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Polizistinnenmord in Heilbronn : Generalstaatsanwalt hält Fall für aufgeklärt

Die Polizei fahndete deshalb nach der Frau, die Beate Z. heißt, aber auch mehrere andere Namen benutzt. Es ist bislang nicht bekannt, wie lange die beiden Männer und die Frau in dem Zwickauer Haus gewohnt haben. Von den Nachbarn hatten sie sich ferngehalten, obwohl in dem ruhigen Ortsteil nachbarschaftliches Miteinander gepflegt wird. Am Dienstag beschrieben Anwohner das Trio gegenüber den herbeigeeilten Berichterstattern. Die drei seien immer schwarz gekleidet gewesen, und die Frau habe kurz vor der Explosion noch zwei Katzen zu einer Nachbarin gebracht, bevor sie verschwunden sei. In dem Zwickauer Haus fand die Polizei am Dienstag eine Handschelle der getöteten Polizistin und eine Waffe des Typs, mit der sie auf der Heilbronner Festwiese getötet worden war. Ob es sich tatsächlich um die Tatwaffe handelt, soll die kriminaltechnische Untersuchung klären.

Das Wohnmobil wurde scheibchenweise zerlegt

Am Montag hatte die Polizei in Eisenach den Tathergang nachgestellt, den Fluchtweg der Täter nochmals akribisch abgesucht und auch in Mülltonnen nach einer möglichen Hinterlassenschaft der Täter gesucht. Auch das Wohnmobil wurde gleichsam scheibchenweise zerlegt, die Polizei stellte 40 Kisten mit Asservaten sicher. Landtagsabgeordnete der Linken sowohl in Thüringen als auch in Sachsen teilten unterdessen mit, dass es sich bei beiden Bankräubern und der flüchtigen Frau um drei kriminelle Neonazis handele, die einst eine Bombenwerkstatt in Jena betrieben haben sollen.

So will etwa die sächsische Landtagsabgeordnete der Linken Kerstin Köditz das Trio auf den Bildern erkannt haben, die eine Boulevard-Zeitung veröffentlichte. Es handle sich genau um dieselben Bilder, mit denen nach 1997 nach ihnen gefahndet worden sei, sagt sie. In Jena waren 1997 in einer Garage funktionsfähige Rohrbomben entdeckt worden. Eine soll das Trio in einer Aktentasche vor dem Jenaer Theater deponiert haben. Seit dieser Zeit wird nach ihnen gesucht. 2003 sei das Verfahren wegen Verjährung eingestellt worden. Köditz behauptet nun, die drei Rechtsextremisten seien „Mitglieder des vom Verfassungsschutz infiltrierten Thüringer Heimatschutzes“ (THS) gewesen, und dass „die Flucht nicht ohne behördliche Unterstützung möglich gewesen sein könne“.

Vom sächsischen Innenminister Markus Ulbig (CDU) möchte sie nun wissen, „wieso sich die drei kriminellen Neonazis über Jahre unbemerkt in Zwickau aufhalten konnten“. Sowohl die ermittelnde Polizeidirektion Jena als auch das Thüringer Innenministerium wollten sich nicht zu den Vermutungen äußern. Inoffiziell aber wurde bestätigt, dass es sich bei den beiden toten Männern und bei der gesuchten Frau wohl um die drei Rechtsextremisten handelt. Im Erfurter Landtag war das Rätselraten groß. Die Ratenden wollten freilich nicht zitiert werden. Aus dem Schutz der Anonymität heraus aber fragten sie, ob es ein Zufall sein könne, dass die rechtsextremistischen Bombenbauer aus Jena unmittelbar vor dem Zugriff der Polizei entkommen und dann verschwunden sein sollen. Auch dränge sich die Frage auf, warum eine junge Frau von 22 Jahren, die aus Oberweißbach stamme, das allerdings ein gutes Stück sowohl von Eisenach als auch von Zwickau entfernt liegt, als Polizistin in Heilbronn mit einem Kopfschuss getötet worden sei.

Und warum, fragen einzelne Abgeordnete weiter, erschießen sich nun ausgerechnet wieder in Thüringen die Bombenbauer von einst und Bankräuber von heute in einem Wohnmobil, das obendrein in Brand gerät, indes bald darauf in Zwickau das von den mutmaßlichen Neonazis bewohnte Haus in die Luft fliegt. Und warum führen diese Männer die Waffen der getöteten Polizisten bei sich? Auf den Fluren des Landtags wurde hinter vorgehaltener Hand die Frage gestellt, ob Verbindungsleute des Verfassungsschutzes oder eines Nachrichtendienstes in den Fall verwickelt seien.

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