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Rassistische Kommentare : „Die kannst du nur erschlagen“

Rechtsextreme Demonstration vor dem Flüchtlingsheim in Freital Bild: AP

Auf Facebook schreiben Bewohner des sächsischen Ortes Freital ausländerfeindliche Kommentare. Das anonyme Blog „Perlen aus Freital“ sammelt die Äußerungen - mitunter mit vollem Namen.

          Andreas hat die Treibjagd eröffnet, Klemens fordert „null Toleranz“ und René möchte gleich alle Asylbewerber einsperren und „kontrolliert abbrennen lassen“. Einer schreibt: „Die kannst du nur erschlagen“, ein anderer fordert, Flüchtlingen mit einem Zimmermannshammer „den Kopf einzuschlagen“. Solche ausländerfeindlichen Kommentare schreiben sie auf Facebook - auf Seiten wie „Freital wehrt sich. Nein zum Hotelheim“. Die Stadt vor den Toren Dresdens hatte in den vergangenen Wochen mit teils rassistischen Protesten vor einer Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Hotel Schlagzeilen gemacht. Bei einer Bürgerversammlung am Montagabend wurden abermals  pauschale Vorurteile und Hetze gegen Asylbewerber laut. Versammlungsteilnehmer, die sich für Flüchtlinge einsetzten, wurden von anderen niedergebrüllt. Noch deutlicher zeigt sich der Hass allerdings im Netz, die besten Beispiele dafür sind Andreas, Klemens und René.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Auf einem anonymen Blog namens „Perlen aus Freital“ sammelt ein Mann seit Montagabend solche Kommentare und veröffentlicht sie als Screenshot. Dabei greift er auch auf Material zurück, das bereits andere Facebookseiten wie „Freital-Watch“ veröffentlicht haben. Gegenüber FAZ.NET äußert sich der Blogbetreiber zu seiner Motivation. Sein Name ist der Redaktion bekannt, er möchte aus Sorge vor Angriffen aber anonym bleiben. „Ich wohne selbst in einer dörflichen Umgebung und weiß nur zu gut, wie solche Hetze im Kleinen ihren Anfang nimmt. Ich habe eine kleine Tochter und ich möchte nicht, dass sie in so einer Umgebung oder einem Land aufwächst, wie sich diese Freitaler das vorstellen.“ Er wolle nun auf die Ausländerfeindlichkeit hinweisen und damit eine Art Gegenöffentlichkeit herstellen.

          Online-Pranger, um auf Ausländerfeindlichkeit hinzuweisen

          In der Namensgebung hat sich der Blogbeitreiber, der selbst beruflich Facebookseiten betreut, an der Seite „Perlen des Lokaljournalismus“ orientiert, die Stilblüten sammelt und als Screenshots veröffentlicht. Nicht in Verbindung steht er nach eigenen Angaben mit anderen Seiten dieser Machart, die in der Vergangenheit auch als „Online-Pranger“ bezeichnet wurden. So gibt es auch Facebook-Seiten wie „Perlen der Pegida“ oder „Rhetorische Perlen der NPD-Anhänger“, auf denen sich die Macher über Rechtschreibfehler und Äußerungen von Pegida-Teilnehmern oder NPD-Sympathisanten lustig machen. Diese Art der Bloßstellung führte schon in der Vergangenheit zu Konflikten, etwa weil Pegida-Teilnehmer wiederum dazu aufriefen, detektivisch tätig zu werden, um die Seitenbetreiber einzuschüchtern. Auch bei den „Perlen aus Freital“ hat der Betreiber keines der Profile, Fotos und auch keinen Namen geschwärzt, wodurch jedem Betrachter gleich die vermeintlichen Klarnamen zugänglich sind. Mit einer Suchanfrage bei Facebook findet man die Profile schnell, kann sie zuordnen, sich ein Bild machen über Schuldbildung, Familienstand oder Arbeitgeber.

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