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Polizistenmord von Heilbronn : DNA-Spur zu „äußerst brutaler Frau“

Am Tatort in Heilbronn (25. April 2007) Bild: ddp

Sieben Wochen nach der Ermordung einer Polizistin in Heilbronn hat die Polizei möglicherweise eine erste „tatrelevante DNA-Spur“. Das DNA-Material stammt von einer Frau, die offenbar zu einer kriminellen Bande gehört.

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          Sieben Wochen nach der Ermordung der Polizistin Michèle K. auf der Heilbronner Theresienwiese hat die Sonderkommission „Parkplatz“ möglicherweise eine erste „tatrelevante DNA-Spur“. Das an dem Polizeifahrzeug sicher gestellte DNA-Material stammt von einer Frau, die offenbar zu einer kriminellen Bande gehört und deren DNA-Spuren an etwa 20 Tatorten in Deutschland, Österreich und Frankreich gefunden worden ist. „Das Interessante an dieser Spur ist, dass sie bereits bekannt ist. Wir werden einzelne Orte bezeichnen, wo diese Spur gefunden worden ist, wir sagen aber nicht, es handelt sich um eine Serienmörderin“, sagte der zuständige Staatsanwalt am Samstag in Heilbronn.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Eigentlich wollte die Polizei die Öffentlichkeit in dieser Woche über ihre Ermittlungsergebnisse informieren, doch die Zeitung „Bild“ kam der Polizei zuvor: „Schoss ihre Killerin im Drogenrausch?“, fragte die Zeitung auf der dritten Seite ihrer Regionalausgabe. Staatsanwaltschaft und Polizei sprechen von einem „verantwortungslosen Journalismus“, es müsse geprüft werden, ob wegen Geheimnisverrats Ermittlungen gegen Unbekannt geführt werden müssen. „Wir sind unglücklich darüber, dass dieser Artikel erschienen ist, es laufen Ermittlungen, die wir lieber ungestört fortgeführt hätten“, sagte der Staatsanwalt.

          Vermutlich Mitglied einer Bande

          Die DNA-Spuren der Verdächtigen sind 1993 in Idar-Oberstein nach der Ermordung einer 62 Jahre alten Rentnerin und im März 2001 nach der Ermordung eines 61 Jahre alten Frührentners in Freiburg gefunden worden. Das jetzt an dem Polizeifahrzeug gefundene DNA-Material fand die Polizei auch an einer 2001 in der Eifel benutzten Einwegspritze sowie im Jahr 2003 nach einem Einbruch im Kreis Offenbach. Sogar in Heilbronn selbst hat die Polizei das DNA-Material schon einmal im Zusammenhang mit einem Autodiebstahl sichergestellt und analysiert. Die Täterin gehöre vermutlich einer Bande an und halte sich zumindest von Zeit zu Zeit in der „Obdachlosen- und Rauschgiftszene“ auf. Die österreichische Polizei bezeichnete die mutmaßliche Täterin als „äußerst brutal“, schon vor Monaten hatte die Polizei zwei Verdächtige, einen Polen und einen Serben, festgenommen, die Mitglieder dieser Bande sind und die offenbar Kontakt zu der mutmaßlichen Heilbronner Polizistenmörderin gehabt haben. Im März war die verdächtige Frau auch an einem Einbruch in Österreich in der Nähe von Linz beteiligt - auch das kann die Polizei mit DNA-Material nachweisen.

          Am 25. April hatte sich zwischen 13.45 und 14.15 Uhr in der Nähe der Heilbronner Festwiese ein brutaler Anschlag gegen zwei Polizisten ereignet: Auf die 22 Jahre alte Michèle K. und ihren 24 Jahre alten Kollegen waren Kopfschüsse abgefeuert worden. Die Polizistin, die der Beweissicherungseinheit der Bereitschaftspolizei Böblingen angehörte und aus dem thüringischen Oberweißbach stammte, war sofort tot. Ihr Kollege wurde durch den Kopfschuss schwer verletzt, lag einige Wochen im Koma, ist seit wenigen Tagen aber wieder bei Bewusstsein. Bislang hat er jedoch an den Tathergang keine Erinnerung.

          „Längere Durststrecke“

          Der ermittelnde Staatsanwalt sagte am Samstag, bei den Ermittlungen sei eine „längere Durststrecke“ zu überwinden gewesen. Auch ein Fahndungsaufruf der Sendung „Aktenzeichen XY“ hatte keinen Erfolg gebracht. Nun wird in Frankreich, Österreich und Deutschland nach einer Verdächtigen gefahndet, deren DNA-Material die Polizei seit mehr als einem Jahrzehnt nach zahlreichen Verbrechen gefunden hat, von der es aber offenbar kein Foto oder nähere Angaben zur Identität gibt.

          Weil nach dem Heilbronner Polizistenmord eine verlässliche Spur lange Zeit fehlte, war in den Medien und von Politikern über die Motive der Täter spekuliert worden: Zeitweise war behauptet worden, der Mord an Michèle K. sei ein „Racheakt“ aus der Drogenszene, denn die Polizistin habe als Zivilermittlerin von Dealern Drogen gekauft und sie hiermit überführt. Die Polizei fand für diese Behauptung jedoch keinerlei Anhaltspunkte. Auch Ministerpräsident Oettinger (CDU) hatte vermutet, es habe sich möglicherweise um einen „gezielten Racheakt“ gegen die Landespolizei gehandelt. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hatte kritisiert, dass die Polizistin nach ihren Recherchen als Zivilermittlerin in der Heilbronner Drogenszene wieder in dieser Gegend eingesetzt worden war.

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