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Nach Übergriffen in München : Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten

Klare Ansage: Baderegel zwölf auf Arabisch, Deutsch und Somali Bild: Stadtwerke München

In einem Münchner Schwimmbad ist es vermehrt zu sexuellen Übergriffen durch Asylbewerber gekommen. Die Statistik belegt jedoch nicht, ob für die Zunahme der Delikte in 2015 Asylbewerber verantwortlich sind.

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          Das Michaelibad in München hat eine 84 Meter lange Wasserrutsche und gehört zu den beliebtesten Hallenbädern der Stadt. Das Schöne am Michaelibad ist auch, dass man selbst bei Schneetreiben in das warme Außenbad schwimmen kann, zu Sprudelliegen, Massagedüsen und Strömungskanal. Am vergangenen Donnerstag stand das Michaelibad zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen im Polizeibericht.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am 3. Februar haben dort demnach drei afghanische Asylbewerber zwei vierzehnjährige Französinnen angefasst: Sie griffen an Brüste und Oberschenkel. Die Mädchen wandten sich an den Bademeister, der verständigte die Polizei. Die Polizei nahm die drei Männer im Alter von 23, 21 und 16 Jahren fest und zeigte sie wegen „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ an. Nach der Bearbeitung der Anzeige wurden sie wieder entlassen.

          Der andere Fall dieser Art ereignete sich am Abend des 9. Januar gegen 19.45 Uhr. Im Außenbecken und an der Wasserrutsche soll es zu sexuell motivierten Übergriffen gekommen sein. Sogar der Verdacht der Vergewaltigung stand zunächst im Raum. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft München gegen drei Fünfzehnjährige wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung. Einer der Tatverdächtigen ist laut Staatsanwaltschaft syrischer Staatsangehöriger, die beiden anderen kommen aus Afghanistan.

          An der Rutsche soll eine 17 Jahre alte Münchnerin mehrmals am Po berührt worden sein. Im Außenbecken hingegen hat der 15 Jahre alte Syrer dem Mädchen laut Polizei unter die Badehose „durch den Genitalbereich“ gestrichen. Als ihre 14 Jahre alte Schwester ins Außenbecken dazukam, griffen ihr die drei jungen Männer ebenfalls an den Po. Die beiden Mädchen setzten sich zur Wehr und gingen zum Bademeister. Der verständigte die Polizei. Alle drei Jugendlichen wurden vorläufig festgenommen und nach Bearbeitung der Tatvorwürfe wieder entlassen.

          Münchner Stadtwerke verteilen Baderegeln

          Es habe immer schon solche Vorfälle gegeben, das habe nun wirklich nicht nur mit „den Flüchtlingen“ zu tun, heißt es bei den Münchner Stadtwerken als Betreiber der Schwimmbäder. Illustrierte Baderegeln in sieben Sprachen verteilen die Stadtwerke seit 2013 nicht nur an Badbesucher, sondern auch an Badbetreiber in ganz Deutschland. München hat 1,5 Millionen Einwohner und einen Ausländeranteil von etwa 25 Prozent. Die Zeichnungen sprechen eine klare Sprache. Frauen werden im Schwimmbad nicht angefasst, weiblichen Bademeistern ist ebenso wie den männlichen Folge zu leisten.

          Verstehen sollen die Zeichnungen, die auf Plakaten in den Bädern aushängen, somit auch Analphabeten. Denn viele Migranten, so die Stadtwerke, verstünden Warnschilder, Verbote und Anweisungen nicht. Manche sprängen auch einfach ins Wasser, obwohl sie nicht schwimmen könnten. Die Schwimmbäder behalten sich darüber hinaus auch Hausverbote für einzelne Personen vor. „Auch für Deutsche.“

          Auch im nordrhein-westfälischen Bornheim war es Anfang des Jahres in einem Schwimmbad zu Übergriffen gekommen. Die Stadt sprach sogar vorübergehend für das Bad ein Verbot für Flüchtlinge aus benachbarten Unterkünften aus. Frauen waren verbal und mit anzüglichen Gesten belästigt worden. Delikte dieser Art sind nach Ansicht der Münchner Stadtwerke Ausdruck „kultureller Unterschiede“ im Hinblick auf die Stellung der Frau im jeweiligen Kulturkreis. „Der Grundsatz der Akzeptanz von Frauen – egal in welcher Kleidung – wird leider nicht von allen Badegästen respektiert.“ Daher müsse man explizit darauf hinweisen. Und hinnehmen dürfe die Straftaten niemand. Jeder Vorfall soll gemeldet werden.

