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Baden-Württemberg : Prognosesoftware soll Einbrüche vorhersagen

  • Aktualisiert am

Baden-Württembergs Innenminister Reinhold Gall nimmt die Prognosesoftware in Augenschein. Bild: dpa

In Karlsruhe und Stuttgart soll eine neue Prognosesoftware die Beamten bei ihrer Arbeit unterstützen und Einbrechern das Leben erschweren. „Precobs“ soll die Einbrüche vorhersagen, bevor sie überhaupt passiert sind.

          Verbrechen vorhersehen, bevor sie geschehen - was in dem Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ aus dem Jahr 2002 mit Tom Cruise noch nach Zukunftsmusik klang, soll jetzt Realität werden. Zumindest bei Wohnungseinbrüchen. Die Prognosesoftware „Precobs“ wird für ein halbes Jahr testweise in den Regionen Karlsruhe und Stuttgart in Baden-Württemberg eingesetzt, kündigte Innenminister Reinhold Gall am Freitag an. „Precobs“ ist eine Abkürzung für die englische Bezeichnung „pre crime observation system“ - ein Kriminalitätsvorhersagesystem.

          Dahinter steckt die allgemeine Erfahrung, dass viele Einbrecher nach dem gleichen Muster vorgehen, und dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit innerhalb weniger Tage in einem bestimmten Umkreis ein weiteres Mal zuschlagen. Das Programm wird mit unzähligen Daten früherer Einbrüche gefüttert - und schlägt Alarm, wenn ein möglicher nächster Tatraum erkannt wird. Der Idealfall sei, dort dann Täter auf frischer Tat zu ertappen, sagte Gall. Die Hinweise von „Precobs“ sollen aber auch dazu genutzt werden, Polizeistreifen zu verstärken, in gewissen Stadtbezirken mehr Präsenz zu zeigen und die Menschen schwerpunktmäßig etwa durch Postwurfsendungen über Einbruchschutz zu informieren.

          „Precobs“ kennt von vergangenen Einbrüchen den Tatort, die Zeit, die Beute und die Art und Weise des Vorgehens der Täter. Personendaten seien ausdrücklich ausgenommen, hieß es zur Beruhigung von Datenschützern. Vor allem Profi-Einbrecher gingen gerne nach stets dem gleichen Muster vor - und nahe dem Ort, an dem sie schon einmal Beute gemacht haben. Passiert ein weiterer Einbruch an einem Schwerpunkt, schlägt das System Alarm. Im Umkreis von 500 Metern liege dann die Wahrscheinlichkeit auf noch einen Einbruch innerhalb von sieben Tagen bei 70 Prozent, hieß es.

          „Precobs“-Bericht wie Wettervorhersage

          „Wir können nicht überall gleichzeitig sein, wollen aber natürlich dort sein, wo Straftaten passieren“, sagte der Präsident des Landeskriminalamts, Ralf Michelfelder. Er verglich die Erkenntnisse von „Precobs“ und die möglichen Reaktionen der Polizei darauf mit einer Wettervorhersage. „Wenn Sie wissen, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit regnet, nehmen Sie ja auch einen Schirm mit.“ Letztlich könnten auch Beamte solche Daten auswerten, sagte Klotter, das binde jedoch letztlich zu viel Personal.

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          Die Polizei in Bayern, die „Precobs“ bereits in Pilotprojekten in München und Mittelfranken einsetzte, habe nach eigener Aussage gute Erfahrungen mit dem Programm gemacht. Wie viele und welche Einbrüche „Precobs“ möglicherweise verhindert hat, lasse sich aber nicht feststellen, räumte Entwickler Thomas Schweer ein. Die sechsmonatige Testphase in Baden-Württemberg wird vom Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht wissenschaftlich ausgewertet, sagte Referent Dietrich Oberwittler. Laut Gall investiert der Südwesten auch 220.000 Euro.

          In Baden-Württemberg waren die Einbruchszahlen zuletzt geradezu explodiert. Im laufenden Jahr lägen die Zahlen aber wieder deutlich unter denen des Vorjahres, berichtete Polizeipräsident Klotter. Er berichtete zudem von einer Zunahme der früher bei Einbrüchen stets geringen Aufklärungsquote. Inzwischen würden rund 20 Prozent der Täter gefasst. Immer häufiger scheiterten Einbrecher, was laut Klotter ein Zeichen dafür ist, dass die Menschen ihre vier Wände besser schützen.

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