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Prozess um Tod von Polizisten : „Irgendwann ist auch meine Geduld zu Ende, dann eskaliert's“

  • -Aktualisiert am

Andreas S. neben seinem Anwalt im Gericht in Kaiserslautern Bild: Reuters

Mithäftlinge würden ihn gezielt provozieren, sagte Andreas S. am Freitag vor Gericht. Ermittler berichten unterdessen, dass er mit der Jagdwilderei in vier Monaten einen mittleren fünfstelligen Betrag einnahm.

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          Im Prozess um den mutmaßlichen Mord an zwei Polizisten im Kreis Kusel stand am Freitag abermals die Aussage des Mitangeklagten Florian V. bei der Polizei im Fokus. Bei der Nachstellung der Tat habe der Dreiunddreißigjährige glaubwürdig gewirkt und strukturiert erzählt, berichtete eine Vernehmungsbeamtin vor dem Landgericht Kaiserslautern.

          Julia Anton
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          V. gibt an, in der Tatnacht nicht geschossen zu haben, allerdings konnte er sich nur an vier Schüsse erinnern, gefallen waren jedoch mindestens 20. Vor Gericht schweigt Florian V. auf Anraten seiner Anwälte. Seinen Angaben gegenüber der Polizei kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu.

          Am Freitag ging es zudem um die finanziellen Verhältnisse des Hauptangeklagten Andreas S. Der gelernte Bäckereimeister hatte 2016 den elterlichen Betrieb übernommen und dessen Expansion vorangetrieben, musste aber nach kurzer Zeit Insolvenz anmelden. Seine Schulden belaufen sich demnach auf rund 2,4 Millionen Euro. Seit Herbst vergangenen Jahres bezog er Arbeitslosengeld I.

          Pro Wild zahlte S. an V. zehn bis 20 Euro

          Die Jagdwilderei verbesserte seine finanzielle Situation aber offenbar immens, wie ein Ermittler vorrechnete: Von September bis zum Tatzeitpunkt Ende Januar nahm er einen mittleren fünfstelligen Betrag ein. Das gehe aus Unterlagen des Neununddreißigjährigen hervor, in denen er eine Art Buchhaltung führte. Seinem ebenfalls arbeitslosen Mitangeklagten Florian V. zahlte er pro Wild, das S. erlegte und V. ins Auto trug, zehn bis 20 Euro.

          S. beklagte am Freitag, er werde im Gefängnis gezielt provoziert. „Irgendwann ist auch meine Geduld zu Ende, dann eskaliert's“, so S. Er habe sich an die Gefängnisleitung gewandt und nun allein Hofgang, was die Zeit draußen für andere Häftlinge reduziere und bei diesen zu Unmut führe.

          Weitere Ermittlungen konnten seine Tatversion, in der er die Schüsse auf die Polizeianwärterin V. anlastet und sich auf Notwehr beruft, nicht stützen. Weder ent­sprechendes Schrot in einer Böschung am Tatort noch ein angebliches Drogenversteck von V. wurden gefunden, wie Polizisten am Donnerstag aussagten.

          Weil sich S. zu Beginn überraschend eingelassen hatte und nun umfangreichere Beweise geprüft werden, zieht sich der Prozess mehr und mehr in die Länge. Unter anderem hat eine saarländische Ermittlungsgruppe Akten vorgelegt, in denen es um weitere Vorwürfe der Jagdwilderei gegen S. geht. Das ursprünglich für Anfang September geplante Urteil soll nun frühestens Mitte November fallen.

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