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Chaos auf Autobahnen : NRW geht gegen Exzesse bei Hochzeiten vor

  • -Aktualisiert am

Herbert Reul sagt: „Jeder hat sich an die geltenden Regeln zu halten, sonst setzt die Polizei der Feier sehr schnell ein ernüchterndes Ende.“ Bild: dpa

Allein in Nordrhein-Westfalen mussten Streifenbeamte am Wochenende 32 Mal gegen Hochzeitskonvois einschreiten. Der Innenminister macht dagegen nun mobil: „Autobahnen sind keine privaten Festsäle.“

          Bei Hochzeitsgästen scheinen Konvois immer beliebter zu werden, bei denen andere Verkehrsteilnehmer nicht nur in Innenstädten, sondern sogar auf Autobahnen gezielt ausgebremst werden – mit dem Ziel, möglichst spektakuläre Foto- und Filmaufnahmen zu machen. Regelmäßig schießen Teilnehmer auch in die Luft – so wie am Samstag beim Autokorso einer kurdischen Festgesellschaft im niedersächsischen Burgdorf.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Gegen solche Auswüchse macht der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) nun mobil. „Autobahnen und Innenstädte sind keine privaten Festsäle“, sagte Reul am Mittwoch in Düsseldorf. „Jeder hat sich an die geltenden Regeln zu halten, sonst setzt die Polizei der Feier sehr schnell ein ernüchterndes Ende. Wenn Hochzeitsgesellschaften sich und andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen, werden die Toleranzgrenzen unserer Gesellschaft klar überschritten.“

          Allein in Nordrhein-Westfalen mussten am vergangenen Wochenende Streifenbeamte 32 Mal gegen Hochzeitskonvois einschreiten. Sie schrieben Dutzende Anzeigen, stellten Schreckschusspistolen sicher, erteilten Verwarnungen sowie Platzverweise, zogen Führerscheine ein und legten Fahrzeuge still. In Rheine blockierte eine Hochzeitsgesellschaft eine Kreuzung; Männer und Frauen stiegen aus ihren Fahrzeugen und tanzten auf der Straße.

          In Duisburg fuhr eine syrische Gesellschaft mit einem Dutzend Autos hupend durch die Innenstadt. Fahrzeuginsassen lehnten sich aus den Seitenfenstern und Schiebedächern. Als Zivilbeamte den Konvoi anhielten, stellte sich heraus, dass mehrere junge Männer keine gültigen Fahrerlaubnisse hatten. Eines der Autos war zudem weder zugelassen, noch versichert. „Von Einsicht keine Spur: Die Beteiligten Beschwerten sich vor Ort über den Einsatz“, berichtete ein Sprecher der Polizei. Nur wenige Stunden zuvor hatten Anlieger einer anderen Duisburger Straße beobachtet, wie ein Gast einer türkischen Hochzeitsgesellschaft mit einer Pistole Schüsse in die Luft abgegeben hatte.

          Obwohl die herbeigeeilten Streifenbeamten gut ein Dutzend Patronenhülsen auf dem Asphalt fanden, wollte niemand aus der Hochzeitsgesellschaft Schüsse wahrgenommen haben. Regelmäßig begingen Feiernde mit Migrationshintergrund „unter dem Deckmantel vermeintlicher Brauchtumspflege Straftaten und Ordnungswidrigkeiten“, man gehe „konsequent gegen Straftäter und Verkehrssünder vor“, hieß es von der Duisburger Polizei.

          Innenminister Reul sprach am Mittwoch von „Exzessen“, denen es einen Riegel vorzuschieben gelte. „Das ist rücksichtsloses Verhalten, für das mir jedes Verständnis fehlt und das wir nicht hinnehmen.“ Auch auf der parlamentarischen Agenda ist das Phänomen mittlerweile angekommen: Erst vor wenigen Tagen beschäftigte sich der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags mit einem besonders spektakulären Beispiel.

          Ende März hatten mehrere Luxus-Sportwagen durch Hin- und Herpendeln über alle Fahrstreifen den Verkehr der stark befahrenen Autobahn 3 bei Ratingen ausgebremst. Dann ließ einer der Fahrer die Reifen seines Wagens qualmen, um über die Fahrbahn zu „driften“. Bei einem ebensolchen Manöver verlor am Freitag vergangener Woche mitten in Berlin ein Hochzeitskorso-Teilnehmer die Kontrolle über sein Fahrzeug und stieß mit dem Wagen einer Frau zusammen, die dabei leichte Verletzungen erlitt.

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