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Brasilien : Polizei befreit Bernie Ecclestones entführte Schwiegermutter

  • -Aktualisiert am

Unversehrt: Aparecida Schunck beim Verlassen der Polizeistation. Bild: Reuters

Neun Tage lang ist die Schwiegermutter des Formel-1-Chefs in der Gewalt von Entführern in Brasilien. Sie verlangen ein Rekord-Lösegeld. Doch Handy-Nachrichten führen die Polizei auf ihre Spur.

          Die brasilianische Polizei hat in der Nacht zum Montag die entführte Schwiegermutter des britischen Formel-1-Chefs Bernie Ecclestone befreit. Die 67 Jahre alte Aparecida Schunck war am 22. Juli in ihrem Haus im Stadtteil Interlagos im Süden São Paulos verschleppt worden. Eine auf die Befreiung von Geiseln spezialisierte Einheit der Polizei stürmte am Samstagabend ein Haus in der Stadt Cotia im Südwesten der Metropolenregion von São Paulo. Das Versteck war zuvor länger von den Ermittlern beobachtet worden. Schunck blieb bei der Entführung und beim Zugriff zu ihrer Befreiung unverletzt. Die sichtlich erleichterte Schunck bedankte sich nach ihrer Befreiung bei den Beamten, ehe sie von der Polizei zu ihrer Entführung gehört wurde.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Nach Angaben der Polizei hatten sich die mindestens zwei Entführer mit dem Vorwand, sie würden zuvor von Schunck bestellte Möbel liefern, Zutritt zu deren Haus in Interlagos verschafft. Sie überwältigten die Hausangestellte, die ihnen die Tür geöffnet hatte und fuhren mit der Entführten in deren Auto davon. Auf Überwachungskameras war zudem ein weiteres Fahrzeug zu erkennen, mit dem einer der Entführer dem Wagen Schuncks folgte. Dieses Fahrzeug und seine Kennzeichen brachten die Ermittler auf die Spur der Entführer. Nachdem der Halter des zweiten Fahrzeuges ermittelt worden war, begann die Überwachung des Hauses in Cotia, das die Entführer als Versteck für Schunck nutzten. Bei dem Zugriff in der Nacht zum Montag konnten zwei der Entführer festgenommen werden. Sie leisteten bei ihrer Verhaftung keinen Widerstand. Einen der Festgenommenen hatte die Polizei zuvor schon wegen eines Raubes gesucht. Nach einem dritten Entführer, dem mutmaßlichen Kopf der Bande, wurde am Montag noch gefahndet.

          Tatort: Aus diesem Haus wurde Bernie Ecclestones Schwiegermutter entführt.

          Die Entführer hatten ein Lösegeld in Höhe von umgerechnet 33 Millionen Euro gefordert, das in vier Lieferungen zu gleichen Teilen hätte bezahlt werden sollen. Nach Angaben der Polizei wurde kein Lösegeld bezahlt. Der von den Entführern geforderte Betrag war das höchste jemals bei einer Entführung in Brasilien geforderte Lösegeld. Die Entführer kommunizierten mit der Familie der Verschleppten über Email und den Kurznachrichtendienst Whatsapp. Während in einem ersten Schreiben nur die Forderungen mitgeteilt wurden, sollen spätere Mitteilungen auch verhöhnende Bemerkungen über die Polizei enthalten haben.

          Nach Angaben des Innenministeriums von São Paulo ging die Zahl der Entführungen in dem Bundesstaat in den vergangenen Jahren merklich zurück. Während 2012 noch 43 Entführungen in dem bevölkerungsreichsten Teilstaat Brasiliens verzeichnet worden waren, kam es 2015 noch zu 33 Entführungen. Schuncks 38 Jahre alte Tochter Fabiana Flosi ist seit 2012 mit dem 85 Jahre alten Ecclestones verheiratet. Das Paar hatte sich 2009 beim Großen Preis von Brasilien in Interlagos kennengelernt, wo Flosi bei der Organisation des Rennens mitarbeitete. Beide trennten sich danach von ihren Partnern und heirateten drei Jahre später.

          Die Scheidung Ecclestones von dessen zweiter Ehefrau soll den Chef der Formel-1-Organisation umgerechnet fast 467 Millionen Euro gekostet haben. Die Ermittler hatten Ecclestone geraten, ungeachtet der Entführung an seinem Wohnort in London zu bleiben und nicht nach São Paulo zu kommen. Die Polizei von São Paulo kritisierte nach der Befreiung Schuncks die frühzeitige Berichterstattung in einigen Medien über den Entführungsfall. Dies habe die Ermittlungen erschwert, sagte Polizeisprecherin Elisabete Sato am Montag. Die führende Tageszeitung „Folha de São Paulo“ und andere Medien brachten erst nach der Befreiung Schuncks und mit Zustimmung der Familie ausführliche Berichte zu dem Fall, über den sie von Beginn an von der Polizei informiert worden waren. Gemäß ihrem Redaktionsstatut kann die „Folha de São Paulo“ von der Polizei erhaltene Informationen über ein Verbrechen zurückhalten, um die Sicherheit der Öffentlichkeit, einer Einzelperson oder eines Unternehmens nicht zu gefährden.

          Formel-1-Chef Ecclestone nebst Gemahlin

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