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NS-Kriegsverbrecher : Nazi-Parolen zum 100. Geburtstag

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„Er kann seinen Geburtstag feiern, seine Opfer nicht“: Proteste gegen Kriegsverbrecher Priebke am Montag in Rom Bild: REUTERS

Der frühere SS-Mann Erich Priebke darf seine Haftstrafe wegen seines hohen Alters in seiner Wohnung in Rom absitzen. Anlässlich seines hundertsten Geburtstags sprühten Neonazis Parolen an Hauswände.

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          Mindestens zweimal im Jahr muss ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Rom Erich Priebke besuchen, um sich nach seinem Wohl zu erkundigen und die regelmäßige Zahlung von Bezügen aus Deutschland zu überprüfen. Am Montag aber wollte „garantiert niemand“ bei dem NS-Kriegsverbrecher anklopfen. Dabei beging Priebke, der 1998 wegen der Tötung von 335 Zivilisten in den Ardeatinischen Höhlen vor Rom zu lebenslanger Haft und 1999 wegen seines hohen Alters zu Hausarrest verurteilt wurde, seinen 100. Geburtstag.

          Nicht nur der Pflichtbesuch von der Botschaft fiel aus. Die Polizei hatte Priebke jeden Besuch verboten: „Ich kann niemanden sehen, das ist mir nicht erlaubt“, sagte der frühere SS-Offizier einem Journalisten durchs Haustelefon. Soldaten und Carabinieri bewachten das unscheinbare Mietshaus bei der Via Aurelia. Noch vor Tagen hatte Priebkes Anwalt und Vertrauter Paolo Giachini den Besuch von Verwandten und Freunden angekündigt.

          Bis heute soll er seine Taten nicht bereuen

          Stattdessen schrieben Rechtsextremisten nahe der Wohnung auf eine Mauer: „Gott verfluche deine Ankläger - Herzlichen Glückwunsch, Hauptmann Priebke“. Auch anderswo in der Stadt wurden Parolen an die Wände gesprüht. Dagegen wollten sich am Montagabend in Priebkes Nachbarschaft Angehörige der Opfer und Aktivisten der sozialistischen Partei „Linke-Ökologie-Freiheit“ (SEL) treffen, um die Namen der 1944 Erschossenen vorzulesen.

          Vor einem Jahr noch durften Sympathisanten vor seiner Wohnung demonstrieren. Seinen 90. Geburtstag konnte er sogar in einem Landgasthaus vor der Stadt feiern. Bis heute soll der frühere SS-Hauptsturmführer seine Taten nicht bereuen. Aber er habe sich dem Glauben zugewandt und lese religiöse Texte, berichtete jetzt Neofaschist und Priebke-Freund Mario Merlino dem „Corriere della Sera“. Der Kriegsverbrecher zeige Alterserscheinungen: „Er ist taub und hat fast vollständig das Gedächtnis verloren.“ Daran zweifelt zumindest der Journalist, der mit ihn am Montagmorgen durchs Haustelefon sprach.

          Am 23. März 1944 hatten italienische Partisanen 32 Männer einer deutschen Polizeieinheit getötet. Angeblich auf direkten Befehl Hitlers sollten für jeden toten Deutschen zehn Italiener sterben. So führten SS-Truppen einen Tag nach dem Anschlag 335 Männer in die Höhlen und erschossen sie. Priebke führte die Namensliste und tötete selbst zwei Personen.

          Gleichwohl konnte Priebke, der in Hennigsdorf bei Berlin geboren wurde, lange ungestört in Argentinien leben. Erst 1994 entdeckte ihn ein amerikanischer Nazi-Fahnder, und Priebke wurde nach Italien ausgeliefert. Am Montag setzte sich ein früherer Partisan im „Corriere“ dafür ein, den Hundertjährigen zu begnadigen.

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