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Schlag gegen Pädokriminalität : Die zweite große Razzia im Fall „Berg“

  • -Aktualisiert am

Polizisten an einem Wohnhaus während einer Razzia in Nordrhein-Westfalen gegen Kinderpornographie Bild: dpa

Bei der großangelegten Razzia gegen Pädokriminelle hat die Polizei in zehn Bundesländern mehr als 1000 Beweisstücke sichergestellt. Aus akuten Gefahrensituationen musste kein Kind befreit werden.

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          Die Ermittlungen im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach ziehen immer weitere Kreise. Bei der zweiten großangelegten Razzia in dem Fall hat die Polizei am Dienstag in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Sachsen, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Brandenburg und Berlin bei 65 mutmaßlichen Pädokriminellen mehr als 1000 Beweisstücke wie Handys, Laptops sowie andere Datenspeicher oder Sexspielzeug sichergestellt, wie Ermittlungsleiter Michael Esser in Köln berichtete. Aus akuten Missbrauchs- oder Gefahrensituationen hätten keine Kinder befreit werden müssen. „Hinweise dieser Art wurden sofort angegangen, nichts ist da liegengeblieben“, sagte der Kriminaldirektor.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Allerdings wurde ein 13 Jahre altes Kind, das die Beamten bei einem der Beschuldigten antrafen, wegen „unklarer Wohn- und Familienbeziehungen“ vorsorglich vom zuständigen Jugendamt in Obhut genommen. Als Zufallsfunde konnten Polizisten in zwei Wohnungen illegale Waffen und Munition sicherstellen. Festnahmen gab es am Dienstag nicht.

          Weiteren Tatverdächtigen auf die Spur gekommen

          Kriminalbeamte der Besonderen Aufbauorganisation (BAO) Berg und Staatsanwälte der ebenfalls in Köln angesiedelten Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) ermitteln schon seit Monaten in dem Fall. Das Großverfahren war Ende 2019 durch die Festnahme von Jörg L. in Bergisch Gladbach ins Rollen gekommen. L. hatte seine kleine Tochter über viele Monate hinweg schwer sexuell gequält und vergewaltigt und Aufnahmen der Taten in diversen Internet-Chats mit anderen Männern geteilt.

          Durch die Auswertung elektronischer Datenträger des Manns waren Polizei und Staatsanwaltschaft in rascher Folge weiteren Tatverdächtigen auf die Spur gekommen. Seither schreiten die Ermittlungen im Schneeballverfahren voran, ein Ende ist nicht abzusehen. „Wir setzen weiterhin die Puzzleteile zusammen, um diejenigen, die Kindern schlimmes Leid antun, aus der Anonymität der Chats im Internet herauszuholen. Dabei nutzen wir alle technischen Möglichkeiten“, sagte Ermittlungsleiter Esser.

          Durch die Arbeit der BAO Berg und der ZAC konnten bisher 52 Kinder aus den Fängen ihrer Peiniger befreit werden. „Das ist für mich die wesentlichste Botschaft“, sagte Esser. Zudem gelang es mittlerweile, 330 Beschuldigte zu identifizieren. Sieben Personen befinden sich aktuell in Untersuchungshaft, elf sind angeklagt. In zehn Fällen wurden schon Urteile gesprochen. Jörg L. wurde im Herbst vom Landgericht Köln zu zwölf Jahren Haft verurteilt; zudem ordnete die Kammer anschließende Sicherungsverwahrung an. Ins Ausland haben die Kölner Ermittler aus dem Komplex bisher sieben Verfahren abgegeben – nach Österreich, Finnland und Schweden sowie in die Schweiz und die Niederlande.

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