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Neue Dynamik in Rocker-Szene : Polizei in NRW beschlagnahmt mehr Geld

  • -Aktualisiert am

Polizisten sichern während einer Razzia Anfang 2019 eine Shisha-Bar in Bochum. Bild: dpa

21,7 Millionen Euro hat die nordrhein-westfälische Polizei 2018 von kriminellen Banden beschlagnahmt. Noch deutlicher nahm allerdings der kriminelle Profit zu, den das LKA hochrechnen konnte.

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          Die nordrhein-westfälische Polizei hat im Kampf gegen Organisierte Kriminalität (OK) 2018 gut fünf Mal mehr Geld von kriminellen Banden beschlagnahmt als im Jahr zuvor. Die Summe des sichergestellten kriminellen Vermögens stieg von 4,6 auf 21,7 Millionen Euro. Das geht aus dem am Freitag veröffentlichten Lagebild „Organisierte Kriminalität“ des Landeskriminalamts in Düsseldorf hervor. Allein im Zuge der Ermittlungen gegen Spielhallenbetreiber wegen Steuerhinterziehung wurden im vergangenen Jahr in NRW 10,2 Millionen Euro abgeschöpft.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Noch deutlicher nahm allerdings der kriminelle Profit zu, den das LKA auf der Grundlage der Ermittlungsergebnisse von 64 Prozent der im Berichtszeitraum geführten 77 OK-Verfahren hochrechnen konnte. Demnach versiebenfachte sich im Vergleich zu 2017 der Tat-Ertrag auf 188,5 Millionen Euro. Der Sprung wurde vor allem durch ein Verfahren verursacht: Das Auffliegen einer Kokainschmuggelroute der italienischen Mafia. Nach Erkenntnissen des LKA hat die mit der ’Ndrangheta verbundene Bande Kokain im Marktwert von 120 Millionen Euro über Nordrhein-Westfalen nach Großbritannien gebracht. Der Gewinn wurde unter anderem in Gastronomiebetrieben gewaschen.

          Die Bedeutung albanischer Banden im Rauschgiftgeschäft hat zugenommen. „Ermittlungen des LKA Nordrhein-Westfalen belegten die zunehmende Dominanz und internationale Relevanz albanischer Tatverdächtiger im internationalen Kokainhandel“, heißt es im aktuellen Lagebild. Es handle sich um kriminelle Großfamilien, die auch durch Dokumentenfälschung, Identitätsmissbrauch, Eigentumskriminalität und Menschenhandel auffallen. Erschwert werden die Ermittlungen dadurch, dass Clanführer von Albanien aus ihre kriminellen Geschäfte steuern und darauf achten, die Personen, die in Deutschland Straftaten ausführen, regelmäßig auszutauschen.

          Kriminelle arabische Familien-Clans sind nicht nur in den Handel mit Marihuana und Kokain involviert, sondern laut Lagebild „in nicht geringen Mengen“ auch in die international organisierte Verschiebung gestohlener Fahrzeuge. Das Polizeipräsidium Bochum ermittelte erfolgreich gegen eine Bande, die Luxusfahrzeuge der Marken Mercedes, BMW und Jaguar durch den betrügerischen Abschluss von Miet- und Leasingverträgen in ihren Besitz brachte. Um die Ortungstechnik in Ruhe deaktivieren zu können, hatten die Täter Garagen in Nordrhein-Westfalen gemietet. Für den Weiterverkauf der Fahrzeuge über Frankreich nach Nordafrika benutzten sie verfälschte Dokumente, die aus einer Einbruchsserie in mindestens fünf Zulassungsstellen von Straßenverkehrsämtern im gesamten Bundesgebiet stammten. Bei diesen Einbrüchen waren Tausende Kraftfahrzeugbriefe, -scheine und Siegel gestohlen worden.

          Obwohl die Behörden schon seit Jahren besonders intensiv gegen kriminelle Rocker vorgehen, berichtet das LKA nun von einer seit Sommer 2018 deutlich zunehmenden Dynamik in der Szene. Gebiets- und Konkurrenzstreitigkeiten seien „offensiv und in der Öffentlichkeit“ ausgetragen worden. Während sich die beiden großen Clubs – „Hells Angels MC“ und „Bandidos MC“ – vornehmlich im Großraum Köln gewaltsam um die Vormachtstellung im Rheinland gestritten hätten, habe der „Freeway Rider’s MC“ seine Position im südöstlichen Ruhrgebiet (Großraum Hagen) gegen den „Bandidos MC“ behaupten können. Auch dabei kam es zu schweren Gewalttaten, wie im Spätsommer 2018 in Dortmund. Im Rahmen einer „massiven Machtdemonstration“ der „Bandidos“ gegenüber einer kriminellen Großfamilie wurde der Clanchef bei einer Messerattacke schwer verletzt. Im Mai 2019 verurteilte das Landgericht Dortmund die beiden Angreifer wegen schwerer Körperverletzung zu hohen Freiheitsstrafen.

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