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Offene Grab-Frage : Rosa Luxemburgs Leiche im Keller gefunden?

  • -Aktualisiert am

Die unidentifizierte Leiche aus der Charité ließ Tsokos im Leibniz-Labor für Altersbestimmung der Christian-Albrechts-Universität Kiel per Computertomographie untersuchen. Demnach soll die Frau zum Zeitpunkt ihres Todes zwischen 40 und 50 Jahre alt gewesen sein, an Arthrose gelitten und unterschiedlich lange Beine gehabt haben.

Rosa Luxemburg war 47 Jahre alt, als sie ermordet wurde. Ihre unterschiedlich langen Beine waren die Folge einer angeborenen Hüftverrenkung, sie hinkte. Auch die Körpergröße von 1,50 Meter soll übereinstimmen, Rosa Luxemburg war klein. „Ich habe keinen Hinweis gefunden, dass sie es nicht sein könnte“, sagt Tsokos. „Das heißt aber nicht, dass sie es sein muss. Mir fehlt der letzte wissenschaftliche Beweis.“

Die geistig umnachtete Nichte

Um den zu finden, wendet sich Tsokos nun an die Öffentlichkeit. Er möchte nach Möglichkeit einen DNA-Abgleich vornehmen. „In offiziellen Archiven gibt es nichts von Rosa Luxemburg. Aber vielleicht hat noch ein Sammler ein Kleidungsstück von ihr in seinem Fundus. Briefe oder Bücher bringen uns nichts, die sind seit 90 Jahren durch alle Hände gegangen.“ Eine Briefmarke auf einem Brief Rosa Luxemburgs brachte keine verwertbare DNA-Probe.

Auch eine Exhumierung der Leiche auf dem Friedhof Friedrichsfelde würde keine Gewissheit bringen, da das Grab 1935 von den Nationalsozialisten geöffnet und die Gebeine offenbar geraubt wurden. 1950 suchten Friedhofsangestellte auf Weisung der DDR-Regierung Wilhelm Piecks erfolglos nach den sterblichen Überresten Rosa Luxemburgs und Liebknechts.

In Warschau soll laut „Spiegel“ eine geistig umnachtete Nichte Rosa Luxemburgs leben. „Ich hoffe, dass sich die Politik jetzt einschaltet, dass ich einen DNA-Test machen kann“, sagt Tsokos. „Auf eigene Faust kann ich nichts unternehmen.“

Millionen von Menschen am falschen Grab gestanden?

Die Gerichtsmediziner Strassmann und Fraenckel handelten bei ihrer Obduktion von 1919 offenbar unter Druck. Der Leichnam der linken Revolutionärin sollte auf schnellstem Wege aus der Öffentlichkeit verschwinden, bevor sich der Fund der Wasserleiche in der überhitzen Atmosphäre des Berlin 1919 herumsprach. Unruhen sollten vermieden werden. Reichswehrminister Gustav Noske, mit dessen Billigung die Morde an den beiden Köpfen der Linken geschahen, wollte sie schnell beerdigen lassen. Strassmann und Fraenckel verzichteten auf eine Untersuchung der Zähne der Toten.

Identifiziert wurde Rosa Luxemburg schließlich von ihrer Vertrauten Mathilde Jacob, allerdings nur anhand eines Medaillons und ihrer Handschuhe. „Ich halte es für sehr unwahrscheinlich“, sagt Tsokos, „dass während vier Monaten in einem Strömungsgewässer das Medaillon nicht abgerissen wurde.“

Sollte Tsokos nun tatsächlich Rosa Luxemburgs Leichnam gefunden haben, müsse die Geschichte umgeschrieben werden, meint der Rechtsmediziner. „Dann haben in den letzten 90 Jahren Millionen von Menschen ein falsches Grab besucht. Die Bundesrepublik als Rechtsnachfolger der Weimarer Republik muss überlegen, wie sie diese Leiche beerdigt. Mein Job ist dann schon erledigt.“

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