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Mutmaßlicher Serienmörder : Roadmap des Grauens

  • -Aktualisiert am

Bei einem Überfall auf eine Prostituierte wurde Neal Falls erschossen. Er könnte ein gesuchter Serienmörder sein. Bild: AP

Eine Prostituierte in West Virginia erschoss in Notwehr den früheren Wachmann Neal Falls. Dann stellte sich heraus: Der Mann könnte Dutzende Frauen getötet haben.

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          Die Plastikwanne in Neal Falls’ Kofferraum war das Erste, was Mary Claire Akers auffiel. „Sie war groß genug, um eine Frau hineinzulegen. Er plante offenbar, jemanden in der Wanne aufzubewahren oder fortzutragen“, sagte die stellvertretende Staatsanwältin des Bezirks Kanawha in West Virginia. Seit Falls vor zwei Wochen in Charleston, der Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates, bei einem Überfall auf eine Prostituierte erschossen wurde, wird aber nicht nur in West Virginia ermittelt. Weil der Fünfundvierzigjährige im Kofferraum seines Wagens neben der Plastikwanne auch Macheten, Äxte, einen Vorschlaghammer sowie Handtücher, Bleichmittel und eine Schaufel lagerte, nimmt Akers an, dass er ein Serienmörder war.

          Die Juristin nahm inzwischen Kontakt zu Kollegen in 16 weiteren amerikanischen Bundesstaaten auf, wo Falls in den vergangenen 20 Jahren mehrfach durch „verdächtige Aktivitäten“ aufgefallen war. Am intensivsten wird seit dem 18.Juli in Ohio, Illinois und Nevada recherchiert. In den Bundesstaaten verschwanden immer wieder Prostituierte, als der frühere Wachmann dort lebte oder arbeitete. „Sobald wir neue Details veröffentlichen, erkennen Kollegen in anderen Landesteilen ähnliche Muster“, sagte Steve Cooper, der Ermittlungsleiter der Polizei in Charleston, dem Lokalsender WSAZ.

          Wann der mutmaßliche Serienmörder nach Charleston kam, konnten Cooper und seine Kollegen bislang nicht klären. Fest steht nur, dass Falls bei der Website „backpage.com“ Kontakt zu einer Prostituierten aufnahm. Als er wie verabredet am 18. Juli an Heathers Wohnungstür klingelte, hielt er ihr eine Pistole an die Brust und fragte: „Leben oder sterben?“ Im Kampf gelang es der rothaarigen Mittzwanzigerin, die Waffe in die Hände zu bekommen und den Angreifer mit einem Kopfschuss zu töten. Falls hatte die Pistole kurz abgelegt, als er Heather einen Rechen wegnehmen wollte, mit dem sie sich wehrte.

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          Zuvor hatte er wiederholt versucht, die Prostituierte zu würgen. „Hier steht eine Frau auf der Straße, die sagt, ein Mann wollte sie vergewaltigen. Sie hat ihn in Notwehr erschossen. Er liegt in der Küche“, meldete ein Nachbar der Polizei wenige Minuten später. Im Auto des Toten entdeckten die Ermittler daraufhin den „kill kit“ aus Wanne, Waffen und Werkzeugen. „Mir war sofort klar, dass das die Ausrüstung eines Serienmörders sein musste“, sagte Ermittlungsleiter Cooper. In Falls’ Hosentasche fand die Polizei zudem einen sorgsam gefalteten Zettel mit Namen, Alter und Telefonnummern sechs weiterer Frauen in West Virginia und Kalifornien. Wie Anrufe der Beamten zeigten, hatte Falls sich aber noch nicht bei ihnen gemeldet.

          Die Nachricht vom Tod des Fünfundvierzigjährigen stieß auch mehr als 3000 Kilometer entfernt in Nevada auf Interesse. Falls hatte vor etwa zehn Jahren in Henderson bei Las Vegas gewohnt, während er an der Hoover-Talsperre als Wachmann arbeitete. Nach seinem Tod nahmen die Justizbehörden in Nevada jetzt die Ermittlungen zu den ungeklärten Morden an Jodi Marie Brewer, Lindsay Marie Harris und Misty Marie Saens wieder auf. Die Prostituierten waren im Jahr 2005 aus Henderson verschwunden. Wie die sterblichen Überreste von Brewer und Saens wurden Harris’ Beine Wochen später fast 2500 Kilometer entfernt in Springfield im Bundesstaat Illinois entdeckt. Neal Falls soll damals von Henderson nach Springfield gezogen sein.

          Falls wird mit mindestens zehn Morden in Verbindung gebracht

          Aus Ross County im ländlichen Ohio kamen in der vergangenen Woche ebenfalls einige Polizeibeamte nach Charleston, um Ermittlungsakten zu Prostituiertenmorden zu vergleichen. In der Stadt Chillicothe, etwa zwei Autostunden von West Virginias Hauptstadt entfernt, hatten die Beamten in den vergangenen Jahren ohne Erfolg Morde an vier Frauen untersucht. Zwei weitere Frauen, angeblich ebenfalls Prostituierte, waren vor einigen Jahren unter bislang ungeklärten Umständen aus der Kleinstadt im Südens Ohios verschwunden.

          Falls’ DNA wurde vor einigen Tagen in eine Datenbank aufgenommen, um sie mit genetischen Spuren offener Mordfälle zu vergleichen. „Was vor zwei Wochen in der Wohnung in Charleston passiert ist, hat vermutlich eine ganze Serie von Verbrechen verhindert. Jetzt hoffen wir, mit der Aufklärung älterer Fälle dazu beizutragen, Angehörigen die Ungewissheit zu nehmen“, sagte Polizeichef Cooper. Nach ersten Ermittlungen wird Falls mit mindestens zehn Prostituiertenmorden in Verbindung gebracht. Da er aber keine Kreditkarten nutzte und zudem in seinem Auto kampierte, blieb die Route, die ihn aus seinem Heimatstaat Oregon nach West Virginia führte, bislang skizzenhaft.

          In 15 Bundesstaaten, darunter Kalifornien, Missouri und Texas, fiel der untersetzte Wachmann der Polizei jedoch bei Verkehrskontrollen auf. Die Prüfungen des Strafregisters förderten aber offenbar nichts Auffälliges zutage. „Leute wie Falls sind auf leichte Beute aus. Prostituierte leben oft allein und haben keine Familie, die sie als vermisst meldet“, fasste Cooper die Vorlieben des mutmaßlichen Mörders zusammen. Der Polizist schließt nicht aus, dass Falls wie die amerikanischen Serientäter Gary Ridgway und Joel Rifkin, genannt „Joel the Ripper“, Dutzende Frauen getötet hat.

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