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Dienstwaffen-Räuber geflüchtet : Im Schwarzwald versteckt

Polizisten vor einem Waldstück an einer Straße bei Oppenau, wo mit einem Großaufgebot nach dem Flüchtigen gesucht wird. Bild: dpa

Weiterhin ist der Mann, der in Oppenau im Schwarzwald vier Polizisten entwaffnet haben soll, auf der Flucht. Es ist nicht das erste Mal, dass der Verdächtige strafrechtlich auffällig wird. Ein ehemaliger Vermieter berichtet zudem von einem Waffenlager.

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          Mit mehreren hundert Beamten, mit Hubschraubern, Wärmebildkameras, Sondereinsatzkräften sowie einer Hundestaffel fahndete die baden-württembergische Polizei auch am Montagnachmittag weiter nach dem 31 Jahre alten Yves R. „Wir durchkämmen das Waldgebiet, weil wir die Fahndung früh eingeleitet haben, nehmen wir an, dass er sich noch in den weitläufigen Waldgebieten aufhält“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Offenburg. Der wohnsitzlose Mann und Waffennarr hatte am Sonntagvormittag vier Polizeibeamte bei einer Kontrolle bedroht, dabei soll es ihm gelungen sein, alle vier Dienstwaffen der Polizisten zu entwenden und danach zu flüchten.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Die Kontrolle war nach einem Hinweis eines Bürgers erfolgt, der von einem verdächtigen Mann in Tarnkleidung in der Nähe einer Waldhütte berichtet hatte. Anfänglich verhielt sich R.bei der Kontrolle nach Polizeiangaben kooperativ. Dann soll er eine Pistole auf die Polizisten gerichtet haben, so dass den Beamten nichts anderes übrig geblieben sei, als ihre Dienstwaffen auszuhändigen. R. soll auch mit Pfeil und Bogen bewaffnet gewesen sein.

          Die westlich von Freudenstadt und östlich von Offenburg gelegene Gemeinde im Renchtal (Ortenaukreis) mit knapp 5000 Einwohnern ist von Flurstücken des Schwarzwalds umgeben. Allein Oppenau besitzt 2000 Hektar Kommunalwald. Der Wald ist dort dicht gewachsen, schwer zugänglich, vor allem bietet er viele Verstecke, was die Suche nach dem Verdächtigen, der gute Ortskenntnisse hat, am Montag erschwerte.

          Schulen und Kindergärten geschlossen

          Die Staatsanwaltschaft Offenburg leitete mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit dem unerlaubten Führen einer Schusswaffe gegen R. ein; die Polizei bittet die Bürger mit einer Öffentlichkeitsfahndung um Mithilfe. Die Schulen, das Schwimmbad und die Kindergärten in Oppenau mussten am Montag geschlossen werden, die Deutsche Flugsicherung verhängte sogar ein Überflugverbot. Ein Gastwirt, der den Verdächtigen eine Zeitlang beherbergt haben will, berichtete dem SWR, dass R. auch in seiner Gaststätte ein Waffenlager angelegt hatte. Auf dem Dachboden seines Hauses habe der Flüchtige Munition, Pistolen, eine Armbrust und Material zum Bombenbau deponiert gehabt. Weil der Verdächtige seine Miete nicht beglichen habe, habe er das Zimmer räumen lassen.

          R. soll in Oppenau aufgewachsen sein, viele Dorfbewohner kennen ihn, weil er häufiger mit einem langen schwarzen Mantel und gelegentlich wohl auch mit einer Ratte auf der Schulter im Ort unterwegs gewesen sein soll. Die „Badische Zeitung“ berichtet von Kontakten zur sogenannten Reichsbürgerszene; die Sprecherin des Polizeipräsidiums Offenburg konnte das nicht bestätigen: „Davon ist uns derzeit nichts bekannt.“ Allerdings ist der Mann strafrechtlich schon früher aufgefallen: Vor zehn Jahren soll er wegen einer gefährlichen Körperverletzung zu einer Jugendstrafe verurteilt worden sein. Uwe Gaiser, Bürgermeister von Oppenau, sagte, R. habe sich beim Standesamt kürzlich abgemeldet, weil er ins Ausland umziehen wollte.

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