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Polizistinnenmord in Heilbronn : Generalstaatsanwalt hält Fall für aufgeklärt

Keine Mörderin, sondern eine Verpackerin von Wattestäbchen

Der damalige LKA-Präsident Klaus Hiller, frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt, wurde vorgeschickt: „Es war eine Frau. Wir haben sie gesucht. Wir haben sie auch gefunden.“ Nur war die Frau nicht die Polizistenmörderin, sondern eine Arbeiterin aus dem oberfränkischen Tettau. Sie hatte die Wattestäbchen beim Verpacken mit ihrer eigenen DNA verunreinigt. Die Kontaminierung der Stäbchen, der unkorrekte Materialeinsatz hatten die Polizei auf eine falsche Fährte geführt. Hinweise und Kritik an der stark auf die DNA-Analysen konzentrierten Ermittlungen hat es immer wieder gegeben. Auch die späte Hinzuziehung des Landeskriminalamtes musste sich die baden-württembergische Polizeiführung vorwerfen lassen.

Am Freitag dann änderte sich die Lage in dem Fall auf dramatische Weise. Die beiden Männer, die an diesem Tag in Eisenach in dem Wohnmobil entdeckt wurden, haben am 7. September eine Sparkasse im thüringischen Arnstadt überfallen. Sie gingen brutal vor und flüchteten nach der Tat mit zwei Fahrrädern, die sie wiederum in einem Fluchtfahrzeug deponierten. Die Polizei ging nach dem Überfall davon aus, dass sich ein solcher in der Region wiederholen könnte. Am vergangenen Freitagvormittag bewahrheitete sich die Mutmaßung. Wieder drangen zwei Männer in ein Kreditinstitut ein.

Dieses Mal war es die Filiale der Wartburgsparkasse im Norden von Eisenach. Wieder trugen die Täter dunkle Jogginghosen. Abermals gingen sie brutal vor und verletzten einen Mitarbeiter der Sparkasse mit einem Schlag auf den Kopf, weil ihnen die angeblich erbeutete Summe von 70.000 Euro als zu gering erschien. Für kurze Zeit sollen die Täter sogar zwei Geiseln genommen haben, bevor diese entkommen konnten. Wieder fuhren die Räuber nach der Tat mit zwei Rädern davon. In der Nähe der einstigen Großdiskothek „MAD“ luden sie die Vehikel in ein weißes Wohnmobil.

Die quietschenden Reifen, mit denen sie davonstoben, schreckten einen Passanten auf. Der merkte sich das Fahrzeug und den ersten Buchstaben des Kennzeichens: V für das sächsische Vogtland. Die Täter fuhren in das benachbarte Neubaugebiet und parkten das Wohnmobil in der Straße Am Schafrain vor einer Baugrube. Die Polizei suchte die Bankräuber eingedenk ihrer Kenntnisse aus der Arnstädter Tat. Beamte bemerkten das Wohnmobil gegen zwölf Uhr und wollten es inspizieren, da hörten die Polizisten aus dem Inneren des Fahrzeugs zwei „Knallgeräusche“. Dann drang Qualm aus dem Auto, und bald schlugen Flammen daraus hervor.

Selbsttötung durch Schüsse in den Kopf

Das Fahrzeug und sein Inhalt wurden aber nicht vollkommen zerstört. Im Auto fanden die Polizisten die Leichen zweier Männer, die 34 und 38 Jahre alt waren und die nach den Ermittlungen das Feuer gelegt und sich selbst durch Schüsse in den Kopf getötet hatten. Im Auto fanden sich eine größere Summe Geldes und ein Waffenarsenal, das aus vier Pistolen und drei Gewehren bestand. Unter den Waffen waren auch die Pistolen der 2007 in Heilbronn getöteten Polizistin und ihres Kollegen. Die Waffe der Kollegin war sogleich identifiziert und der Fund an das LKA in Baden-Württemberg gemeldet worden. Die Thüringer Behörden wahrten darüber in Ansprache mit dem Landeskriminalamt im Südwesten Stillschweigen, um die Ermittlungen nicht zu belasten.

Von Eisenach führte schnell auch eine Spur ins sächsische Zwickau. Dort war am Freitagnachmittag gegen 15 Uhr im Ortsteil Weißenborn ein Wohnhaus explodiert und ausgebrannt. Zunächst war nicht klar, ob die Bewohner möglicherweise in dem Haus zu Tode gekommen waren. Die Polizei suchte mit einem Leichenspürhund nach ihnen. Bald stellte sich heraus, dass die Explosion absichtlich herbeigeführt worden war und eine Bewohnerin das Haus kurz vor der Explosion verlassen hatte. Noch am frühen Freitagabend wurde ein Zusammenhang mit dem Bankraub und dem Tod der beiden Männer im Wohnmobil in Eisenach vermutet. In der Nähe des ausgebrannten Hauses war zudem ein Gefährt gesehen worden, das dem in Eisenach entsprach.

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