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Zwei der Angeklagten bedecken ihr Gesicht mit Ordnern. Bild: dpa

Prozess um toten Jugendlichen : „Wer will auf die Fresse?“

  • Aktualisiert am

Mitte April ist in Passau ein 15 Jahre alter Junge nach einer Schlägerei gestorben. Seit Donnerstag müssen sich deshalb sechs junge Männer vor Gericht verantworten.

          Als die Polizei am Abend des 16. April den 15 Jahre alten R. auf der Wache aufforderte, seine Kleidung für die Spurensicherung auszuziehen, trat er nach Angaben der Staatsanwaltschaft Passau nach den Beamten und beleidigte sie als „Schwuchteln und Wichser“. Zuvor hatten die Polizisten ihn in seiner Wohnung festgenommen, da R. mutmaßlich an einer Schlägerei beteiligt war, bei der der 15 Jahre alte Schüler Maurice K. tödlich verletzt wurde. Was als Kampf „1 gegen 1“ übers Handy ausgemacht wurde, endete laut Staatsanwaltschaft damit, dass Maurice K. von R. und seinen Begleitern zusammengeschlagen wurde, Blut einatmete und erstickte.

          Seit Donnerstag müssen sich R. und fünf weitere junge Männer vor dem Landgericht Passau verantworten: fünf von ihnen wegen Körperverletzung mit Todesfolge, einer der jungen Männer wegen Beihilfe dazu. Die sechs Angeklagten, fünf deutsche Staatsangehörige und ein Pole, sind zwischen 15 und 25 Jahre alt.

          Angefangen hatte alles mit dem Vorwurf, dass Maurice K. „schlecht“ über R. geredet habe. Ein Freund des R., der ebenfalls angeklagte S., tauschte daher laut Anklage am 16. April via Handy Beleidigungen mit dem späteren Opfer aus. Verabredete wurde ein Zweikampf in einer Fußgängerunterführung um 18 Uhr. S. habe jedoch sofort zahlreiche andere junge Männer, unter ihnen weitere Angeklagte, informiert, ebenfalls zu kommen.

          Als Maurice K. mit sieben Begleitern zum Treffpunkt kam, warteten dort neben den Angeklagten rund 20 Personen. Ein Angeklagter soll den Kampf mit den Worten „Wer will jetzt als erster auf die Fresse?“ sowie der Aufforderung, keine Polizei zu rufen, geleitet haben. Laut Anklage ging dann R. auf das spätere Opfer zu und verpasste ihm eine Ohrfeige. Eine Prügelei zwischen den beiden begann, K. brachte R. zu Boden, versuchte, auf ihn zu treten. Daraufhin hätten die Angeklagten „ohne rechtfertigenden Grund“ gemeinsam auf Maurice K. eingeschlagen: ein Faustschlag traf die Leber, ein weiterer die linke Schläfe. K. wurde demnach durch die Schläge so benommen, dass ihm nun auch R. „ohne Gegenwehr“ mehrere Faustschläge verpasste. S. soll dabei R. durch Rufe wie „Bring ihm Respekt bei!“ angefeuert haben.

          Als eine Zeugin drohte, die Polizei zu rufen, rannten Schläger und Zuschauer davon. Maurice K. ging noch ein paar Schritte und brach dann bewusstlos zusammen. Einer der Angeklagten habe den Begleitern des Opfers zugeschrien: „Wenn ihr etwas der Polizei sagt, fick‘ ich euch alle!“

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