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Übergriff auf dem Oktoberfest : Wiesn-Grabscher zu Geldstrafe verurteilt

In einem Bierzelt wie diesem kam es auf der Münchner Wiesn zum sexuellen Übergriff. Bild: Andreas Müller

Im vergangenen Jahr kam es auf dem Münchner Oktoberfest zu einem sexuellen Übergriff, bei dem ein Mann einer Frau an Brust und Gesäß griff. Kurz vor Beginn des diesjährigen Fest ist nun das Strafmaß verkündet worden.

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          Er habe sich gefragt, warum sie „nicht einfach weggegangen“ sei. Das gab ein 28 Jahre alter Bauingenieur aus Freising vor Gericht an, der wegen eines sexuellen Übergriffs angeklagt war. Die Argumentation passt zum „victim blaming“ bei sexuellen Übergriffen: Die Schuld wird beim Opfer gesucht. Entweder war der Rock zu kurz, das Lachen zu aufreizend oder die Anwesenheit zu lang. In diesem Fall war es das Verweilen einer 34 Jahre alten Frau auf einer Bank in einem Bierzelt auf dem Münchner Oktoberfest 2018.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dort tanzte der ledige Bauingenieur am 7. Oktober gegen 20.30 Uhr neben einer Frau, die aus dem Raum Günzburg stammt. Sie schilderte den Vorfall später vor dem Amtsgericht München wie folgt: Der Mann fragte sie, ob sie mit ihm von der Bank heruntersteigen wolle. Um dort zu tanzen und mit ihm „rumzumachen“. Sie lehnte dies mit deutlichen Worten ab und drehte sich von ihm weg, woraufhin er ihr ans Gesäß fasste. Die Frau drehte sich wieder um, bat ihn, sie in Ruhe zu lassen, und wandte sich ihren Freundinnen zu. Der Mann ließ jedoch nicht von ihr ab: Er umarmte sie von hinten und drückte mit seiner linken Hand an ihre rechte Brust.

          Die Frau, nun wütend, kündigte lautstark an, dass er beim nächsten Mal „eine fangen“ werde. Doch der Mann fasste nur lachend wieder an ihr Gesäß. Da schlug sie mit der linken Faust zu und traf seitlich leicht den rechten Unterkiefer des Mannes. Er lachte weiter und fasste abermals an ihr Gesäß. Die Frau begann, ihn anzuschreien. Daraufhin drohte ihr ein Begleiter des Mannes, sie zu schlagen. Die Frau wandte sich schließlich an die Ordner im Bierzelt, auch die Wiesnwache wurde verständigt. Vor Gericht gab die Frau an, der Mann habe auch gegenüber den Polizisten „weiter gepöbelt“.

          Er sei „in Partystimmung“ gewesen

          Der Mann hingegen gab vor Gericht an, er habe ihr „keinen Schaden“ zufügen wollen, es tue ihm leid. „Wenn ich gewusst hätte, dass sie ein Problem mit mir hatte, dann wäre ich weggegangen. Ich weiß auch nicht, warum sie nicht weggegangen ist. Ich war geschockt, dass sie mir eine Faust gegeben hat.“ Die Warnung vor einem Schlag sei „akustisch“ nicht bei ihm angekommen. „Ich habe ihr nicht an den Hintern gefasst.“ Zudem verwies er auf seinen Alkoholkonsum: Er hatte vier Maß getrunken. „Und eine fünfte habe ich schon stehen gehabt.“

          Laut Gutachten kommt eine Alkoholisierung von maximal 1,79, wahrscheinlich 1,26 Promille in Betracht. Eine Minderung der Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen. Der Mann gab zudem an, er könne sich nicht daran erinnern, das mit dem „Rummachen“ zu ihr gesagt zu haben. Er sei „in Partystimmung“ gewesen. Nie würde er einer Frau „absichtlich an die Brust fassen“. Die Frau zeigte sich laut Gericht auch Monate nach der Tat noch „emotional beeindruckt“ durch das Verhalten des Mannes und seines Begleiters, der ihr drohte. „Mir geht es beschissen“, sagte sie, „man macht das nicht.“

          Das Amtsgericht verurteilte den Mann im Februar wegen „sexuellen Übergriffs“ zu einer Geldstrafe von 5400 Euro, wie das Gericht diese Woche mitteilte. Die Richterin legte einen „minder schweren Fall“ zugrunde: Zum einen ist der Mann bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten. Auch sei er sozial integriert, habe gestanden und sich entschuldigt. Laut Gericht wurde der Strafrahmen, der bei einem sexuellen Übergriff zwischen sechs Monaten und fünf Jahren liegen kann, auch deshalb nach unten verschoben, da der Angeklagte eine „Schadenswiedergutmachung“ von 1000 Euro angeboten hatte. Zu seinen Lasten wiederum sprach nach Sicht des Gerichts seine „Hartnäckigkeit“. Das Urteil ist rechtskräftig. (Aktenzeichen 821 Ds 454 Js 208997/18)

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