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NS-Verbechen : Amerikaner verhaften mutmaßlichen Auschwitz-Wächter

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Ein Mann wurde in den Vereinigten Staaten festgenommen, weil er Wachmann in Auschwitz gewesen sein soll. Bild: dapd

Er könnte der letzte Nationalsozialist sein, der auf amerikanischen Boden gefasst wurde: In Philadelphia wurde ein 89 Jahre alter deutscher Einwanderer verhaftet. Er soll Wachmann in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald gewesen sein.

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          Der 89 Jahre alte Johann Breyer ist im amerikanischen Philadelphia festgenommen worden. Der deutsche Einwanderer, der in Amerika als Schlosser arbeitete, soll im Zweiten Weltkrieg der Waffen-SS angehört haben und Wachmann in den Konzentrationslagern Auschwitz und Buchenwald gewesen sein.

          Schon seit mehr als einem Jahr ermittelt die Staatsanwaltschaft Weiden gegen Breyer. Er ist amerikanischer Staatsbürger und lebt schon seit 1952 in den Vereinigten Staaten. Laut einem Bericht des britischen „Guardian“ soll er allein in Auschwitz am Mord von 216.000 Juden beteiligt gewesen sein. Frühere Berichte sprachen von weit mehr, die deutsche Staatsanwaltschaft hatte anfangs wegen Beihilfe zum Mord in 344.000 Fällen ermittelt. Breyer hat erklärt, er sei zum Eintritt in die Waffen-SS gezwungen worden und nicht an den Morden beteiligt gewesen.

          Breyer wurde laut Angaben der amerikanischen Polizei am Mittwoch in seiner Wohnung verhaftet. Deutschland hat ein Auslieferungsersuchen an die amerikanischen Behörden übersandt. Laut einem Bericht der „New York Times“ hat Breyers Anwalt bereits angemerkt, dass es gesundheitlich schlecht um seinen Mandanten stünde. Er leider unter anderem an einer milden Form von Demenz. Der zuständige amerikanische Haftrichter entließ ihn aber dennoch nicht aus dem Gefängnis und führte Breyers mutmaßlich schwere Verbrechen als Grund an.

          Ermittlungen gegen rund 30 Männer

          Nach dem Urteil gegen den Sobibor-Wachmann John Demjanjuk im Mai 2011 hatte die deutsche Zentralstelle zur Bekämpfung der Nazi-Verbrechen in Ludwigsburg einen letzten Versuch unternommen, noch lebende Angehörige der Waffen-SS vor ein deutsches Gericht zu stellen. Sie nahm Ermittlungen gegen 50 Männer auf. Bei einigen hat sich der Vorwurf erhärtet, einige sind inzwischen gestorben. Übrig waren im September vergangenen Jahres noch 30 Verfahren.

          Darunter ist auch das Verfahren gegen Breyer. Ihm muss, so ist zumindest die Auffassung der Zentralstelle in Ludwigsburg, kein einzelner Mord nachgewiesen werden - anders als es in einem Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofs von 1969 formuliert ist. Auch Demjanjuk wurde „nur“ für seine Anwesenheit in Sobibor verurteilt. Eine konkrete Tat konnte man ihm nicht zuordnen. Ob das Urteil des Landgerichts München gegen ihn höchstrichterlich Bestand gehabt hätte, wurde allerdings nie geprüft: Demjanjuk starb, bevor über seine Revision verhandelt werden konnte. 

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