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„Phantom von Heilbronn“ : „Das konnte nicht sein“

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Für sich genommen unverwechselbar: Genetischer Fingerabdruck in der Abteilung für Spurensicherung des Bundeskriminalamts Bild: AP

Über 40 DNA-Spuren hinterließ das „Phantom von Heilbronn“ an diversen Tatorten. Doch der DNA-Nachweis führte nie zur Erhellung der Tat. Das „Phantom“ wird ein Phantom bleiben - die DNA der mysteriösen Täterin stammte von verunreinigten Wattestäbchen. Die baden-württembergische Polizei steht vor einem Scherbenhaufen.

          Die Heilbronner Polizistenmörderin war ein Genie. Sie sprach mehrere Sprachen, stahl mal Airbags für osteuropäische Banden, mal ein Laptop, weil sie Geld für den nächsten Drogenrausch brauchte. Je länger die Sonderkommissionen ermittelten, je mehr DNA-Spuren die Laboranten auswerteten, desto vielschichtiger wurde das Bild der mysteriösen Täterin - bis das Bild plötzlich in viele Teile zerbrach.

          Fast zwei Jahre nach dem Polizistenmord von Heilbronn am 25. April 2007 steht die baden-württembergische Polizei vor einem Scherbenhaufen. Die Polizei hat fast zwei Jahre lang eine Täterin verfolgt, die sich ihren Namen „Phantom“ redlich verdient - weil es sie nicht gibt. Nicht nur ein paar Ermittler sind blamiert. Jetzt kommen grundsätzliche Fragen nach der Zuverlässigkeit der DNA-Analysen in der Kriminalistik auf und nach der politischen Verantwortung für eine Ermittlungspanne solchen Umfangs. Landeskriminalämter und Polizeipräsidien untersuchen seit Donnerstag hektisch sämtliche Altbestände auf kontaminierte Stäbchen.

          Die Spuren helfen nicht weiter

          Noch vor wenigen Wochen klagte der Leiter der Sonderkommission „Parkplatz“ darüber, dass sich aus allen Spuren einfach kein Puzzle ergab. Nun soll das von der Polizei als DNA-Spur einer weiblichen Person gedeutete Material von verunreinigten Wattestäbchen stammen. Schon in den vergangenen Monaten gab es Hinweise, die auf eine falsche Tätertheorie hindeuteten. „Die jüngeren Funde haben uns skeptisch gemacht“, sagt Horst Haug, der Sprecher des Landeskriminalamtes.

          Von Anfang an auf der falschen Spur?

          Am 7. Oktober 2008 gerieten in der Mannheimer Neckarstadt zwei Männer in einem Mehrfamilienhaus in Streit. An der Wohnungstür fand die Polizei einen neuen „DNA-Treffer“ der mutmaßlichen Polizistenmörderin. Die Bewohner des Hauses gaben Speichelproben ab, die Männer wurden vernommen, die „unbekannte weibliche Person“ kannte niemand. Wie die Spur an die Tür gelangte, blieb rätselhaft. Am 26. Oktober 2008 fanden Spaziergänger den Leichnam der 45 Jahre alten Krankenpflegerin im Flurstück Wildenberg. Die Tote lag in einem Regenrückhaltebecken.

          In ihrem Auto, einem Fiat Panda, sicherten Ermittler die DNA-Spur der angeblichen Polizistenmörderin. Ein Zusammenhang zwischen Leichnam und Polizistenmord ließ sich nicht herstellen. Mal wieder hatte die Sonderkommission einen weiteren DNA-Nachweis, aber kein weiteres Puzzle-Teilchen zur Erhellung der Tat. Ähnlich ratlos waren die Polizisten dann auch am 18. März, als sie bekannt geben, dass sie die 40. DNA-Spur gefunden haben, und zwar in einer Saarbrücker Schule. Nur gab es keine Theorie, mit der sich die Einbrüche und der Aufenthalt der Frau in Einklang bringen ließen. Am Tatort in Saarbrücken hatte die Polizei eine leere Cola-Dose gefunden, an deren Öffnungslasche Kriminaltechniker DNA-Spuren des „Phantoms“ sicherten. Die Jugendlichen konnten bei ihrer Vernehmung aber versichern, dass sie bei ihrem Einbruch keine Frau aus Osteuropa als Komplizin zur Verstärkung dabei hatten.

          DNA des „Phantoms“ aufgetaucht

          Noch konkreter wurde der Phantom-Verdacht für die Ermittler nach Angaben der Staatsanwaltschaft Saarbrücken durch eine Mitteilung der dortigen Rechtsmedizin am 19. März. DNA-Spuren der „unbekannten weiblichen Person“ seien bei der Identifikation einer im französischen Forbach gefundenen männlichen „Brandleiche“ gefunden worden, sagt der Sprecher der Saarbrückener Staatsanwaltschaft, Ernst Meiners. Bei diesem Toten handele es sich um einen seit 2002 vermissten Asylbewerber. Beim Vergleich der DNA-Spuren der Leiche mit denen des Vermissten sei Genmaterial aus Fingerabdrücken herausgearbeitet worden, die der Asylbewerber vor seinem Verschwinden bei der Ausländerbehörde abgeben musste.

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