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Die Welt des Hackers : Im Netz ist „G0d“ kein Unbekannter

Es war auch ein Youtuber, der eine breite Öffentlichkeit auf den Hacker aufmerksam machte. „Unge“ veröffentlichte am Donnerstag ein Video, in dem er seine Fans davor warnte, dass sein Twitter-Account gehackt worden sei: „Falls Ihr mir auf Twitter folgt, klickt keine Links an.“ Im Gegensatz zur breiten Öffentlichkeit wusste Simon Unge da schon etwas mit dem Nutzer „G0d“ anzufangen: „Das ist so ein Hacker, oder eine Hackergruppe“, die schon öfter aufgefallen seien, weil sie Infos über „irgendwelche Prominenten oder Politiker“ in Deutschland veröffentlicht hätten. Außerhalb der Youtube-Blase war das bis dahin offenbar noch niemandem aufgefallen.

Ein anderer YouTuber, Tomasz Niemiec, hatte seinen Angaben zufolge sogar noch in der Nacht auf Freitag Kontakt zu „_0rbit“, weil er „Unge“ helfen wollte, seinen Account zurückzubekommen. Niemiec sagte zu „T-Online“, dass er den Hacker schon seit Jahren kenne.  „Nicht privat, sondern als jemanden, mit dem man sich im Netz über die YouTube-Szene austauschen konnte.“ Er habe eigentlich nicht mehr mit dem Nutzer geschrieben, als der begonnen habe, die Accounts anderer Youtuber zu hacken. „In der Regel hat er die Accounts irgendwann aber wieder an ihre Besitzer herausgegeben ", sagte Niemiec. Im Gespräch habe der Hacker angedeutet, dass er über eine „Lücke bei Gmail“ an den „Unge“-Account gekommen sei. Was das Ziel des Hackers war? Er habe vor allem Aufmerksamkeit bekommen wollen und das im Chat geäußert, sagte Tomasz Niemiec zu „T-Online“.

Das sagen Betroffene

Der betroffene Youtuber „Sallyisg4y“ sagte im Gespräch mit FAZ.NET, die ihn betreffenden Daten seien echt. Allerdings wurden sie bereits im Mai veröffentlicht. Dass sein Klarname herausgekommen sei, habe ihn nicht überrascht, sagt er: „Der ist nicht schwer herauszufinden. Wer sein Gesicht zeigt, muss mit sowas rechnen.“ Aber dass auch Daten über Angehörige, seine Telefonnummer und seine Bankverbindung darunter sind, damit hat er nicht gerechnet. „Doxxing ist eine große psychische Belastung“, sagt er. „Vielen ist nicht klar, dass das auch Konsequenzen im realen Leben hat.“

So seien in seinem Namen größere Mengen Pizza bestellt worden, sein Konto wurde gehackt, einmal habe sogar jemand geklingelt. Wie die Täter an seine Daten gekommen sind, kann er sich nicht erklären. Seine Versuche, gegen die Veröffentlichung der Daten vorzugehen, blieben bislang ergebnislos: Die Polizei habe keinen rechtlichen Verstoß erkennen können, sagt er. Nun hofft er, dass die große Aufmerksamkeit für das Thema hilft, um sich künftig gegen Doxxing wehren zu können.

Ein weiterer Betroffener berichtet im Gespräch mit FAZ.NET von ähnlichen Erfahrungen. Er möchte seinen Namen nicht nennen, um seinen Gegnern nicht noch mehr Angriffsfläche zu bieten. Auch in seinem Fall seien die Daten schon länger im Internet verfügbar. Viele Youtuber seien von Doxxing betroffen, berichtet er, „wir haben das Spiel alle schon mal durch“.

Die Täter wollten einfach Chaos stiften, dem Ruf der Betroffenen schaden und sie persönlich verletzten. Im aktuellen Fall kann er sich vorstellen, dass jemand versucht, gefälschte Daten zwischen den echten zu verstecken. Weil er sich nicht erinnern kann, wo er die veröffentlichten Daten hochgeladen oder verschickt haben könnte, vermutet er, die Ursprungsquelle könne eine Person sein, die er mal persönlich gekannt hat – ein ehemaliger Mitschüler beispielsweise. Auch er hat bislang keine Möglichkeit gefunden, gegen die Veröffentlichung seiner Daten vorzugehen.

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