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Oregon : Nachbarn beschreiben Amokläufer als schüchtern

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Auf einem Schild bekunden Anwohner in Roseburg, Oregon, ihr Mitgefühl mit den Opfern des Amoklaufs. Bild: Reuters

Einen Tag nach dem Amoklauf von Oregon befragen Polizei und Medien das Umfeld des Attentäters. Ehemalige Nachbarn erinnern sich an einen scheuen jungen Mann – und eine übervorsichtige Mutter.

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          Zurückgezogen, fragil, schüchtern – so beschreiben Nachbarn und Weggefährten den Attentäter vom Umpqua Community College, Chris Harper Mercer. Der 26-jährige Mann, der am Donnerstag bei einem Amoklauf mindestens zehn Menschen getötet und sieben weitere schwer verletzt hat, pflegte wenige soziale Kontakte, einzig seine Mutter war eine enge Bezugsperson für Mercer. Das berichtet die New York Times, die sich in Mercers Umfeld umgehört hat.

          Anwohner der Gemeinde Winchester im Bundesstaat Oregon wie auch im kalifornischen Torrance, wo Mercer mit seiner Mutter phasenweise lebte, erinnern sich an einen scheuen jungen Mann mit kurz geschorenem Haar und dunkler Brille, der Begegnungen mit anderen Menschen mied. „Er wirkte stets ängstlich“, sagt eine Frau aus Torrance, die oft im selben Bus mit Mercer fuhr. Zudem betont sie die starke Bindung zu seiner Mutter: „Die beiden waren immer zusammen.“

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          Immer in Soldatenhose

          Sein Mutter habe stets versucht, potentielle Störungen von ihrem Sohn fernzuhalten. Einmal sei sie in der Nachbarschaft von Tür zu Tür gegangen, um Unterschriften für eine Petition zu sammeln. Diese sollte den Vermieter der Wohnanlage dazu bewegen, gegen Kakerlaken vorzugehen, die ihren Sohn stören würden, so die Erinnerung von Zeugen.

          „Sie sagte: 'Mein Sohn hat psychische Probleme. Die Kakerlaken regen ihn auf´“, berichtet eine Nachbarin von dem Vorfall. Eine andere Frau sagt, Mercers Mutter habe sich bei ihr beschwert, dass ihr Sohn durch den Lärm spielender Kinder gestört werde.

          Ein Foto von Chris Harper Mercer, dem mutmaßlichen Attentäter von Oregon, beim sozialen Netzwerk „Myspace“.
          Ein Foto von Chris Harper Mercer, dem mutmaßlichen Attentäter von Oregon, beim sozialen Netzwerk „Myspace“. : Bild: Myspace

          Keiner der Befragten gab an, je länger mit Mercer geredet zu haben. „Manchmal habe ich ihn gefragt, ob alles in Ordnung sei“, sagt ein Nachbar aus Oregon. „Er antwortete stets nur „Hi“, nichts weiter. Er war sehr schüchtern.“ Auffällig sei zudem Mercers Kleidungsstil gewesen, den er nie gewechselt habe. Jeden Tag hätte er eine grüne Soldatenhose, Stiefel und ein weißes T-Shirt getragen.

          Rechtsradikale Tendenzen erkennbar

          Das Motiv für den Amoklauf bleibt weiter unklar. Auf der Webseite „4chan“ war am Mittwochabend, keine 24 Stunden vor dem Attentat, ein Eintrag gepostet worden: „Einige von euch sind in Ordnung. Geht morgen nicht zur Schule, wenn ihr im Nordwesten wohnt. Morgen früh reiche ich nach, was passiert ist.“ Der anonyme Urheber der Botschaft hat sich bislang nicht zurückgemeldet – Mercer starb am Tatort.

          In sozialen Netzwerken präsentierte sich Mercer als konservativer junger Mann mit Hang zu Waffen. Auf der Profilseite von „MySpace“, die Mercer zugeordnet wird, posiert er vor einer hellen Wand, in den Händen hält er ein Gewehr. Andere Fotos zeigen Mercer in Unterhemd oder Anzug, immer allein. Mehrere Einträge beschäftigen sich mit der paramilitärischen IRA, ohne einen Hinweis, ob Mercer einen Bezug zu den Unabhängigkeitskämpfern hatte. Bei dem Datingportal „Spiritual Passions“ fungierte Mercer unter dem Nutzernamen „IRONCROSS45“ (“Eisernes Kreuz 45“) – vermutlich in Anlehnung an einen Orden, der in Deutschland bis 1945 verliehen wurde.

          Der britische „Express“ vermutet ebenfalls rechtsradikale Tendenzen bei Mercer; die Zeitung schreibt von einer SS-Offiziersmütze, die Mercer vor mehr als zwei Jahren im Internet bestellt habe.

          Auch ein religiöses Motiv ist weiter denkbar. Augenzeugen berichten laut CNN, Mercer habe seine Opfer vor der Tötung gefragt, ob sie Christen seien. „Gut, denn wenn du Christ bist, wirst du Gott in einer Sekunde zu Gesicht bekommen“, soll Mercer ihnen gesagt haben, bevor er das Feuer eröffnete.

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