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Drei Verletzte in Nürnberg : Polizei geht nach Messerangriff von Einzeltäter aus

Ein Stück Polizei-Absperrband hängt an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis. Bild: dpa

Nachdem ein Unbekannter am Donnerstagabend in Nürnberg drei Frauen niedergestochen hat, fahnden die Ermittler nach einem Serientäter. Die verletzten Frauen sind außer Lebensgefahr.

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           Es gab keinen Streit, keine Kommunikation, kein „Vorgeschehen“: Völlig unvermittelt hatte der Täter, nach dem die Nürnberger Polizei seit Donnerstagabend fieberhaft fahndet, im Nürnberger Stadtteil St. Johannis drei Frauen niedergestochen, die allein unterwegs waren. Nur durch Notoperationen konnten die Frauen gerettet werden. Den Täter schätzt die Polizei mittlerweile als Serientäter ein, eine vierzigköpfige Sonderkommission („Johannis“) ermittelt. Man habe jedoch bislang keinerlei Ansatzpunkte für ein „erkennbares Motiv“, sagte Thilo Bachmann, leitender Kriminaldirektor im Polizeipräsidium Mittelfranken, am Freitag. Nur eine der Frauen konnte bislang Angaben machen, die beiden anderen Opfer waren am Freitagnachmittag noch nicht vernehmungsfähig. Die Hinweislage sei „diffus“, man rechne nicht damit, den Mann schon in Kürze zu fassen. So hofft die Nürnberger Polizei auf wichtige „Impulse“ durch die Operative Fallanalyse der Münchner Polizei, welche die Ermittlungen unterstützt. Einen terroristischen Hintergrund schließt die Polizei jedoch bislang aus.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Stadtteil St. Johannis, über den nach den Angriffen ein Hubschrauber kreiste, ist weit davon entfernt, ein Problemviertel zu sein. Es ist ein eher unauffälliges Wohngebiet, westlich der Nürnberger Altstadt gelegen, mit rund 8000 Einwohnern, einer mittelalterlichen Kirche und hübschen Barockgärten. Am Freitag durchkämmten nun bewaffnete Zivilbeamte und Uniformierte das Viertel, eine Vielzahl von Polizeistreifen war im Einsatz, ebenso Polizeihunde. Auch zur Gefahrenabwehr: Die Polizei will Präsenz zeigen, um weitere Angriffe zu verhindern. Die Polizisten befragten Anwohner, überprüften Passanten, durchsuchten Gaststätten und Spielhallen sowie mögliche Verstecke. Wie gefährlich und risikobereit der Mann ist, gegen den die Staatsanwaltschaft aufgrund der Heimtücke wegen versuchten Mordes ermittelt, zeigt allein der zeitliche Ablauf der Taten: Nach dem ersten Angriff und trotz Polizeipräsenz kam der Täter drei Stunden später wieder aus der Deckung, um zwei weitere Frauen anzugreifen.

          Gegen 19.20 Uhr schlug der Unbekannte am Donnerstagabend das erste Mal zu. Eine 56 Jahre alte Frau ging eine Straße entlang, als ihr der Täter entgegenkam. Er stach ihr plötzlich in den Oberkörper und flüchtete. Ein junger Mann leistete nach einem Bericht des Online-Portals „Nordbayern“ Erste Hilfe, stürmte in einen Friseursalon und fragte nach Handtüchern, während die schwerverletzte Frau draußen auf einer Bank saß. Dann, gegen 22.45 Uhr, suchte sich der Täter ein zweites Opfer. Ohne Vorwarnung stach er auf eine 26 Jahre alte Frau ein, die auf dem Heimweg war. Der dritte Angriff folgte kurz darauf, als der Täter eine 34 Jahre alte Frau niederstach. Danach entkam der Mann in der Dunkelheit.

          Kräfte der Bereitschaftspolizei suchten am Freitag vor allem auch nach dem „Tatmittel“, bislang ohne Ergebnis. Offenbar hat der Täter die Waffe nicht in der Nähe der Tatorte weggeworfen. Nach Zeugenangaben hat der Mann blonde Haare, einen Dreitagebart und helle Haut, ist etwa 25 bis 30 Jahre alt, kräftig und zwischen 175 und 180 Zentimeter groß. Unterschiedliche Angaben gibt es zu seiner Kleidung: Von einer orangefarbenen Jogginghose ist die Rede, ebenso von einer schwarzen Jacke oder einem blauen Jackett. Möglicherweise war die Polizei dem Täter schon dicht auf der Spur: Nach den Taten flüchtete ein Mann, auf den die Beschreibung passte, in ein Gebäude, als er eine Polizeistreife sah. Die Polizei sperrte das Gebäude ab. Als in einer Wohnung Licht brannte und niemand öffnete, wurde die Tür aufgebrochen – doch niemand war dort. Weder im Keller, noch auf dem Dachboden oder in den angrenzenden Garagen konnte der Mann gefunden werden.

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