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Nach der Festnahme : Polizei prüft Umfeld des Verdächtigen in Freiburg

  • Aktualisiert am

Blumen und Kerzen erinnern an die ermordete Medizinstudentin in Freiburg. Der mutmaßliche Täter wurde jetzt gefasst; sein Umfeld wird untersucht. Bild: dpa

Nach dem tödlichen Sexualverbrechen in Freiburg prüft die Polizei mögliche Verbindungen zwischen dem festgenommenen Verdächtigen und der getöteten Studentin. AfD-Anhänger nutzen die Festnahme, um gegen die Flüchtlingspolitik zu demonstrieren.

          Nach der Festnahme eines Verdächtigen im Fall der getöteten Studentin in Freiburg untersucht die Polizei das Umfeld des Jugendlichen. Geklärt werden müsse, ob sich der Siebzehnjährige und sein Opfer kannten, sagte ein Polizeisprecher. Zudem sei noch unklar, ob die Tat geplant oder die Studentin ein Zufallsopfer war. Der minderjährige Verdächtige war am Freitag in Freiburg festgenommen worden, er äußerte sich den Angaben zufolge bislang nicht. Der unbegleitete Flüchtling war laut Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr aus Afghanistan eingereist und bei einer Familie in Freiburg untergebracht.

          Laut Polizeiangaben haben sich Anhänger der AfD am Sonntag zu einer spontanen Kundgebung „gegen die Merkelsche Politik“ in der Freiburger Innenstadt versammelt. Am Münster seien sie auch mit Gegendemonstranten zusammengestoßen, teilte ein Sprecher am Sonntagabend mit. „Es gab wohl Scharmützel“, sagte er. Weitere Informationen waren zunächst unbekannt. Der Sprecher berichtete von einer „kleineren Gruppe von AfD-Vertretern“ und mehreren Hundert linken Gegendemonstranten.

          Die 19 Jahre alte Studentin war Mitte Oktober am Ufer des Flusses Dreisam vergewaltigt worden, sie starb am Tatort durch Ertrinken. Sie war zuvor an der Freiburger Universität auf einer Studentenparty und nachts mit dem Fahrrad alleine auf dem Weg nach Hause. Laut Polizei ist noch nicht geklärt, ob die Frau ertränkt wurde.

          Dem Tatverdächtigen auf die Schliche kamen die Ermittler dank DNA-Spuren am Tatort sowie über die Videoüberwachung in einer Straßenbahn, in der der minderjährige Flüchtling in der Tatnacht fuhr. Befragt werde nun das Umfeld des Mannes, sagte Chefermittler David Müller.

          „Hervorragende Polizeiarbeit“

          Zudem sei seine Wohnung durchsucht worden, die dort gefundenen Hinweise würden ausgewertet. Geprüft werde auch, ob der junge Mann für weitere Taten verantwortlich sei. Konkrete Hinweise darauf gebe es noch nicht. Im Fall der Studentin werde dem Siebzehnjährigen Vergewaltigung und Mord zur Last gelegt.

          Bei der Pressekonferenz, auf der die Festnahme bekannt gegeben wurde, war der Andrang am Samstag groß. Danach entbrannte eine Diskussion in den sozialen Netzwerken.

          „Die Polizei – in Freiburg selbst, beim Landeskriminalamt, bei den anderen Präsidien, die unterstützt haben – hat eine ganz hervorragende, herausragende Arbeit geleistet“, teilte Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit. Sie habe akribisch ermittelt, um zu diesem Ermittlungserfolg zu kommen. „Der mutmaßliche Täter muss sich jetzt – ungeachtet seiner Nationalität, ungeachtet der Frage, seit wann er in Deutschland lebt – vor Gericht und vor dem Gesetz verantworten.“

          Weiter ungeklärt bleibe der Mord an einer 27 Jahre alten Frau im 30 Kilometer entfernten Endingen drei Wochen nach der Tat in Freiburg. Die junge Frau war alleine zum Joggen aufgebrochen und nicht zurückgekehrt. Sie wurde von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet.

          „Keine Pauschalurteile über Flüchtlinge“

          Im Internet löste die Festnahme des Tatverdächtigen in Freiburg Debatten über die Flüchtlingspolitik aus. Freiburgs Oberbürgermeisters Dieter Salomon (Grüne) mahnte zur Besonnenheit und rief dazu auf, „die Herkunft des Täters nicht für Pauschalurteile heranzuziehen, sondern den Einzelfall zu betrachten“.

          Auch die Kriminalstatistik spricht dagegen, einen pauschalen Zusammenhang zwischen Herkunft und Tat zu konstruieren. Tatsächlich ist die Zahl der Morde und Vergewaltigungen im Jahr 2015, in dem fast eine Million Flüchtlinge nach Deutschland kam, im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Mord und Totschlag nahmen um 2,9 Prozent, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab.

          Weder das Bundesinnenministerium noch das Bundesfamilienministerium wollten sich am Samstag zu dem Fall äußern – mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen.

          Warnt vor Pauschalurteilen aufgrund der Herkunft des Täters: Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Die Grünen)

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