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PIP-Gründer verurteilt : Höchststrafe wegen schädlicher Brustimplantate

Jean-Claude Mas im April dieses Jahres vor dem Gericht in Marseille Bild: dpa

Jahrelang hatte Jean-Claude Mas billiges Industriesilikon zu Brustimplantaten verarbeitet. Nun ist der Gründer des französischen Unternehmens PIP zu vier Jahren Haft verurteilt worden.

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          Hunderttausende von Frauen werden diesen Schuldspruch mit Genugtuung aufnehmen: Der Geschäftsmann Jean-Claude Mas, der jahrelang gesundheitsschädliche Brustimplantate herstellen ließ und rund um den Erdball verkaufte, muss für vier Jahre ins Gefängnis und eine Geldstrafe in Höhe von 75.000 Euro bezahlen. Im ersten Strafprozess gegen den 74 Jahre alten Unternehmer aus Südfrankreich hat ihn ein Strafgericht in Marseille des schweren Betruges und der Täuschung für schuldig befunden und ist im Strafmaß der Forderung der Staatsanwaltschaft gefolgt. Sie entspricht in Frankreich der Höchststrafe für dieses Delikt.

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Vier mitangeklagte frühere Führungskräfte des von Mas gegründeten Unternehmens Poly Implant Prothèse (PIP) wurden ebenfalls schuldig gesprochen. Sie erhielten milderen Strafen, die von drei Jahren Haft, davon zwei auf Bewährung, bis zu 18 Monaten Bewährung reichten.

          PIP hatte über viele Jahre wissentlich billiges Industriesilikon anstelle von zugelassenem Silikon für seine Brustimplantate verwendet. Die Einsätze sind häufig gerissen und führten zu Entzündungen. Rund 7700 Frauen traten in dem Prozess als Nebenklägerinnen auf. Hunderttausenden Frauen sind vermutlich die falschen Implantate des 1991 gegründeten Unternehmens eingesetzt worden. Allein in Deutschland gelten mehr als 5000 Frauen als betroffen. Die Gesundheitsbehörden in Deutschland und Frankreich empfahlen, die Implantate entfernen zu lassen. In Frankreich sollen gut 17.000 von geschätzten 30.000 Trägerinnen der PIP-Einsätze dieser Aufforderung nachgekommen sein.

          Mas muss jetzt allerdings nicht sofort ins Gefängnis, denn er will Berufung einlegen, was aufschiebend wirkt. Acht Monate befand sich Mas bereits in Untersuchungshaft. Er hat während des Prozesses zugegeben, Brustimplantate mit einem selbst gemachten Billiggel angefertigt zu haben.

          Der TÜV Rheinland hat das Unternehmen jahrelang geprüft, nicht aber dessen Produkte. So hatte es der Auftrag vorgesehen. Mas gestand zunächst, die Kontrolleure absichtlich getäuscht zu haben, zog diese Aussage später aber zurück. Mas bestritt auch, dass seine Brusteinsätze gesundheitsschädlich gewesen seien. Er entschuldigte sich während des Prozesses aber bei den Opfern.

          Der TÜV Rheinland ist bei dem Strafprozess als Nebenkläger aufgetreten, denn er fühlt sich von Mas und seinen Mitarbeitern systematisch hinters Licht geführt. Nicht nur die Führungskräfte, sondern quasi alle 120 PIP-Mitarbeiter galten als eingeweiht. In einem Zivilprozess in Toulon ist der TÜV kürzlich allerdings wegen schlampiger Kontrollen für mitschuldig befunden worden. Der TÜV hat dagegen Berufung eingelegt.

          Der Anwalt der deutschen Prüfanstalt ist der Ansicht, dass die Kläger gegen den TÜV vorgehen, weil bei keinem anderen Beteiligten die Hoffnung auf den Erhalt von Schadenersatz besteht. Die Firma PIP ist insolvent, und Mas behauptet über keine Mittel zu verfügen. Es besteht jedoch der Verdacht, dass der seit 2005 offiziell in Ruhestand befindliche Franzose Geld in verschiedenen Steuerparadiesen versteckt hat. Getrennte Verfahren laufen in diesem Zusammenhang.

          Das Gericht verurteilte Mas und seine ehemaligen Mitarbeiter für die Vorgänge zwischen 2004 und 2010. Der Skandal war 2010 entdeckt worden, nachdem den französischen Gesundheitsbehörden die erhöhte Reißanfälligkeit der Einsätze aufgefallen war.

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