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Polizeiskandal „NSU 2.0“ : Anwältin erhält zweiten Drohbrief

Polizeiwache in der Frankfurter Zeil: Bei Ermittlungen gegen fünf Frankfurter Polizisten werden nun auch Bezüge zur hessischen Neonazi-Szene geprüft. Bild: EPA

Die Ermittlungen gegen fünf Frankfurter Polizisten weiten sich aus. Die Polizei rätselt über ein weiteres Drohschreiben gegen die Anwältin Basay-Yildiz mit dem Absender „NSU 2.0“. Geprüft werden nun auch Bezüge zur hessischen Neonazi-Szene.

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          Die Ermittlungen gegen fünf Frankfurter Polizisten, die in einem Chat rechtsextreme Inhalte ausgetauscht haben sollen, weiten sich möglicherweise aus. Sie stehen mutmaßlich auch im Zusammenhang  mit einem Drohschreiben an die Anwältin Seda Basay-Yildiz. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, wird nicht ausgeschlossen, dass weitere Personen mit dem Kreis der fünf Beamten sympathisieren und auch gemeinsam mit ihnen agieren. Derzeit werde überprüft, inwiefern es Verbindungen zu weiteren Personen aus dem rechtsextremistischen Umfeld gebe, insbesondere aus der Neonazi-Szene.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Erst vor kurzem ist ein zweiter Drohbrief an die Anwältin Seda Basay-Yildiz verschickt worden, der dieser Zeitung vorliegt. Das Schreiben soll am 20. Dezember 2018 bei der Anwältin eingegangen sein. Einen Tag nach dem Sonderausschuss, den es zum Polizeiskandal im hessischen Landtag gegeben hat. Aus ermittlungstaktischen Gründen ist der zweite Drohbrief vorerst geheim gehalten worden. Auch die Anwältin selbst hatte sich bewusst nicht dazu geäußert in der Hoffnung, dass der Absender dann schneller ermittelt werden kann. Berichtet darüber hatte nun die „Süddeutsche Zeitung“.

          Auch dieser Drohbrief ist – wie der erste – per Fax in der Kanzlei der Anwältin eingegangen und mit „NSU 2.0“ unterzeichnet. Abermals wird die Tochter der Juristin erwähnt und mit einer Todesdrohung versehen. Erwähnt werden aber diesmal auch die Namen ihrer Eltern sowie der ihres Mannes. Es handelt sich abermals um Informationen, die ausschließlich über das polizeiliche Abfragesystem zugänglich sind. Die Ermittler vermuten, dass sie damals schon bei der ersten Abfrage, die – wie berichtet – über den Computer einer Polizeibeamtin des 1. Reviers in Frankfurt erfolgt war, mit erfasst und erst jetzt verwendet wurden.

          Die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz, erhielt ein Drohschreiben mit dem Absender „NSU 2.0“

          Allerdings erscheint es aus Sicht der Ermittler fraglich, ob dieses zweite Fax von denselben Personen verschickt wurde wie das erste. Parallelen gibt es zwar in der Art, wie das Fax versendet wurde: auf einem technisch bisher nicht rekonstruierbaren Weg. Während bei dem ersten Fax jedoch noch vermutet wird, dass es aus dem Kreis der fünf Beschuldigten Frankfurter Polizisten stammen könnte, ist bei diesem auch ein zweiter Personenkreis möglich – offenbar aber ebenfalls mit Polizeibezug. Außerdem vermutet die Polizei, dass dieser zweite Personenkreis mit den Personen, die den ersten Drohbrief verschickt haben, eng zusammenarbeitet.

          In dem Schreiben heißt es: „Dir (...) ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast! (...) Allerdings kommt es jetzt richtig dicke für dich, du Türkensau!“ Es folgen weitere Beschimpfungen und schließlich auch eine Beschreibung, wie man sich „rächen“ wolle.

          Weiterhin für unwahrscheinlich und in keiner Weise belegt halten die Ermittler eine Verbindung zwischen dem Frankfurter Fall und einem Prozess gegen Neonazis in Halle. In diesem Zusammenhang war ein Polizist aus Südhessen genannt worden, der ebenfalls eine Abfrage ohne dienstlichen Bezug im polizeilichen System vorgenommen hatte. Allerdings aus einer völlig anderen Motivation, wie es heißt.

          Seda Basay-Yildiz sagte gestern im Gespräch mit der F.A.Z., sie werde sich nicht einschüchtern lassen von diesen Drohungen und „weitermachen wie bisher“.

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