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Oktoberfestbilanz der Polizei : Weniger Straftaten auf der Wiesn, aber mehr Gewalt gegen Polizisten

Bild: AFP

Die Polizei in München zieht eine positive Bilanz des Oktoberfests. Die Straftaten gingen zurück. Dennoch fiel besonders ein Verhalten negativ auf.

          Das Oktoberfest 2018 war eine „ruhige und im wesentlichen friedliche Wiesn“. Das teilte die Münchner Polizei am Sonntag mit. Bis zum letzten Tag der Wiesn um fünf Uhr morgens (am Sonntagabend wurde das Fest geschlossen) konnte die Polizei insgesamt einen Rückgang der Sexualdelikte, der Taschendiebstähle und Betäubungsmitteldelikte verzeichnen. Insgesamt wurden 924 Taten erfasst – im Vorjahr waren es noch 1014. Dabei besuchten 2018 rund 6,3 Millionen Besucher das Oktoberfest, etwa 600.000 Gäste mehr als 2017.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Mehrzahl der Delikte, 256 Taten, stellte die Polizei bei den Körperverletzungen fest. Hier waren es mit zwei Delikten mehr fast genauso viele Straftaten wie 2017. Allerdings wurde dieses Jahr weniger oft zum Maßkrug gegriffen: Waren es 2017 noch 36 Fälle, so wurden nun 27 Fälle verzeichnet. Erst am Samstagabend war ein Ordner mit einem Besucher in Streit geraten, weil dieser bei Zeltschluss noch sein Bier zu Ende trinken wollte. Beide schlugen sich Maßkrüge an die Köpfe, beide kamen ins Krankenhaus, und gegen beide wurde Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet. Ein 58 Jahre alter Mann war zudem vor rund einer Woche im Zuge einer körperlichen Auseinandersetzung gestorben. Der Tatverdächtige wurde festgenommen, die Ermittlungen dauern an.

          Weniger Sexualdelikte

          Die Zahl der Sexualdelikte ist erheblich zurückgegangen. 42 entsprechende Taten, darunter vier Vergewaltigungen, wurden registriert, 20 weniger als 2017. Eine erfreuliche Entwicklung vor allem vor dem Hintergrund, dass durch die Verschärfung des Sexualstrafrechts auch das sogenannte Grapschen nicht mehr nur als Beleidigung auf sexueller Grundlage, sondern auch als Sexualdelikt erfasst wird. Zudem sind seitdem nicht nur die Wiesn-Besucher, sondern auch die Angestellten in den Zelten eher sensibilisiert: Die Bereitschaft zur Anzeigenerstattung ist laut Polizei gestiegen. Dass die starke Polizeipräsenz gerade hier Wirkung zeigt, belegt die Polizei mit der hohen Zahl von 25 festgenommenen Tätern. Die zivilen und uniformierten Streifen sowie die gezielte Videoüberwachung haben dazu geführt, dass die Polizei schon „sich abzeichnende Straftaten“ erkennen und sie so auch Taten verhindern konnte. Die verstärkten Kontrollen führten zudem laut Polizei dazu, dass die Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz um 15 Prozent zurückgingen. 231 Taten wurden registriert, auf der Wiesn 2017 waren es 273 Taten.

          Zurückgegangen ist auch die Zahl der Taschendiebstähle – von 201 Taten im Jahr 2017 auf 174 Taten. Geändert hat sich auch die Masche: Da Taschen und Rucksäcke verboten sind, zielen Diebe nun darauf ab, Handys und Geldbörsen direkt aus Jacken und Hosentaschen oder gleich die ganze Jacke zu stehlen. Die zivilen Fahnder konnten 16 Personen festnehmen.

          Wenig Wirkung zeigten Polizeipräsenz und insgesamt 47 Kameras jedoch bei den Angriffen auf Polizeibeamte. 20 Taten wegen „Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte“ wurden registriert, vergangenes Jahr war es nur eine Tat weniger. Dabei wurden 15 Polizisten verletzt. Diese „Rücksichtslosigkeit, Aggressivität und Gewalt einzelner Wiesnbesucher“ gegen Polizisten stehe im Widerspruch zur eigentlich „friedlichen Stimmungslage“ auf dem Oktoberfest“.

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