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Fälle Susanna und Sophia : Nimmt die Polizei Vermisstenfälle nicht ernst genug?

Die Tankstelle in Spanien, an der die Leiche von Sophia gefunden wurde. Bild: EPA

In den mutmaßlichen Mordfällen Sophia und Susanna haben Angehörige schwere Vorwürfe gegenüber der Polizei erhoben. Vertreter der Beamten weisen sie zurück. Ein Experte gibt einer Familie dagegen Recht.

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          Die Polizei in Leipzig will keine Stellung zu den Vorwürfen von Angehörigen der getöteten Tramperin Sophia L. nehmen, dass zu zögerlich nach der Frau gesucht worden sei. Auf Anfrage teilte die Polizeidirektion Leipzig mit, dass man „tiefstes Verständnis für die emotionale Ausnahmesituation“ habe, der die Familie und Freunde von Sophia L. ausgesetzt sind und deswegen nüchterne und sachliche Erwiderungen über Medienvertreter für nicht zielführend halte. Sämtliche Angaben beträfen außerdem ein aktuelles Ermittlungsverfahren, „das seit dem 22. Juni nicht mehr in Hoheit von Staatsanwaltschaft und Polizei Leipzig geführt wird“. Insofern obliege die Auskunftszuständigkeit ausschließlich der Staatsanwaltschaft Bayreuth und dem Polizeipräsidium Oberfranken.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Der Polizei in Bayern werden allerdings keine Vorwürfe gemacht. Sie hatte am Freitag bestätigt, dass es sich bei einer vor zehn Tagen in Nordspanien gefundenen Frauenleiche um die Achtundzwanzigjährige handelt. Sie war am 14. Juni an einer Tankstelle bei Leipzig in einen Lastwagen gestiegen, um nach Bayern zu trampen. Dort kam sie aber nicht an. Noch vor dem Fund der Leiche wurde der 41 Jahre alte Fahrer des Lastwagens festgenommen. Er gilt als dringend verdächtig, die Studentin umgebracht zu haben. Auf seine Spur kam die Polizei auch dank Sophias Familie, die danach schwere Vorwürfe erhob.

          Ihr Bruder Andreas sagte im Gespräch mit FAZ.NET am Sonntag, dass die Polizei der Sache vor knapp zweieinhalb Wochen zwar ein Aktenzeichen gegeben habe, „mehr aber anfangs auch nicht“. Die Beamten in Leipzig hätten erst „stundenlang bekniet werden“ müssen, um Videoaufzeichnungen von der Raststätte zu sichten, an der Sophia gestartet war. „Als man dann Fahrer, Lkw und Kennzeichen kannte, ist exakt überhaupt nichts unternommen worden.“ Die Familie habe sogar noch vor der Polizei die Spedition in Marokko kontaktiert und den Fahrer ausfindig gemacht. Die Polizei habe währenddessen „tagelang mit sich selbst gestritten“, welche Dienststelle zuständig sei.

          Auch im Fall Susanna gab es Kritik

          Der Fall Sophia ist damit schon der zweite aufsehenerregende Vermisstenfall in kurzer Zeit, bei dem der Polizei vorgeworfen wird, nicht schnell genug reagiert zu haben. Nach dem mutmaßlichen Mord an der 14 Jahre alten Susanna in Wiesbaden erhob ihr Vater schwere Vorwürfe. „Die Polizei hat nicht geholfen und stattdessen die Schuld der Mutter gegeben, dass sie nicht aufgepasst habe“, sagte er „hr-info“. Es mache ihn fassungslos, wie lange die Beamten untätig geblieben seien, obwohl Susannas Mutter sie sofort über das Verschwinden ihrer Tochter informiert habe. Die Polizei wies zur Verteidigung darauf hin, dass Susanna wiederholt die Schule geschwänzt habe und „abgängig“ gewesen sei. Außerdem habe eine (wohl gefälschte) Nachricht darauf hingewiesen, dass das Mädchen im Ausland sei. Eine Zeugin, die recht früh davon berichtet hatte, dass Susanna Opfer eines Verbrechens geworden war, sei außerdem verreist gewesen. Für diese „absurden Argumente“ geriet die Polizei heftig in die Kritik.

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