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Prozess gegen Peter Madsen : „Kein normaler, gesunder Junge“

Nach aufwendigen Untersuchungen gut verpackt: Auf seinem selbstgebauten U-Boot „UC3 Nautilus“ soll Peter Madsen die Journalistin Kim Wall getötet haben. Bild: dpa

Vor Gericht erklärt Erfinder Peter Madsen den Tod von Kim Wall. Die Staatsanwaltschaft glaubt ihm nicht – und präsentiert zu Beginn des Mordprozesses viele Indizien.

          Das erste Bild im Gericht zeigt Kim Wall, das Opfer. Sie blickt selbstbewusst in die Kamera, mit angedeutetem Lächeln. Eine junge schwedische Journalistin, die für mehrere internationale Zeitungen geschrieben hat. Sie wurde nur 30 Jahre. Ihr Bild erscheint auf den vielen Bildschirmen im Gerichtssaal. Hinter einem der Schirme sitzt Peter Madsen, mit Brille, Jeans und schwarzem T-Shirt. Die Anklage ist davon überzeugt, dass er Wall getötet hat, geplant und sehr brutal. Das zweite Bild zeigt Madsens U-Boot, die „UC3 Nautilus“. Ein Video wird abgespielt: Ein Polizist öffnet die Luke der „Nautilus“, quetscht sich durch den schmalen Einstieg in den Bauch des U-Boots, zeigt den Maschinenraum, eine Toilette, schmale Bänke in der Messe. Beklemmende Enge. Es ist der Tatort.

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Nach den ersten Bildern zeigt Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen im Gerichtssaal die letzte SMS von Kim Wall, geschrieben vom U-Boot aus an ihren Freund: Sie sei übrigens noch am Leben. Sie würden jetzt tauchen. „Ich liebe dich“ mit vielen Ausrufezeichen. Er, also Madsen, habe Tee und Kekse mitgebracht.

          Der Fall, um den es seit Donnerstag in dem Prozess gegen Peter Madsen in Kopenhagen geht, hat weit über Dänemark hinaus Interesse erregt. Der verschrobene Konstrukteur, der gemeinsam mit Freunden U-Boote und Raketen gebaut hat, soll zum sadistischen Frauenmörder geworden sein. Die junge Journalistin, die für eine Geschichte auf sein U-Boot gegangen ist, wurde selbst zum Opfer einer Kriminalgeschichte.

          Fernsehsender haben Zelte in den Schneematsch vor dem Gericht gestellt, die Schlange der Journalisten aus mehr als einem Dutzend Ländern ist lang. Die meisten verfolgen die Übertragung in einem Raum neben dem Gerichtssaal. Das Gericht spricht von „einem überwältigenden Medieninteresse“. In Dänemark nimmt der Fall schon lange viel Platz in den Medien ein. Am Tag vor dem Prozess schaut Madsens Bild von den bunten Blättern. „Sex, Lügen und Video“ steht auf dem einen Titel, auf einem anderen wird ein früherer Chef von ihm zitiert: „Er war anders.“ Und ein ehemaliger Lehrer: „Kein normaler, gesunder Junge.“

          Was ist an Bord der Nautilus passiert?

          Der Fall nahm seinen Lauf am 10. August vergangenen Jahres. Für den Abend hatte Kim Wall mit ihrem Freund ein Fest geplant. Gemeinsam wollten sie nach China umziehen und sich nun von ihren Freunden verabschieden. Da meldete sich Madsen. Wall hatte ihn um ein Interview gebeten, für eine Geschichte über ihn in einem amerikanischen Magazin. Er lud sie ein, Wall sagte zu. Sie wollte nur schnell das Interview führen und dann zurück zu der Feier. Der Weg war nicht weit. Madsen bot an, mit dem U-Boot auf das Meer hinauszufahren. Um 19 Uhr traf Wall sich mit Madsen und bestieg mit ihm das U-Boot. Ihr Freund berichtete später, sie hätten das U-Boot bei seiner Ausfahrt gesehen und gewinkt. Ein Mann nahm von seinem Boot noch einen Film auf: Madsen und Wall stehen im Ausguck des U-Bootes, sie trägt einen orangefarbenen Pullover, der Himmel ist blau. Es gibt auch ein Bild der Ausfahrt, da schaut Madsen offenbar gerade in die Ferne, den Kopf auf seinen Arm gelegt. Und Wall lächelt mit hochgesteckten Haaren, hinter ihr das Licht der Abendsonne.

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