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Polizeihund beißt Kinder : „Er durfte nicht frei rumlaufen“

In der Ausbildung zum Schutzhund lernen Polizeihunde, Polizisten zu verteidigen und flüchtende Straftäter zu stellen. Bild: dpa

In Mittelfranken hat ein Polizeihund sechs Kinder angegriffen und gebissen. Er war gerade in der Ausbildung zum Schutzhund. Gegen eine Polizistin wird nun wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

          Vor vier Wochen erst hatte der Belgische Schäferhund seine Vorprüfung zum Schutzhund absolviert. Im Schutzdienst muss ein Polizeihund seinen Hundeführer und dessen Kollegen verteidigen und flüchtende Straftäter stellen - indem er die Täter in Arme oder Beine beißt. Genau das tat „Cabil“ am Sonntag im mittelfränkischen Polsendorf, einem Ortsteil von Allersberg im Landkreis Roth. Aber er biss nicht mutmaßliche Straftäter, sondern sechs Kinder im Alter von fünf bis neun Jahren, die auf einer Pferdekoppel gespielt hatten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nun wird gegen die Diensthundeführerin wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Offenbar war der zweijährige Rüde nicht angeleint und bewegte sich weit entfernt von seiner Hundeführerin. Ein Hund, der noch zum Schutzhund ausgebildet wird, müsse zu jeder Zeit an der Hand geführt werden, hieß es bei der Polizei. Es müsse gewährleistet sein, dass der Hundeführer jederzeit die Kontrolle über den Hund habe. Es besteht somit ein „Anfangsverdacht“, dass die Polizistin gegen Dienstvorschriften verstoßen habe.

          Der Hund, offenbar angezogen von den laut tobenden Kindern, sei plötzlich auf sie zugerannt, habe sie in Oberschenkel und Hüfte gebissen und zwei von ihnen schwer verletzt. Drei Kinder mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Kind konnte inzwischen wieder entlassen werden, zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, müssen nach Angaben der Polizei immer noch im Krankenhaus behandelt werden. Sie dürften zumindest äußerlich keine Folgen davontragen. Weitere Details des Angriffs wurden von der Polizei mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht genannt.

          Der Rüde stand kurz vor der abschließenden Prüfung

          Nach Polizeiangaben arbeitet die als sehr professionell geltende 41 Jahre alte Hundeführerin seit neun Jahren in der Polizeihundestaffel. Der zweijährige Schäferhund, um den sie sich seit März kümmert, sei ihr zweiter Hund gewesen. Der Rüde stand nur zwei Wochen vor der abschließenden Prüfung als Schutzhund. Am Sonntag sei sie nach Allersberg gefahren, um mit dem Hund für weitere Prüfungen zu trainieren. Offensichtlich sei „Cabil“ dann „außer Kontrolle“ geraten, teilte die Polizei mit.

          Die Polizei sprach von einem „wahrscheinlichen Fehlverhalten“ der Beamtin gegen Polizeidienstvorschriften. Sie werde daher bis zur Klärung des Sachverhalts in einer anderen Abteilung eingesetzt. Die strafrechtlichen Ermittlungen hat das Fachkommissariat für interne Ermittlungen der Nürnberger Kriminalpolizei übernommen. Ebenso werde geprüft, ob dienstrechtliche Schritte eingeleitet werden müssten. Die Eltern der Kinder würden von einem Ansprechpartner der Polizei über die Ermittlungen informiert.

          Polizeihunde kommen meist im Alter von zwölf Monaten zur Polizei, sagt der Leiter der Diensthundestaffel der mittelfränkischen Polizei, Norbert Hofmayer. Eingesetzt würden in Mittelfranken überwiegend Deutsche, Belgische oder Holländische Schäferhunde. Zunächst wird der Hund in einer 12 bis 18 Monate dauernden Grundausbildung trainiert. Diese Ausbildung ist in drei Teile gegliedert: „Nasenarbeit“, Unterordnung und eben der Schutzdienst.

          Während der „Nasenarbeit“ lernen die Hunde zum Beispiel, Menschen oder Gegenstände, denen menschlicher Geruch anhaftet, aufzuspüren. Dann müssen die Hunde trainieren, bestimmte Zeichen der Hundeführer richtig zu deuten, um in „Großlagen“ wie bei Fußballspielen oder Demonstrationen eingesetzt werden zu können. Nach der Grundausbildung müssen die Hunde eine Abschlussprüfung bestehen. Danach können sie noch für bestimmte Bereiche weiter ausgebildet werden - etwa als Schutzhund, Drogenspürhund oder zum Aufspüren von Banknoten oder Sprengstoffen.

          Nun prüft die Polizei, ob der Hund, der zur Zeit in einem Zwinger der Zentralen Diensthundestaffel Mittelfranken in Nürnberg untergebracht ist, eingeschläfert werden muss. Ein Sachverständiger soll an diesem Mittwoch darüber entscheiden. Erst im Mai hatte ein Polizeihund im oberpfälzischen Waldmünchen eine Rentnerin in den Oberschenkel gebissen. Auch hier wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

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