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Nach Übergriffen in München : Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten

Aber haben Straftaten dieser Art in den Schwimmbädern in München nun seit 2015 zugenommen, seitdem auch in München etwa 17.000 Asylbewerber aufgenommen wurden? Ja, ein Anstieg der Sexualdelikte und „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“ in Schwimmbädern ist nach Angaben des Münchner Polizeipräsidiums durchaus festzustellen. Genaue Zahlen liegen jedoch noch nicht vor, sie werden im Mai vorgestellt.

Allerdings bewegt sich demnach die Anzahl der Sexualdelikte in Bädern im Jahr 2015 ungefähr wieder auf dem Niveau, das auch schon 2013 mit insgesamt 19 Fällen erreicht wurde – vor dem jüngsten Zustrom so vieler Flüchtlinge. Und die Anzahl der registrierten Beleidigungen mit sexueller Konnotation, wie sie jetzt offenbar im Michaelibad vorgefallen sind, liegt in etwa auf dem Niveau von 2014, als dreizehn Delikte in Schwimmbädern registriert wurden. Etwa jedes zweite Sexualdelikt in Schwimmbädern wurde 2014 demnach von einem nichtdeutschen Tatverdächtigen begangen. Dasselbe gilt für die „Beleidigungen auf sexueller Grundlage“, die nicht zu den Sexualdelikten gezählt werden.

Fallzahlen sprechen gegen das Vorgehen der Polizei

Ob allerdings für den Anstieg der Fälle im Jahr 2015 überwiegend Asylbewerber verantwortlich sind, lässt sich kaum beantworten. Denn für die polizeiliche Kriminalstatistik werden die Tatverdächtigen bislang nur nach unterschiedlicher Staatsangehörigkeit erfasst. Erst seit drei Monaten vermerkt nun die Münchner Polizei auch für die Statistik, ob es sich bei einem ausländischen Tatverdächtigen um einen Asylbewerber handelt oder nicht.

Seitdem kann die Polizei bei einem bestimmten Delikt mit entsprechendem Schlagwort wie „Asylbezug“ im polizeilichen Informationssystem recherchieren, ob schon vergleichbare Fälle vorliegen. Für Schlussfolgerungen zur Straffälligkeit von Flüchtlingen ist es somit noch zu früh.

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Die sexuellen Übergriffe in Schwimmbädern belasten das Sicherheitsgefühl der Bürger stark, da Schwimmbäder vor allem auch von Kindern und Jugendlichen besucht werden, die Opfer werden können. Und manche Mädchen trauen sich vielleicht gar nicht, zum Bademeister zu gehen, wenn sie gleich von einer ganzen Gruppe junger Männer körperlich angegangen werden. So gesehen ist, wie die Polizei hervorhebt, jeder einzelne Übergriff einer zu viel.

Auch wenn die reinen Fallzahlen zum Beispiel in München mit zwölf Sexualdelikten in Schwimmbädern im Jahr 2014 bei jährlich etwa vier Millionen Badegästen verhältnismäßig gering sind. Zehn dieser Taten, unter denen keine Vergewaltigung war, konnten aufgeklärt werden. In sechs dieser geklärten Fälle waren die Täter nicht deutsch.

Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man – ohne Einschränkung auf Schwimmbäder – alle Sexualdelikte in München betrachtet. Hier wurden 2014 insgesamt 295 von 638 geklärten Sexualdelikten von ausländischen Tatverdächtigen verübt. Sie haben somit einen Anteil an allen Tatverdächtigen innerhalb der Sexualdelikte von 46,2 Prozent. Sexualdelikte werden jedoch von ihnen nicht proportional mehr verübt als andere Straftaten. Denn sie hatten im Jahr 2014 einen ähnlich großen Anteil an den Gesamtstrafen (ohne Straftaten gegen das Aufenthaltsgesetz): 46,7 Prozent.

Etwa 29.000 der 63.000 Straftaten in München wurden von ausländischen Tatverdächtigen begangen. Besondere Risikofaktoren, kriminell zu werden, sind dabei – unabhängig von der Nationalität – Faktoren wie jugendliches Alter und geringer Bildungsgrad. Aus kriminologischer Sicht lässt sich dies dann auf eine einfache Formel bringen: Wo viele junge Männer sind, werden auch viele junge Männer kriminell.

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