https://www.faz.net/-gum-7x2wk

Femen-Aktivistin verurteilt : Geldstrafe für barbusigen Protest

  • -Aktualisiert am

„I am God“: Josephine W. barbusig im Kölner Dom Bild: dpa

Am ersten Weihnachtsfeiertag des vergangenen Jahres sprang Josephine W. aus Protest auf den Altar des Kölner Doms – nur mit einem Lendenschurz bekleidet. Nun wurde die Femen-Aktivistin für ihren Oben-ohne-Protest zu einer Geldstrafe verurteilt.

          1 Min.

          Die Femen-Aktivistin Josephine W. muss für ihren Oben-ohne-Protest im Kölner Dom wegen Störung der Religionsausübung eine Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro bezahlen. Das entschied das Amtsgericht Köln am Mittwoch. Die damals 20 Jahre alte Frau war am ersten Weihnachtsfeiertag vor einem Jahr nur mit einem Lendenschurz bekleidet auf den Altar des Kölner Doms gesprungen und hatte sich mit erhobenen Armen der Gemeinde zugedreht. Auf ihrem nackten Oberkörper standen die Worte „I am God“ („Ich bin Gott“). Nach wenigen Minuten wurde W. von den Domschweizer genannten Ordnungskräften überwältigt und weggetragen. Anschließend wurde sie von einem Gottesdienstbesucher geohrfeigt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Am Mittwoch versuchte W. ihr Verhalten im Gericht abermals zu verteidigen. Sie habe gegen die Missachtung von Frauenrechten in der katholischen Kirche und gegen Kardinal Joachim Meisners Einstellung zum Thema Abtreibung protestieren wollen, sagte W. Die Studentin der Zahnmedizin war vor ihrem Auftritt in Köln schon einmal aufgefallen: Sie hatte auf der Hannover Messe ebenfalls mit entblößten Brüsten gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin protestiert.

          Vollständig bekleidet im Kölner Verhandlungssaal: Josephine W.

          Femen ist eine ursprünglich aus der Ukraine stammende Gruppe angeblich feministischer Aktivistinnen. Femen kommentierte das Gerichtsverfahren gegen W. hämisch. Es handle sich um „moderne deutsche Inquisition“. Man bestehe darauf, dass die Aktion „harmonisch eingebettet war in das Weihnachtsritual“, sie habe „den Tod des Alten und die Geburt des Neuen“ symbolisiert. Kardinal Meisner hatte die Sache seinerzeit gelassen eingeordnet. „Ich habe so viel erlebt: erst die Nazizeit, dann die ganze kommunistische Zeit – da kann mich so was doch nicht schrecken.“ Das Verfahren gegen den Mann, der W. ohrfeigte, war gegen eine Geldauflage von 500 Euro eingestellt worden.

          Weitere Themen

          Die Vergrämung des Mafiabosses

          Umstrittener Klinikaufenthalt : Die Vergrämung des Mafiabosses

          In Hannover hat die Behandlung eines mutmaßlichen Mafiabosses für Aufregung gesorgt. Nun erklärt das Innenministerium, Igor K. müsse das Land umgehend verlassen – andernfalls werde er abgeschoben.

          Topmeldungen

          Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) am Donnerstag an einem der Tatorte in Hanau.

          Terroranschlag in Hanau : Die Gefahr kommt von rechts

          Der Massenmord von Hanau ist Ergebnis eines schleichenden Zivilisationsbruchs. Der spielt sich im Netz ab und reitet auf der Welle eines rassistischen Volksbegriffs.
          Ein gutes Beispiel für eine politische Talkshow, die zum Nachdenken anregt: Bei „Maybritt Illner“ wurde über den rassistischen Anschlag in Hanau diskutiert.

          TV-Kritik „Illner“ : Innehalten nach einem unfassbaren Anschlag

          Ist die Talkshow das adäquate Format, um über das rechtsradikale Attentat von Hanau zu diskutieren? Bei Maybrit Illner gelang es, durchzuatmen und konstruktive Gedanken zum Alltagsrassismus und zum Kampf gegen Verschwörungstheoretiker zu formulieren.

          Protest gegen Tesla-Werk : Deutschlands Demo-Touristen

          Auch diesen Samstag wird es wieder Proteste gegen das Tesla-Werk in Brandenburg geben. Doch geht es dabei nur vordergründig um die Bäume. Grünheide ist inzwischen eine Bühne für diverse Interessensverbände geworden.
          Ein Eurofighter Typhoon auf der Farnborough Airshow nahe London im Juli 2018

          Konzernumbau : Airbus zerlegt die Rüstungssparte

          Die Folgen von Exportverboten für Waffen und verzögerte Großaufträge bekommt vor allem Deutschland zu spüren. 2400 Stellen will Airbus Defence abbauen. Und es soll einen neuen Jagdbomber geben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.