https://www.faz.net/-gum-90bua

Getötete chinesische Studentin : Verteidigung sieht keinen Hinweis auf „finale Tötungshandlung“

  • Aktualisiert am

Sebastian F. am Dienstag im Landgericht Dessau-Roßlau mit seinem Rechtsanwalt Marco Bennewitz. Bild: dpa

Im Prozess um die brutal vergewaltigte und getötete chinesische Studentin wurden die Schlussplädoyers gehalten. Die Anklage spricht von Mord, die Verteidigung nicht.

          2 Min.

          Im Dessauer Prozess um die vergewaltigte und getötete chinesische Studentin haben die Verteidiger der beiden Angeklagten die Mordvorwürfe zurückgewiesen. Für den 21-Jährigen Mann beantragten die Anwälte am Dienstag am Landgericht Dessau-Roßlau eine zehnjährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung mit Todesfolge. Für seine mitangeklagte Ex-Partnerin forderten deren Verteidiger eine dreijährige Jugendstrafe wegen Vergewaltigung in besonders schwerem Fall. Damit blieb die Verteidigung deutlich unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die am Vortag für den Mann eine lebenslange Freiheitsstrafe und für die gleichaltrige Frau acht Jahre nach Jugendstrafrecht verlangt hatte. Das Urteil wird am Freitag erwartet.

          Die Eltern der getöteten Studentin wünschen sich Gerechtigkeit, erklärte Vertreter der Nebenklage, Sven Peitzner. Er vertritt den Vater des Opfers. Peitzner verlas eine Nachricht der Eltern an das Gericht. „Wir hoffen sehr, dass mit der Strafe Gerechtigkeit hergestellt wird“, heißt es darin. Die Eltern hätten vor der Tat mit ihrer Tochter telefoniert und sie habe von den freundlichen Menschen in Dessau berichtet. Sie hätten sehr große finanzielle Anstrengungen unternommen, um ihrer Tochter das Architekturstudium in Deutschland zu ermöglichen. Die 25-Jährige sei ihr einziges Kind gewesen. „Die Eltern müssen ihr ganzes Leben damit leben“, sagte der Anwalt zu den deutschen Angeklagten.

          Staatsanwältin Heike Kropf hatte die Tat vom 11. Mai 2016 schon am Montag detailliert anhand der Spuren, Handy- und Chatauswertungen rekonstruiert. Aus ihrer Sicht bestehen keine Zweifel, dass beide Angeklagte die Taten gemeinsam beschlossen und begangen haben. Die Verteidiger hingegen verwiesen auf die Sachverständigen, die anhand der Spuren keine Hinweise auf den Tatablauf geben konnten. Sie konnten auch keinen genauen Tatzeitpunkt feststellen.

          Der Angeklagte schwieg den gesamten Prozess über

          Die Verteidiger der jungen angeklagten Frau verwiesen auf deren Geständnis. Sie hatte angegeben, ihr Ex-Partner und Vater zweier gemeinsamer Kinder habe sie über Jahre drangsaliert und ihr Gewalt angetan. Er habe sie gezwungen, die chinesische Studentin von eine Joggingrunde abzufangen, um gemeinsamen Sex zu haben. Von den Misshandlungen im Anschluss habe sie nichts mitbekommen. Sie habe auch nicht gesehen, wie der Beschuldigte den geschundenen Körper im Hof unter einer Konifere ablegte.

          Der Angeklagte schwieg den gesamten Prozess über. Verteidiger Marco Bennewitz sagte, er gehe davon aus, dass der Tod schon während der massiven Vergewaltigungen und brutalen Misshandlungen eingetreten sei. Es gebe keinen Hinweis auf eine finale Tötungshandlung. Ein Sachverständiger bescheinigte dem Angeklagten außergewöhnliche Empathielosigkeit, Gefühlskälte und einen Hang zum Sadismus.

          Von ihrem Recht des letzten Wortes machten beide am Dienstag keinen Gebrauch. Das Interesse der Dessauer an dem Verfahren ist sichtlich groß. Jedem der mehr als 30 Verhandlungstage haben - anders als sonst üblich - zahlreiche Besucher beigewohnt. Kopfschütteln, leise und teils auch gut vernehmbare Unmutsäußerungen aus dem Publikum begleiten die Prozesstage. In den Pausen wird engagiert geschimpft und diskutiert.

          Weitere Themen

          Rechtsextreme nutzen Pandemie für ihre Zwecke

          Corona-Liveblog : Rechtsextreme nutzen Pandemie für ihre Zwecke

          Experten sehen Versorgung von Krebspatienten in Gefahr +++ Ausgangssperre soll erst um 22 Uhr beginnen +++ Schulschließungen ab Inzidenz von 165 +++ China testet Impfstoff-Kombination +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Großbrand in Kapstadt breitet sich weiter aus

          Mann festgenommen : Großbrand in Kapstadt breitet sich weiter aus

          Ein Wochenende mit verheerenden Großbränden hat Südafrika schwer getroffen. Inmitten der Corona-Pandemie wird eines der größten Hospitäler des Landes in Johannesburg evakuiert. Und in Kapstadt gehen historisch wertvolle Gebäude und Bücher in Flammen auf.

          Topmeldungen

          Hat für heute Abend den CDU-Vorstands einberufen: Armin Laschet

          Mehr als die K-Frage : Was für Deutschland auf dem Spiel steht

          Jenseits des Streits um Kandidaten benötigt die Union inhaltlich einen kräftigen Ruck. Denn unser Land braucht eine große politische Kraft, die sich für eine stärker der Marktwirtschaft verpflichtete Politik einsetzt.
          Eltern gefordert: Der Bildungsfortschritt vieler Kinder hängt in Pandemiezeiten vom Einsatz von Mama und Papa ab.

          Lernen in der Pandemie : So retten wir die Schüler

          Corona hält eine ganze Generation vom Lernen ab – und bedroht ihre späteren Einkommenschancen. Noch lässt sich der Schaden wettmachen. Doch es muss sich systemisch sofort etwas ändern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.