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Personenschützer im Gespräch : „Die Täter werden mehr“

  • -Aktualisiert am

Mit diesem Foto fahndete die Polizei nach dem mutmaßlichen Entführer. Bild: dpa

Die jüngsten Fälle des „Maskenmannes“, der entführten Bankiers-Frau aus München und des Sohnes des Schrauben-Milliardärs Würth zeigen, dass Entführungen von wohlhabenden Menschen zunehmen. Woran liegt das?

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          In diesem Monat wurde in Hessen der behinderte Sohn des Milliardärs Reinhold Würth verschleppt und bei München die Ehefrau eines Sparkassen-Managers entführt. Solche Verbrechen zu verhindern ist der Job von Stefan Bisanz. Vor 31 Jahren wurde er beim BKA und der Bundeswehr zum Personenschützer ausgebildet. Heute ist er Geschäftsführer einer Sicherheitsfirma und Deutschlands erster öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Personenschutz. Mit ihm sprachen wir über die Gefahr durch Entführungen, das Vorgehen der Täter und wie sich potentielle Opfer schützen können.

          Herr Bisanz, zwei Entführungen, dazu das Urteil gegen den Entführer im Maskenmann-Prozess vorige Woche – nehmen Entführungen zu?

          In den letzten 15 Jahren haben sie in der Tat zugenommen. Das ist aber nur für den Fachmann zu sehen. Die beiden Fälle sind ja glücklicherweise gescheitert. Wenn Entführung erfolgreich verlaufen, werden sie nicht immer bekannt: Freitagnachmittag entführt, Sonntag kommt das Familienmitglied wieder nach Hause und in der Zwischenzeit werden zwei Millionen übergeben.

          Warum hat das zugenommen?

          Weil die Zahl der Täter größer wird. Immer mehr Menschen sehen keine andere Möglichkeit, etwas abzubekommen, als ein Verbrechen zu begehen. Oft sind es Gescheiterte. Sie sagen sich: Wenn der 60 Millionen hat, wieso soll er mir nicht drei abgeben?

          Nehmen Entführung zu, weil Lösegeld gezahlt wird?

          Ja. Man kann natürlich sagen, lasst uns das einstellen, dann passiert weniger. Das wäre sicher so. Nur dann wird es ein-, zwei-, dreimal passieren, dass der Entführte nicht zurückkommt. Ich kann absolut verstehen, dass keine Familie bereit ist, das auf sich zu nehmen.

          Wie kann man sich schützen?

          Das beginnt mit dem Gedanken, dass ich mich als mögliches Ziel sehe. Doch das tun viele nicht. Sie sagen: „Klar sind schon Ehefrauen von Bankern entführt worden, etwa Maria Bögerl. Aber mir passiert das nicht.“

          Wer wird zum Opfer?

          Es ist ein Dreieck aus Faktoren, die dazu führen. Erstens: Finanzen. Wenn ich für den Normalbürger als reich gelte, beginnt die Gefahr. Dabei zählt nur die Sicht des Täters. Viele sagen: „Ich habe ja gar nicht 100 Millionen.“ Aber wenn der Täter denkt, sie haben 100 Millionen, dann müssen Sie sich so schützen, als ob sie sie hätten. Zweitens: Bekanntheitsgrad. Wenn ich in meiner Stadt Ehrenbürger bin oder IHK-Präsident, bin ich stärker gefährdet. Drittens: Verwundbarkeit. Welche Sicherheitsvorkehrungen habe ich getroffen?

          Man könnte sagen. Gut, dann werde ich kein Ehrenbürger oder IHK-Präsident. Aber das schränkt einen natürlich ein im Leben ...

          Ja, das wäre das Käseglocke-Prinzip. Dazu würde ich keinem raten! Die Sicherheit sollte nicht die Lebensqualität beschneiden, sondern sich stromlinienförmig an das Leben der Familie andocken.

          Es wird also nicht unbequem?

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