https://www.faz.net/-gum-8gluk

PIP-Skandal in Frankreich : Vier Jahre Haft für Brustimplantate-Betrüger

PIP-Gründer Jean-Claude Mas am Montag vor dem Gerichtsgebäude in Aix en Provence Bild: AP

Allein in Deutschland ließen sich 5000 Frauen von seiner Firma PIP unwissentlich billiges Industriesilikon in die Brüste implantieren. Jetzt ist das Urteil im Berufungsprozess gegen Jean-Claude Mas gefallen.

          2 Min.

          Hunderttausenden Frauen in der ganzen Welt hatte der Franzose Jean-Claude Mas gesundheitsschädliche Brustimplantate angedreht, jetzt ist im Berufungsverfahren die Höchststrafe gegen ihn bestätigt worden. Das zuständige Berufungsgericht in Aix-en Provence entschied am Montag, den Geschäftsmann zu vier Jahren Haftstrafe ohne Bewährung zu verurteilen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Berufungsrichter bestätigten damit das erstinstanzliche Urteil vom Dezember 2013 des Strafgerichts in Marseille. Wegen schweren Betruges und Täuschung muss Mas nun drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. 2012 hat der 76 Jahre alte Mann schon acht Monate in Untersuchungshaft gesessen, die Haftdauer wird um diese Frist verkürzt.

          Die von Mas gegründete und geführte Firma „Poly Implant Prothèse“ (PIP) mit Sitz in La Seyne sur Mer bei Toulon hat fast ein Jahrzehnt lang wissentlich billiges Industriesilikon zur Herstellung der Brustimplantate verwendet. Bei Prüfungen täuschte die Firma jedoch vor, medizinisch zugelassenes Silikon zu benutzen.

          Mehr als 5000 betroffene Frauen allein in Deutschland

          Auch der TÜV Rheinland, der im Prozess als Nebenkläger aufgetreten war, fiel auf die Täuschungsmanöver rein. Die Implantate waren gesundheitsgefährdend, rissen oftmals ein und führten zu Entzündungen. Allein in Deutschland wurden mehr als 5000 Frauen die schadhaften PIP-Implantate eingesetzt.

          Die Implantate wurden bis 2012 von deutschen Ärzten verwendet, obwohl das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte seit 2010 vor ihnen gewarnt hatte. Viele Frauen mussten sich die schadhaften Implantate auf eigene Kosten wieder entfernen lassen.

          Ein Implantat der Firma PIP
          Ein Implantat der Firma PIP : Bild: Reuters

          Der Skandal war 2010 aufgeflogen, nachdem sich Hinweise auf eine erhöhte Reißanfälligkeit der Produkte gehäuft hatten. Der TÜV Rheinland war für die Zertifizierung der Implantate und des PIP-Qualitätssicherungssystems zuständig gewesen. Immer wenn TÜV-Kontrolleure anrückten, wurde das Billigsilikon durch hochwertiges medizinisch einwandfreies Silikon ersetzt. Auch Computerdaten in der Firma sollen für die Kontrolleure gefälscht worden sein.

          Jean-Claude Mas hat seine Firma für insolvent erklären lassen

          In einem Zivilverfahren in Toulon war das deutsche Dienstleistungsunternehmen trotzdem vor zwei Jahren verurteilt worden, weil es „seine Pflicht zur Kontrolle und Wachsamkeit verletzt“ haben sollte. Doch jetzt beschieden die Berufungsrichter dem TÜV Rheinland, auch Opfer des Betrugs geworden zu sein.

          Jean-Claude Mas hat indessen seine Firma für insolvent erklären lassen. Er behauptete vor Gericht, auch privat keine Mittel mehr zu haben und deshalb wegen Schadenersatzforderungen nicht belangt werden zu können. Die Justiz ermittelt jedoch, ob der Franzose nicht Geld in Steuerparadiesen versteckt hat.

          Während seines Berufungsprozesses im vergangenen November sagte Mas, er sei kein Betrüger. Das billige Industriesilikon nannte er „unsere Hausmischung“. „Das Silikon von PIP war einfach besser“, sagte er dem Vorsitzenden Richter Eric Cibiel. „Und auch billiger?“, fragte Cibiel den Angeklagten. „Nun ja, das war umso besser“, erwiderte Mas.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Moderator Ken Jebsen während einer Demonstration am 13.12.2014 vor dem Schloss Bellevue in Berlin

          Anonymous : Hacker greifen Ken Jebsen an – Webseite lahmgelegt

          Die Hacker-Gruppe Anonymous hat sich die Seite des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen vorgenommen. Dabei habe sie nicht nur zehntausende Daten zu Abonnenten erbeutet, sondern auch Informationen zu Spenden abgegriffen.

          G 7 in Cornwall : Brexit-Störgeräusche für Johnson

          Eigentlich sollte es beim G-7-Gipfel vor allem um Corona und die Herausforderung durch China und Russland gehen. Doch immer wieder muss sich Gastgeber Boris Johnson auch mit dem Streit mit der EU auseinandersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.