https://www.faz.net/-gum-7p6lh

Mordprozess : Pistorius trug bei tödlichen Schüssen wohl keine Prothesen

  • Aktualisiert am

Bestreitet, seine Freundin absichtlich erschossen zu haben: Oscar Pistorius Bild: AFP

Oscar Pistorius erschoss seine Freundin durch die Toilettentür - aus Notwehr, sagt er. Die Anklage wirft ihm Mord vor. Die Aussage eines Ballistikers könnte zu beiden Versionen passen.

          Auch die Aussage eines Schussexperten hat im Mordprozess gegen Oscar Pistorius kein klares Bild von der Tatnacht erbracht. Der Ballistiker Thomas Wolmarans, der die Geschossbahn analysierte, nannte am Freitag Aspekte, die sowohl gegen, als auch für die Schuld des Angeklagten sprechen könnten.

          Der doppelt beinamputierte Sportler habe keine Prothesen getragen, als er die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp abgab, erläuterte Wolmarans vor Gericht im südafrikanischen Pretoria. Damit untermauerte der Fachmann, dessen Aussage auf einer Analyse der Schussspuren an der Toilettentür basiert, die Argumentation des Angeklagten und eines Forensikers. Wenn Pistorius Prothesen getragen hätte, könnte das darauf hindeuten, dass er Zeit hatte, sie anzulegen - er also mit Vorsatz handelte.

          Hat Pistorius noch mit seiner Freundin gesprochen?

          Der Ballistiker erläuterte aber auch, dass Steenkamp völlig bekleidet war, als ihr Freund sie erschoss. Sie habe nicht auf der Toilette gesessen, als Pistorius durch die Klotür schoss. Sofern Steenkamp hinter der Tür stand, könnte das bedeuten, dass sie mit Pistorius sprach - und der wusste, dass sie dahinter war.

          Pistorius gibt an, er sei in der Tatnacht zum Valentinstag 2013 auf Beinstümpfen in Panik ins Bad geeilt und habe durch die verschlossene Toilettentür geschossen, weil er dort einen Einbrecher vermutete. Die Staatsanwaltschaft hatte zumindest früher behauptet, der Angeklagte habe seine Prothesen zuvor angelegt. Damit hatte sie dem ihm ein überlegtes Handeln unterstellt - und die Mordthese gestützt.

          Dem Südafrikaner wurden im Alter von elf Monaten beide Beine unterhalb des Knies amputiert. Mit Prothesen startete der Sprinter 2012 als erster beinamputierter Sportler bei den Olympischen Spielen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trotz Reform : Viele Sparer müssen weiter Soli zahlen

          Für die meisten Bundesbürger soll der Solidaritätszuschlag ab 2021 entfallen, sagt Finanzminister Scholz. Was er verschweigt: Für den Großteil der Sparer und Anleger gilt das nicht – und das sind nicht nur Großverdiener.
          Der Zusammenschluss von Car 2 Go und Drive Now ist ganz offensichtlich ein Eingeständnis des Scheiterns.

          Auch Mazda steigt aus : Carsharing fährt gegen die Wand

          Es soll eine Lösung für urbane Mobilität sein: Doch Carsharing rechnet sich nicht. Und nicht nur das: Die Autos kämen oft auch verdreckt oder beschädigt zurück, klagen die Anbieter. Jetzt gibt auch Mazda auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.