          Aber haben Straftaten dieser Art in den Schwimmbädern in München nun seit 2015 zugenommen, seitdem auch in München etwa 17.000 Asylbewerber aufgenommen wurden? Ja, ein Anstieg der Sexualdelikte und „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“ in Schwimmbädern ist nach Angaben des Münchner Polizeipräsidiums durchaus festzustellen. Genaue Zahlen liegen jedoch noch nicht vor, sie werden im Mai vorgestellt.

          Allerdings bewegt sich demnach die Anzahl der Sexualdelikte in Bädern im Jahr 2015 ungefähr wieder auf dem Niveau, das auch schon 2013 mit insgesamt 19 Fällen erreicht wurde – vor dem jüngsten Zustrom so vieler Flüchtlinge. Und die Anzahl der registrierten Beleidigungen mit sexueller Konnotation, wie sie jetzt offenbar im Michaelibad vorgefallen sind, liegt in etwa auf dem Niveau von 2014, als dreizehn Delikte in Schwimmbädern registriert wurden. Etwa jedes zweite Sexualdelikt in Schwimmbädern wurde 2014 demnach von einem nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen. Dasselbe gilt für die „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“, die nicht zu den Sexualdelikten gezählt werden.

          Fallzahlen sprechen gegen das Vorgehen der Polizei

          Ob allerdings für den Anstieg der Fälle im Jahr 2015 überwiegend Asylbewerber verantwortlich sind, lässt sich kaum beantworten. Denn für die polizeiliche Kriminalstatistik werden die Tatverdächtigen bislang nur nach unterschiedlicher Staatsangehörigkeit erfasst. Erst seit drei Monaten vermerkt nun die Münchner Polizei auch für die Statistik, ob es sich bei einem ausländischen Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt oder nicht.

          Seitdem kann die Polizei bei einem bestimmten Delikt mit entsprechendem Schlagwort wie „Asylbezug“ im polizeilichen Informationssystem recherchieren, ob schon vergleichbare Fälle vorliegen. Für Schlussfolgerungen zur Straffälligkeit von Flüchtlingen ist es somit noch zu früh.

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          Die sexuellen Übergriffe in Schwimmbädern belasten das Sicherheitsgefühl der Bürger stark, da Schwimmbäder vor allem auch von Kindern und Jugendlichen besucht werden, die Opfer werden können. Und manche Mädchen trauen sich vielleicht gar nicht, zum Bademeister zu gehen, wenn sie gleich von einer ganzen Gruppe junger Männer körperlich angegangen werden. So gesehen ist, wie die Polizei hervorhebt, jeder einzelne Übergriff einer zu viel.

          Auch wenn die reinen Fallzahlen zum Beispiel in München mit zwölf Sexualdelikten in Schwimmbädern im Jahr 2014 bei jährlich etwa vier Millionen Badegästen verhältnismäßig gering sind. Zehn dieser Taten, unter denen keine Vergewaltigung war, konnten aufgeklärt werden. In sechs dieser geklärten Fälle waren die Täter nicht deutsch.

          Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man – ohne Einschränkung auf Schwimmbäder – alle Sexualdelikte in München betrachtet. Hier wurden 2014 insgesamt 295 von 638 geklärten Sexualdelikten von ausländischen Tatverdächtigen verübt. Sie haben somit einen Anteil an allen Tatverdächtigen innerhalb der Sexualdelikte von 46,2 Prozent. Sexualdelikte werden jedoch von ihnen nicht proportional mehr verübt als andere Straftaten. Denn sie hatten im Jahr 2014 einen ähnlich großen Anteil an den Gesamtstrafen (ohne Straftaten gegen das Aufenthaltsgesetz): 46,7 Prozent.

          Etwa 29.000 der 63.000 Straftaten in München wurden von ausländischen Tatverdächtigen begangen. Besondere Risikofaktoren, kriminell zu werden, sind dabei – unabhängig von der Nationalität – Faktoren wie jugendliches Alter und geringer Bildungsgrad. Aus kriminologischer Sicht lässt sich dies dann auf eine einfache Formel bringen: Wo viele junge Männer sind, werden auch viele junge Männer kriminell.

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