagt die Verteidigung, gebe es ein Motiv, sich das alles auszudenken. Im Gegensatz zu Alexander Falk.

Der Angeklagte ist mit den Anwälten, die er um sich geschart hat, gut vorbereitet auf diesen Prozess. Besser könnte er es gar nicht sein. Schon lange vor Verhandlungsbeginn verteilen seine Medienanwälte morgens auf dem Flur eine Mappe an die Journalisten, in der die Position der Verteidigung dargelegt ist, Gutachten und schmeichelhafte Fotos inklusive. Noch bevor es losgeht, gibt Falk ein Statement vor den Kameras ab, sogar zweimal, weil ein Team nicht schnell genug da war. „Seit einem Jahr sitze ich unschuldig in Untersuchungshaft“, sagt er. Dass er seine Frau und seine fünf Kinder vermisse, aber dennoch froh sei, dass es jetzt losgehe. „Damit ich meine Unschuld beweisen kann.“

Falk präsentiert sich zurückhaltend

Falk, der in der Vergangenheit – und in so manchem großen Bericht, der vor dieser Verhandlung erschienen ist – oft als arrogant und herablassend beschrieben wurde, präsentiert sich hier zurückhaltend. Er belehrt das Gericht nicht so, wie er es in seinem ersten Prozess vor mehr als zehn Jahren mit Powerpoint-Präsentationen getan hatte. Zumindest am ersten Tag. Den großen Rundumschlag mit dem Vorwurf, Staatsanwaltschaft und Gericht gingen nicht neutral an diesen Prozess heran, überlässt er seiner Verteidigung. Die hinterlässt den Eindruck, mehr in Richtung der Journalisten als der Prozessbeteiligten zu sprechen. Mit manchmal zu durchschaubarem Charme und Witz, aber auch mit intensiv vorgetragenen Argumenten präsentiert sie Falk als Opfer einer Justiz, die ihren Schuldigen zu schnell gefunden zu haben glaubte. Falk selbst nimmt das alles ruhig und gefasst wahr. Als er schließlich selbst zum Gericht spricht, steht er auf, wohl um Respekt zu zeigen.

„Einen Auftrag von mir zu Gewalt, sei es ein Schuss oder eine Ohrfeige, hat es nie gegeben“, sagt er. „Das ist von vorne bis hinten erlogen. Auch wenn ich mich im Nachhinein sehr darüber gefreut habe.“ Er stellt sich in einer langen Einlassung als jemanden dar, der Rückschläge „sportlich“ nehme und der vor allem eins sei: „nicht feige“. Deshalb, sagt er, sei ein Auftragsmord an jemandem wie dem Rechtsanwalt, der juristisch gegen ihn vorgehe, „so jenseits von allem, wofür ich stehe“. Außerdem, das ist eines der Hauptargumente in seiner Verteidigungsstrategie, sei der angeschossene Rechtsanwalt für ihn keine wichtige Person im Verfahren gewesen. „Es war offensichtlich, dass er auf der unteren hierarchischen Ebene war.“ Das Treffen in dem Hamburger Steak-Haus im September 2009, wo er den Mordauftrag erteilt haben soll, habe es nie gegeben.

Es gibt noch viele weitere Stränge dieser Geschichte, die am ersten Tag nur angerissen werden konnten. Jetzt ist das Gericht dran. Mehr als 20 Zeugen und verschiedene Sachverständige hat die Kammer bislang geladen, und je nach Anträgen und Entwicklung könnten es mehr werden. Die 17 verbleibenden Verhandlungstage bis Mitte Dezember könnten da knapp werden. Hat die Staatsanwaltschaft Fehler gemacht? Hat sie einem dubiosen Zeugen vertraut, der in Wahrheit ein Lügner ist? Oder präsentiert die Verteidigung eine Version der Ereignisse, die Falk zu Unrecht als Unschuldslamm darstellt? All das wird dieser Prozess klären müssen. Eine leichte Aufgabe, so viel ist klar, wird das nicht.

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